Die besorgniserregende Schlagzeile ist gerade mal zwei Tage alt: „Einer Million Arten droht die Ausrottung“ titelten am Dienstag die Zeitungen. Am Donnerstag geht’s im Adolf-Würth-Saal genau darum: Nachhaltigkeit, Tier- und Umweltschutz. Walter Döring von der in Hall ansässigen Akademie Deutscher Weltmarktführer und Markus Schäffler, Chef der Haller Firma Signal-Design, haben den längst auf internationalem Parkett umtriebigen Zeichner und Grafiker Timo Wuerz eingeladen. Der in Niedernhall aufgewachsene Künstler ist seit Jahrzehnten mit Schäffler befreundet. Noch viel länger zeichnet Wuerz Tiere. Mittlerweile zaubert er sie dank Schäfflers Klebefolien auch auf Stühle oder auf Autos: Auf dem Vorplatz der Kunsthalle Würth ist ein schicker E-Jaguar geparkt, auf dem ein Wuerz-Jaguar die Zähne fletscht.

Wuerz lebt seine Leidenschaft für wilde Tiere in farbintensiven und ausdrucksstarken Bildern aus. Richtige Hingucker sind das. Ganz nebenbei nutzt er seine Tierporträts dafür, Arten- und Umweltschutz zu thematisieren.

Bei dem Event in Hall ist er da nicht der Einzige. Einer der Mitstreiter ist Frank Weiß aus Weißenhorn. Der 48-Jährige hat die Beefuture GmbH gegründet, eine Initiative, um das Überleben der fleißigen Insekten zu sichern. Er erzählt davon, wie ein Glas Honig sein Leben veränderte. Weiß hält ein flammendes Plädoyer für die bedrohte Biene. In Rheinland-­Pfalz habe jedes sechste Bienenvolk den vergangenen Winter nicht überlebt. Von 40.000 Pflanzenarten in Europa seien allein 30.000 von der Biene als Bestäuber abhängig. „Wir müssen die Biene in unsere Mitte nehmen und dieses kleine Tier wieder wertschätzen“, betont Weiß.

Bäume gegen die Klimakrise

Beeindruckend ist auch, was Eva, Kira, Lisa und Ronja schildern. Die vier Schülerinnen aus Kirchheim unter Teck sind zwischen 11 und 13 Jahre alt. Sie sind Botschafterinnen für Klimagerechtigkeit und stellen die Initiative „Plant for the Planet“ vor. Ihre Vision ist es, dass auf der ganzen Welt Bäume gepflanzt werden, um so den Klimawandel wenigstens zu bremsen. 150 Bäume pro Mensch sind das Ziel. Diese Vision teilen sie mit mittlerweile mehr als 75.000 jungen Klimabotschaftern in 71 Ländern. Aufforsten fürs Klima also.

Die vier Mädchen berichten fundiert vom Treibhauseffekt, von schmelzendem Grönlandeis, drohender Trinkwasserknappheit, Dürren und Klimaflüchtlingen. Sie erzählen von kreativen Kampagnen, von der Teilnahme an Fridays-for-Future-Demos. Und sie fordern ihre Zuhörer auf, ihre Visitenkarten zu zücken und zu notieren, wie viele Bäume sie mit der Organisation zu pflanzen bereit sind.

Die Karten werden eingesammelt. Während Ronja addiert und auf 4650 versprochene Bäume kommt, erzählt Wuerz im lockeren Talk mit Döring und Schäffler, wie er mit eineinhalb Jahren einen Stift in die Hand bekommen hat. Dies hat sich als das ultimative Mittel erwiesen, den kleinen Racker ruhigzustellen. Seither zeichnet Wuerz. Als 15-Jähriger beginnt er mit Comics, mit 19 Jahren gibt’s das erste Buch. In der Schülerzeitung erscheinen seine Bilder auch – so habe er sich zeichnerisch am Physiklehrer gerächt, meint er frech.

Wuerz’ Bildmotive zeigen häufig grinsende Totenköpfe und pralle Weiblichkeit. An diesem Abend beschränkt er sich auf seine Menagerie – Nashorn, Puma, Krokodil und mehr. „Ich habe schon immer Tierbilder gemacht. Wenn genug beisammen waren, gab’s eine Ausstellung.“ Den Erlös spendete er dem Umweltschutz. Wuerz bemerkte, dass er auf unterhaltsame Weise auf Probleme aufmerksam machen kann. Das tut er auch mit seinem Buch „The Art of wild and free Animals“, das er bedrohten Tierarten widmet und in dem auch Umweltaktivisten zu Wort kommen. Kunst ist für Wuerz ein Weg, Empathie für den Tier- und Umweltschutz zu erzeugen. „Wir müssen so was persönlich machen“, sagt er ernst und appelliert an die Gäste, auch ganz bei sich im Kleinen anzufangen. „Ich bin kein Vegetarier, ich liebe Fleisch, aber ich esse nur sehr wenig.“ Und trotz des lobenswerten Engagements für die Honigbiene dürften die Wildbienen nicht vergessen werden, betont Wuerz kritisch.

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Zeichner, Künstler, Umweltschützer


Timo Wuerz wird am 7. April 1973 in Schwäbisch Hall geboren. Er wächst in Niedernhall auf und geht in Künzelsau zur Schule. Schon als Kind habe er immer gezeichnet, erzählt er. Als 14-Jähriger zeigt er erste Bilder in einer Ausstellung. Heute lebt Wuerz in einem Landhaus bei Hamburg und hat zwei Hauskatzen.

Kunsthochschulen, bei denen er sich bewirbt, lehnen ihn ab. Wuerz macht sich selbstständig – und hat Erfolg. Längst ist er als Zeichner und Illustrator weltweit gefragt. Zu seinen Kunden gehören beispielsweise Adidas, Daimler, Deutsche Post, Disney, Marvel, McLaren, Lamborghini, Post Luxemburg, Roncalli und Volkswagen. Vor allem mit seinen Comics wird Wuerz bekannt. Mittlerweile gestaltet er auch Filme, Shows und Themenparks. Überdies unterrichtet er, ist als Redner und Coach unterwegs und beteiligt sich an Projekten zu Themen wie Nachhaltigkeit, Natur- und Artenschutz. Das sei eines seiner Herzensanliegen. blo