Im Heimbacher Hof fehlt seit dem 11. Mai 2018 etwas. Die Werkstattscheune brannte ab. Eine große Schotterfläche erinnert noch daran. Die Betreuer der 125 Kinder des ersten Teils der städtischen Kinderfreizeit, die gestern endete, müssen improvisieren. Geschmiedet und geschweißt wird im Freien.

Turm fehlt noch

„Normalerweise dauert es lang, bis ein Wunsch der Kinder umgesetzt wird“, erläutert Helmut Graf. Er ist im Hof für die Werkstatt zuständig. Sein Arbeitsplatz samt aller über die Jahre angefertigten Werkzeuge und Schablonen wurde vernichtet.

Diesmal sei dank des neu gegründeten Fördervereins alles schnell gegangen. Die Kinder wünschten sich eine Glocke. Die wurde vorgestern gegossen und gestern aus der Form genommen. Fördervereinsvorsitzender Frank Lauter ist vor Ort, filmt und fotografiert alles.

Schwäbisch Hall

„Wo wir die später mal aufhängen, wird noch entschieden“, sagt Graf. Vielleicht werde eigens ein Holzturm für sie errichtet. Hauptsache die Glocke sei mal da. Der Leiter des Heimbacher Hofs ist sich sicher: „Die Glocke wird geläutet, wenn das neue Gebäude fertig ist.“ Das kann allerdings noch zweieinhalb Jahre dauern (siehe Info). Aber kein Problem: Bis dahin werde das gute Stück eben zwischengelagert.

Für die Mitarbeiter des Heimbacher Hofs scheint der Glockenguss fast spannender zu sein als für die Kinder. Die unterbrechen ihren Kinonachmittag. Aus der Fiktion in die Realität gerissen, reden sie lieber miteinander, als die Erläuterungen von Peter Glasbrenner gebührend zu würdigen. „Hört doch zu“, wird gerufen. Er beendet ein Gebet mit: „Amen. Jetzt packen wir es an.“ Glasbrenner öffnet den Ofen. Der wird durch ein System geheizt, das aus einem Brenner samt Ölpumpe besteht. „Das ist total spannend“, ruft Michael Theimel aus. Peter Glasbrenner trägt dicke Handschuhe, die ihn vor der Hitze schützen. Er hat sich für den entscheidenden Moment bei der Glockenherstellung Helmut Graf als Gehilfen ausgewählt.

Mit einer riesigen Zange heben die beiden Männer den Topf mit rund 15 Kilogramm flüssiger Bronze aus dem Ofen. „Das ist Lava“, ruft ein Kind. Und der Handwerker findet Zeit, diese Bemerkung zu kommentieren: „Stimmt, damit kann man es vergleichen.“ Doch viel Zeit zum Reden bleibt nicht. Jede Minute, die das Gemisch aus Kupfer und Zinn außerhalb des Ofens verbringt, macht es wieder härter. Doch die Zeit reicht aus am Donnerstagnachmittag im Heimbacher Hof. Glasbrenner und Graf schaffen es. Die goldene Flüssigkeit findet den Weg durch den Trichter aus Sand in die Form.

Die haben die Kinder zusammen mit Glasbrenner am Vormittag hergestellt. Der Abdruck einer bereits existierenden Glocke wurde genommen. Der so genannte Formsand, bildet das Aussehen des Modells ab und dient als Form.

Glasbrenner sagt: „Ich mache das seit 35 Jahren. Es ist immer wieder spannend.“ Der Handwerker aus Tüngental bietet unter dem Titel „Ars Fundendi“ dieses Event auch auf Hochzeiten an. Er sagt: „Allem menschlichen Ermessen nach ist der Guss gelungen.“ Die Kinder applaudieren.

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Schwäbisch Hall

Der Gemeinderat beschließt: Der Heimbacher Hof wird wieder aufgebaut


Nach dem Brand im Heimbacher Hof im Mai 2018 geht es nun an den Wiederaufbau. Der Schwäbisch Haller Gemeinderat hat vor der Sommerpause den Vorschlägen der Verwaltung für den Neu- und Umbau und der Bereitstellung der erforderlichen Mittel im Doppelhaushalt 2020/21 einstimmig zugestimmt. Nun startet die
Detailplanung.

Mit dem Wiederaufbau wird sich im Heimbacher Hof nun vieles verändern: An der Stelle des abgebrannten Werkstattgebäudes soll ein Multifunktionsgebäude entstehen. In diesem wird Platz sein für Konzerte, Jugenddiscos und Feste, Platz zum Skaten oder Spielen, wenn das Wetter mal schlecht ist. Auch eine Kletterwand ist geplant, zudem Räume für Jugendliche, die bisher im Heimbacher Hof fehlen. Sobald der Neubau steht, soll das bestehende Disco-
gebäude saniert werden. Künftig finden dort die Werkstätten ihren Platz, teilt die Stadtverwaltung mit.

Die Pläne sind das Ergebnis eines Prozesses, in dem Kinder, Jugendliche, Eltern, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung, Verwaltung und weitere Kooperationspartner beteiligt waren. Von den mehr als 70 Beteiligten wurden Ideen und Anregungen zu den zukünftigen Angeboten am Heimbacher Hof gesammelt und die notwendigen räumlichen Voraussetzungen definiert. Diese Form der Beteiligung wird auch im weiteren Planungs- und Bauprozess beibehalten werden, schreibt die Verwaltung in einer Pressemitteilung.

Die Bauverwaltung rechnet damit, dass der Wiederauf- und Umbau im Heimbacher Hof in zwei bis zweieinhalb Jahren beendet sein wird. Die Kosten belaufen sich auf voraussichtlich 2,6 bis 2,8 Millionen Euro, je nachdem, ob die Planungen von der Stadt Schwäbisch Hall übernommen oder extern vergeben werden. Mit der Gebäudeversicherung wurde eine Lösung gefunden. Sie erstattet insgesamt rund 770 000 Euro. Hinzu kommt die Erstattung durch die Inventarversicherung sowie Spenden an den Heimbacher Hof, die die hohe Wertschätzung der Arbeit der Einrichtung in der Bevölkerung widerspiegeln. Die Stadt Schwäbisch Hall selbst wird somit rund 1,8 bis 2,0 Millionen Euro investieren. „Nach dem Brand wird der Heimbacher Hof nicht nur wieder aufgebaut – diese zentrale Einrichtung der städtischen Kinder- und Jugendarbeit wird weiterentwickelt und den veränderten Bedürfnissen vor Ort angepasst“, sagt Thomas Gerstenberg, Leiter des zuständigen Fachbereichs Zentrale Steuerung, zu den Plänen.