Mit den alkoholfreien Bieren hat sich eine eigene Produktgruppe etabliert, die immer mehr Marktanteile besitzt“, erklärt Peter Theilacker, Geschäftsführer von Haller Löwenbräu. Die Zahlen sprechen für sich: Laut dem Forschungsinstitut Nielsen machen alkoholfreie Produkte bereits sieben Prozent am Gesamtabsatz der deutschen Brauereien aus. Die Branche will noch mehr: Mindestens zehn Prozent sind angedacht. Alexander Fach, Geschäftsführer der Brauerei Engel in Crailsheim, sieht sogar noch größeres Potenzial: „Ich halte 15 Prozent für absolut realistisch.“

Neue Zielgruppen

Die Beliebtheit lässt sich begründen: „Die Qualität der alkoholfreien Biere von unseren heimischen Brauern ist so hoch wie nie zuvor und mit den Produkten von vor 10 oder 15 Jahren nicht mehr vergleichbar“, erklärt Denni Föll, Pressesprecher des Baden-Württembergischen Brauerbundes. Peter Theilacker nennt noch einen weiteren Grund: „Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist einfach gewachsen.“ Daneben hebt er auch die Vorreiterrolle der Brauerei Erdinger hervor: „Sie haben das Alkoholfreie als isotonischen Durstlöscher etabliert.“ Davon profitieren jetzt auch andere Brauereien.

Ulm

Die regionalen Bierbrauer haben meist mehrere alkoholfreie Biere im Angebot: Export, Kellerbier oder auch Hefeweizen. Zu den absoluten Trendgetränken zählt derzeit auch das Naturradler, das aus Bier und natürlichem Zitronensaft besteht. Die Distelhäuser Brauerei aus Tauberbischofsheim ist bereits vor zwei Jahren auf diesen Zug aufgesprungen: „Wir haben 2017 das alkoholfreie Radler durch das alkoholfreie Naturradler ersetzt“, erläutert Geschäftsführer Christoph Ebers. Peter Theilacker von Haller Löwenbräu sieht in diesem Mixgetränk großes Potenzial: „Es spricht ganz andere Käuferschichten an.“ Der Baden-Württembergische Brauerbund hat da eine ganz bestimmte Zielgruppe im Kopf: die Frauen. „Unsere Sortenvielfalt ist enorm – nun muss nur noch das passende Bier zu jeder Frau gefunden werden“, sagt Denni Föll.

Der Trend zum Alkoholfreien ist spürbar, wie alle befragten Brauereien mitteilen. „Der Absatz unserer alkoholfreien Biere ist teilweise so schnell gewachsen, dass der Anteil im Verhältnis deutlich über der Marktentwicklung liegt“, lässt Distelhäuser verlauten. Auch Alexander Fach spricht von „kräftigem Wachstum“. Genaue Absatz- oder Umsatzzahlen wollen die Brauereien jedoch nicht veröffentlichen.

Doch noch setzen nicht alle Brauereien auf alkoholfrei. Der Herstellungsprozess sei aufwendig – für kleinere Brauereien vielleicht zu aufwendig, wie Alexander Fach erklärt: „Die Herstellung ist auch kostenintensiv. Das kann sich nicht jede Brauerei leisten.“ Doch die Verfahren werden verbessert und dann führe kein Weg mehr an alkoholfreien Produkten vorbei, wie er betont.

Goldbach

Doch trotz der erfreulichen Entwicklung im alkoholfreien Segment steckt die Branche derzeit in einer kleinen Krise. So nahm der Bierabsatz im ersten Halbjahr 2019 um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab. In Baden-Württemberg sind es ganze fünf Prozent. „Bier hat sich leider zum Sommertrend entwickelt. Das Wetter im Juli dieses Jahres war sehr gut, der Mai und der Juni waren jedoch etwas verregnet. Das merkt man schnell in den Absatzzahlen“, erklärt Engel-Geschäftsführer Alexander Fach.

Für die regionalen Brauereien ist der schrumpfende Bierkonsum der Deutschen noch nicht zum Problem geworden. Im Gegenteil: Sie können zulegen. „Wir profitieren vom aktuellen Regionalitätstrend. Lokale Brauereien sind greifbar und authentisch. Das verstehen die Menschen und kaufen gezielt bei uns ein“, sagt Peter Theilacker. Auch das Sponsoring verschiedener Teams und Veranstaltungen, wie beispielsweise bei den Schwäbisch Hall Unicorns, sieht er als Grund für die gute Entwicklung an. Daneben habe sich Bier in den letzten Jahren zum Genussmittel entwickelt, wie Alexander Fach und Christoph Ebers betonen.

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Milliarden Liter haben die in Deutschland ansässigen Brauereien und Bierlager im ersten Halbjahr dieses Jahres abgesetzt.

Wie wird alkoholfreies Bier hergestellt?


Alkoholfreies Bier kann auf zwei verschiedene Weisen hergestellt werden, wie der Deutsche Brauerbund erklärt.

Im ersten Fall wird die Gärung beim Erreichen der Restalkoholgrenze von 0,5 Prozent gestoppt. Dadurch tritt das Bier oftmals mit einer relativen Süße im Geschmack und einem deutlicheren Malzcharakter auf, da viel von dem enthaltenen Malzzucker nicht durch die Hefen vergoren wurde und somit noch enthalten ist.

Im zweiten Fall wird dem fertig gebrauten Bier nach dem herkömmlichen Brauprozess der Alkohol durch Erwärmen entzogen.

bla