Eine stolze, kluge, schöne Frau mit unbeugsamem Willen geht erhobenen Hauptes ihren Weg, selbst wenn er ihr den Tod bringt: Aida gehört wohl zu den stärksten Frauengestalten der Opernliteratur. Kimberly Thompson scheint die perfekte Verkörperung der nubischen Königstochter in der Musical-Fassung von Elton John und Time Rice, die am Samstag auf „der Treppe“ Premiere hat. Es sei immer schon ihre Traumrolle gewesen, sagt die 27-Jährige: „Aida traut sich zu sagen, was sie denkt, und steht dazu, egal, was andere davon halten.“ Es sei eine tolle Erfahrung zu entdecken, wie nah sie dem Charakter der Figur sei.

Bewiesen hat das die Tochter eines südamerikanischen Vaters und einer deutsch-niederländischen Mutter schon als Teenager. Mit 14 Jahren vertrat sie ihr Heimatland, die Niederlande, beim Junior Eurovision Song Contest 2006 in Bukarest. Es mag ihrem rebellischen Beitrag mit dem Titel „Gut“ geschuldet sein, dass sie unter den 15 Teilnehmern nur Platz 12 erreichte. Den Text und die Musik habe sie selbst geschrieben. „Mein Song handelt davon, dass ich es nicht mochte, wenn mir andere Leute, meistens Männer, sagten, wie ich ihrer Meinung nach zu sein hätte“, berichtet Thompson. Sie sei nicht schlank genug, zu laut, zu wenig mädchenhaft, habe es immer geheißen. Ohne jemals vom deutschen Kabarettisten Dieter Nuhr und seinem ähnlich lautenden Spruch gehört zu haben, sang das Mädchen damals als Antwort auf das Herumgemäkele sinngemäß: „Wenn du keine Ahnung hast, dann halt einfach die Klappe.“

Theater „Jedermann“-Premierenabend der Haller Freilichtspiele

„Aida“ lässt Thompson sein, wie sie wirklich ist

Sie sei in einer überwiegend weißen Gesellschaft aufgewachsen und habe niemals in deren Schubladen gepasst. Wenn sie als Kind mit ihrer hellhäutigen Mutter unterwegs war, habe sich die 27-Jährige stets „nicht richtig“ gefühlt: „Ich habe gespürt, dass etwas Ungewöhnliches mit mir ist, dass ich nicht der Norm entspreche. Und ich verstand nicht, warum.“ Als Erwachsene wisse sie nun um ihre Qualitäten. Darüber sei sie glücklich. Was Thompson begriffen habe: „Wenn jemand eine Meinung hat, ist das eine Meinung und kein Fakt. Das kapieren viele Menschen nicht. Und oftmals können sie ihren Ängsten nicht ins Gesicht sehen, denn das erfordert Tapferkeit.“

Selbstbewusste Frauen sind nicht unbedingt wohlgelitten, wie sie lernen musste. In der Den Haager Musical-Produktion „König der Löwen“ habe sie im Lauf der Zeit mehrere Rollen erhalten, nicht aber den Part der Löwenkönigin Nala. Dafür sei Thompson eine „zu starke Persönlichkeit“, habe ihr einer der Direktoren bedeutet. Als Aida dürfe sie nun sein, wie sie wirklich ist: „Eine Frau, die Männern auf Augenhöhe begegnet.“ Gut nachvollziehen kann sie auch die Furcht der sonst so mutigen Prinzessin, sich der Liebe zu öffnen: „Wer liebt, wird sehr verletzlich.“

Freundschaften haben für die Niederländerin eine große Bedeutung: „Meine Freunde sind die besten auf der Welt, sie sind meine Familie.“ Sehr angetan ist Thompson von ihren Kollegen bei den Freilichtspielen. Pharao-Darsteller Claudio Freyer bringe ihr bei, bühnenreifes Hochdeutsch zu sprechen. Deutsch habe sie zwar schon als Schulfach gehabt, aber die Sprache jetzt dennoch von Grund auf neu erlernen müssen. Wobei ihr anfangs nicht klar gewesen sei, dass es in Deutschland Dialekte gebe und in Baden-Württemberg eben Schwäbisch gesprochen werde.

Sprache ist kein Hindernis

Schwäbisch Hall ist für die junge Frau ein Meilenstein. Hier hat ihre Karriere an Fahrt aufgenommen. Nach der „Aida“ wird sie ihren Wohnsitz von Amsterdam nach Stuttgart verlegen, denn dort wartet ein neues Projekt auf sie, über das sie noch nichts verraten möchte. Vor ihr, davon ist sie überzeugt, liege noch ein ereignisreicher Weg: „Ich werde überall hingehen, wo ich tun kann, was ich liebe. Und ich werde jede Sprache dafür lernen.“

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Kimberly Nieuwenhuis wurde 1991 geboren und wuchs im niederländischen Arnheim auf. Da ihr Geburtsname außerhalb der Niederlande ein echter „Zungenbrecher“ ist, nahm sie mit ihrem Engagement bei den Haller Freilichtspielen den Künstlernamen Kimberly Thompson an. Ihr Vater stammt aus Suriname, einem kleinen, südamerikanischen Küstenstaat. Ihre Mutter hat deutsche und niederländische Wurzeln. Die erste Rolle erhielt Thompson als Zehnjährige im Musical „Der Rattenfänger von Hameln“. Im Alter von 14 Jahren vertrat sie ihre Heimat beim Junior Eurovision Song Contest. Ihre Girl-Group K.L.E.M schaffte es 2009 bei der niederländischen Ausgabe der TV-Casting-Show „X Factor“ bis in die Live-Shows. Ihr Musical-Studium absolvierte Thompson an der renommierten Fontys Akademie in Tilburg. In der Produktion von Disneys „König der Löwen“ in Den Haag war sie drei Jahre lang in mehreren Rollen zu sehen. cito

Info „Elton John und Tim Rice’s Aida“ ist von 13. Juli bis 7. August täglich außer montags ab 20.30 Uhr auf der Großen Treppe vor St. Michael zu erleben. Karten und weitere Informationen gibt es unter www.freilichtspiele-hall.de, bei der Tourist Information Schwäbisch Hall oder unter 07 91 / 7 51-6 00.