Aktion Hall soll jährlich 32 Bootsflüchtlinge aufnehmen

Bei der Übergabe (von links): Hanna Hald, Hermann-Josef Pelgrim, Claude Keil, Peter Aichelin und Karina Müller-Aichelin.
Bei der Übergabe (von links): Hanna Hald, Hermann-Josef Pelgrim, Claude Keil, Peter Aichelin und Karina Müller-Aichelin. © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 07.09.2018
Der Freundeskreis Asyl sammelt Unterschriften und erinnert an einen Ratsbeschluss von 2012.

„Es ist ein Kulturverfall, der mich schockiert“, sagt Peter Aichelin, der darauf anspielt, dass im Mittelmeer aus Seenot gerettete Flüchtlinge nicht an die Häfen gelassen, andere erst gar nicht vor dem Ertrinken bewahrt werden. Der Haller Freundeskreis Asyl wollte daher selbst aktiv werden, beteiligt sich inzwischen an der bundesweiten Initiative „Aktion Seebrücke“.

„Frau Hanna Hald ist der Beschluss des Haller Gemeinderats von 2012 eingefallen.“ Damals hat das Gremium einstimmig beschlossen, jedes Jahr 32 Flüchtlinge aufzunehmen – lange vor der großen Flüchtlingswelle 2015. Der Freundeskreis hat nun 250 Unterschriften in der Stadt gesammelt, um die Verwaltung aufzufordern, entsprechend des damaligen Beschlusses in dieser Zahl Bootsflüchtlinge aufzunehmen. Unter den Unterzeichnern ist auch Regierungspräsident Wolfgang Reimer. Diese Woche überreichte der Freundeskreis die Listen an den Oberbürgermeister.

Lob für Flüchtlings-Initiative

Pelgrim lobt das Engagement. „Es ist sehr beachtlich und sehr positiv, was der Freundeskreis Asyl und andere Initiativen über Jahre geleistet haben.“ Dem OB sei bereits 2012 klar gewesen, dass „wir die Wohlstandsinsel Europa nicht halten können, ohne dass andere zu uns kommen“.

Die Stadt nehme gerne Flüchtlinge auf, „nicht nur aus humanitären Gründen, sondern auch aus egoistischem Eigennutz“. Es müssten jährlich 500 Flüchtlinge in die Stadt kommen, um den wirtschaftlichen Status quo zu halten. Dieser Wert entspreche den aktuellen Zuwanderungszahlen. Festzustellen bleibe, so Pelgrim, dass das Thema mit der großen Aufnahmewelle 2015 lange nicht erledigt sei, auch wenn sich heute die Situation deutlich entspannter darstelle.

Nicht souverän bei Aufnahme von Flüchtlingen

Bei der Aufnahme von Flüchtlingen „sind wir als Stadt aber nicht souverän“, meint der OB. Es müsste ein Einwanderungsgesetz geschaffen werden, es müssten aber auch Fluchtursachen beseitigt werden.

Der Gruppe ist klar, dass die Stadt nicht direkt Flüchtlinge aus dem Mittelmeer holen kann. Karina Müller-Aichelin fordert aber: „Wichtig ist uns, dass Sie dieses Anliegen an die Bundesregierung weitergeben.“ Pelgrim signalisiert seine Bereitschaft und will handeln, sobald der Gemeinderat zugestimmt hat.

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