Wein aus Hall soll im Mittelalter und in der frühen Neuzeit kein allzu großer Genuss gewesen sein. Geht es nach dem Riedener Guido Seyerle, soll sich das nun ändern. Er hat für seinen Weinanbau auf dem Tafelberg eine Fläche von rund einem Hektar gepachtet. „Ich habe keine Angst, dass der Wein nicht schmeckt.“

Der Hügel am Rande des Solparks in Hessental wurde künstlich angelegt. 2008 wurde entschieden, den Kocherquartieraushub auf dem belasteten Material der einstigen Tontaubenschießanlage der US-Streitkräfte aufzuschütten. Unter anderem ist dort auch der Aushub des Diak-Neubaus zu finden. Der Hügel ist circa 380 Meter lang, zwischen 80 und 135 Meter breit und etwa 12 Meter hoch.

2000 Flaschen Biowein

Bisher habe Guido Seyerle, der seit 1992 mit seinem Gartenbaubetrieb selbstständig ist, keine Erfahrung mit dem Anbau von Wein. „Im November schließe ich meine zweijährige Weiterbildung beim Deutschen Weininstitut ab“, erzählt er. Danach ist er „German Wine Professional“. Wegen des Klimawandels und aus ökologischen Gründen habe er sich dafür entschieden, in Hall Wein anzubauen. „Weinbauregionen rutschen gen Norden, weil es wärmer wird. Und Wein braucht es trocken und heiß, mit möglichst wenig Niederschlag.“

Weinanbau auf dem Tafelberg

Obst Weinanbau auf dem Tafelberg

In fünf bis acht Jahren solle sich der Ertrag rechnen. Rund 2000 Flaschen Biowein möchte Seyerle dann selbst lesen und keltern. „Nach Feierabend mache ich viel alleine auf dem Weinberg.“ Angebaut hat er Weißwein der Sorte Sauvignac, eine Kreuzung aus Sauvignon blanc, Riesling und Wildreben. Dazu kommt noch ein Rotwein der Sorte Satin Noir. Es sollen Bioweine sein, da „ich keinen gespritzten Wein trinken möchte“, erklärt Seyerle.

Er hat die Fläche von der Stadt gepachtet und den Muschelkalkboden untersuchen lassen. „Ich habe zehn verschiedene Bodenproben an ein Geoinstitut geschickt, die keine Belastung gefunden haben“, sagt er. Von Seiten der Stadt heißt es, dass der Pächter beurteilen muss, ob sich der Untergrund für den Weinbau eignet. Vergeben wurde die Fläche an Seyerle von der Verwaltung. Zwischen 40.000 und 50.000 Euro kostet ihn das Projekt.

Neben dem Weinberg möchte die Stadt eine Freizeitanlage auf dem Hügel errichten. Bereits 2008 hat OB Hermann-Josef Pelgrim diese Idee geäußert. Elf Jahre später gibt es immer noch kein Konzept. „Es ist in den kommenden zwei Jahren geplant, dem Gemeinderat ein Konzept für die Freizeitanlage vorzulegen“, heißt es von Seiten der Stadt.

Weinberg und Freizeitanlage sollen sich dabei nicht im Weg stehen. „Die Abteilung Stadtplanung achtet darauf, dass der Wein auf dem Tafelberg nur partiell angebaut wird und die Freizeitnutzung somit auf jeden Fall weiter möglich ist.“

Langenburg

Gewusst habe Seyerle bei der Pachtung nichts von dem geplanten Projekt. „Ich hatte keine Ahnung“, sagt er. Aber die Fläche sei ja groß genug. Im Mai hat er die ersten Reben gepflanzt, die mittlerweile bis zu 1,50 Meter hoch sind. Auch die ersten Früchte hängen schon dran.

Für 2020 ist in Hall zudem an weiteren Stellen die Pflanzung von Weinstöcken geplant: am Friedensberg und am Schiedgraben. Auch da wird Seyerle anpflanzen. „Die Details muss ich noch mit der Stadt ausmachen.“

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293 000 Kubikmeter Erde aufgeschüttet


Der aufgeschüttete Boden auf dem Tafelberg hat sich gesetzt, teilt die Haller Stadtverwaltung mit. Insgesamt sind bis 2014 rund 192 000 Kubikmeter Erde aufgehäuft worden. Heute seien es rund 293 000 Kubikmeter. Das Material stammt von der Tontaubenschießanlage, dem Kocherquartier, dem Bauunternehmen Leonhard Weiss und städtischen Projekten wie dem Starkholzbacher See und dem Haller Diak. kv