Schwäbisch Hall / Tobias Würth  Uhr
Dieter Wolfarth vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub lobt bei der politischen Radtour Hall. Er sieht aber auch Verbesserungspotenzial.

Fünfzehn“, murmelt Dieter Wolfarth vor sich hin. So viele Radler sind den 25 Teilnehmern der verkehrspolitischen Radtour in der ersten halben Stunde entgegengekommen. Diesmal will Wolfarth nicht unvorbereitet von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim überrumpelt werden.

Teil des Spiels bei der Verkehrsschau ist ein Ringen um die Deutungshoheit zwischen Radlern des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und Vertretern der Verwaltung. Der ADFC-­Ortsgruppenvorsitzende Wolfarth betont: „Man könnte mehr für die Radler machen.“ Pelgrim relativiert das: „Wenn man eine Verkehrszählung macht, merkt man, sie sind nicht die größte Gruppe.“ Bei den vergangenen Touren verkündete er regelmäßig, dass höchstens eine Handvoll anderer Radler gesichtet wurde. Meist regnete es.

Bei der überregionalen Aktion steuert Hall knapp 40.000 Kilometer dazu – die stehen für einige Tonnen gespartes CO2.

Doch bei der Tour am Mittwoch ist alles anders. Die Sonne lacht, der Oberbürgermeister zählt keine Radler und stimmt gleich mal den ersten Ideen der ADFCler zu.

Wolfarth stellt fest: „Die Strecke von Steinbach nach Tullau halte ich für eine der gefährlichsten.“ Radfahrer würden von Autos gefährlich nah überholt. Als Radler sollte man einen Meter Abstand zum Bordstein halten. Die Autos müssen wiederum in einer Entfernung von mindestens 1,50 Meter vorbeifahren. Mit Armbewegungen in Richtung Autofahrer, signalisieren die ADFC­ler, dass der Abstand zu gering ist. Doch viele Autofahrer schauen sie irritiert an.

Radweg Richtung Gelbingen soll verlänger werden

Wolfarth schlägt den Neubau eines Radwegs nach Tullau vor. Eine Reduzierung der erlaubten 70 Kilometer pro Stunde auf Tempo 50 sowie ein Fahrverbot für Lastwagen, mit Ausnahme der Anlieferungen, könnte helfen.

OB Pelgrim stimmt den Vorschlägen der Radlobbyisten zu. „Das wäre ein starkes Zeichen für den Kocher-Jagst-Radweg, der hier verläuft.“

Weiter geht es durch Steinbach, an der Urbanskirche vorbei bis zum Hafenmarkt. Währenddessen wird mehrfach angehalten. Es geht um Kleinigkeiten wie irreführende Beschilderungen und Poller ohne Sicherheitsmarkierung. Für die umstrittene Streckenführung zwischen Diak-­Kreisel und Gelbingen stellt Tiefbauamtsleiter Reinhold Goisser in Aussicht, dass die bisherige Lösung verbessert würde. Geplant sei, den Radweg in Richtung Gelbingen zu verlängern.

Der Campus Hall bietet an fünf Tagen Räder mit Antrieb und einen E-Busverkehr an.

Die größten Ärgernisse für Radler, wie die Verkehrsführung an der Crailsheimer Straße, werden nicht thematisiert. Sie standen in der Vergangenheit auf dem Programm. Radlobbyisten und Verwaltungsvertreter stellen fest, dass es erlaubt ist, den Hafenmarkt in beide Richtungen zu befahren. Es handelt sich um eine verkehrsberuhigte Zone, also um eine Spielstraße. Pelgrim verspricht am Ende, Anregungen zu prüfen. Er kann sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Trotz all der vielen Einzelthemen ist doch die Gruppe mit dem Rad gut durchgekommen.“

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