„Das ist mehr als beachtlich: Sie haben das Ziel zwölf Jahre früher erreicht als geplant“, freut sich der Umweltminister des Landes Franz Untersteller kürzlich beim Besuch in Hall. „Die Energiewende ist möglich. Sie sind ein Vorbild im ganzen Land.“ Während landesweit der Anteil der Ökoenergie am gesamten Stromverbrauch 30 Prozent beträgt, sind es in Schwäbisch Hall seit vergangenem Jahr 100 Prozent.

Ziel früher als gedacht erreicht

Vor rund zehn Jahren wurde das Ziel formuliert. „Bei einem konsequenten Ausbau könnte der Strombedarf bereits im Jahr 2030 aus erneuerbaren Energien gedeckt werden“, steht in einer Broschüre, die damals herauskam. Im Jahr 2008 waren an dem Bündnis beteiligt: Hall, Vellberg, Michelbach, Rosengarten, Michelfeld, Mainhardt, Wüstenrot, Untermünkheim und Braunsbach.

2018 wurde das Ziel erreicht.

„Wir sind stolz“, sagt der Schwäbisch Haller Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. „Wir wollten ein Gebiet mit 71.000 Einwohnern bis 2030 auf erneuerbare Energien umstellen. Nur durch die Investition in Windkraft kam dieser Schub.“ Und nun wurde das Ziel bereits 2018 erreicht.

Die von Teilen der Bevölkerung als negativ wahrgenommenen Auswirkungen der riesigen Rotoren sind bei dieser Feierstunde in der Nice-Solarfabrik kein Thema.

Pelgrim blickt nach vorn: Im Karl-Kurz-Areal wird geprüft, ob Fotovoltaikanlagen in die Fassaden eingebaut werden. Das ist eine visionäre Technik, die am Ort, an dem die Feierstunde abgehalten wird, produziert wird.

Bernd Sprecher, Geschäftsführer der Nice Solar Energy GmbH, verkündet: „Den Turnaround haben die Chinesen möglich gemacht.“ Die von Würth gegründete Solarfabrik im Solpark musste schattige Zeiten abwettern.

Sie befindet sich nach einer Zwischenstation bei der Firma Manz jetzt fast vollständig in der Hand eines starken Elektro-­Konzerns aus China. Jetzt strebt die Firma zurück zur Sonne, stellt Produktionslinien her und fabriziert Fotovoltaikanlagen – darunter besondere halbtransparente Modelle für Fassaden.

Stadtwerke-Geschäftsführer Gebhard Gentner freut sich, dass die Ökostrom-Bemühungen der Stadtwerke so gut unterstützt werden: „Heute gibt es im Gemeinderat gar keine Diskussion über den Sinn eines Ausbaus der Fernwärme.“

Nachholbedarf bei Wärme aus erneuerbaren Energien

Bei der Feierstunde wird gleich ein neuer Motor im Blockheizkraftwerk Alfred-Leikam-Straße eingeweiht. Der ist 300 Tonnen schwer, wird mit Gas betrieben und hat einen Wirkungsgrad von 46 Prozent beim Strom und 92 Prozent als Gesamtnutzungsgrad. Es ist eine der größten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen Süddeutschlands, die ans Nahwärmenetz angeschlossen ist.

Schwäbisch Hall Neuer Motor für das Blockheizkraftwerk im Solpark: 92 Prozent Wirkungsgrad

Damit schlägt Gentner den Bogen zu Zielen, die noch nicht erreicht wurden. Denn die „100-prozentige Bereitstellung des Wämebedarfs aus erneuerbaren Energien liegt um das Jahr 2030 im Bereich des Möglichen“, ist Teil des Ziels im Bündnis. Und: „Bei der Mobilität können erneuerbare Energien langfristig über Elektrofahrzeuge Einzug halten“, wurde einst formuliert.

Vom 100-Prozent-Ziel der erneuerbaren Energien in allen Bereichen ist Hall noch weit entfernt. Doch Umweltminister Untersteller ist sich sicher: „Wer Visionen hat, der sollte nach Hall gehen.“

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Die Details der Berechnungen


Die Stromabgabe im Netzgebiet der Stadtwerke, das von Wüstenrot bis Vellberg und Braunsbach bis Rosengarten reicht, wurde 2018 nochmals erhöht auf 322,8 Millionen Kilowattstunden. Damit wird der Stromverbrauch von jeder privaten Glühbirne bis hin zur Blechbearbeitungsmaschine oder jeder Straßenampel abgedeckt. Miteingerechnet ist aller Strom im Netz, den die Stadtwerke als Transporteur befördern. Also auch der Strom anderer Anbieter.

Dem Gesamtverbrauch wird der produzierte Ökostrom gegengerechnet. Mit 338 Millionen Kilowattstunden wird das Klimaziel übererfüllt. Davon sind knapp 70 Prozent in Schwäbisch Hall erzeugt und ins Netz eingespeist worden – auch der Strom von Privatkunden mit Fotovoltaikanlage auf dem Dach wird dem zugerechnet. Die restlichen 30 Prozent stammen von Beteiligungen, hauptsächlich von der Solarinvest AG. Die hält zum Beispiel auch Anteile an Fotovoltaikanlagen in Italien. Dabei werden die Besitzverhältnisse berücksichtigt. Halten die Stadtwerke an einer Windkraftanlage nur einen Anteil von 40 Prozent, wird auch der produzierte Ökostrom dieser Anlage nur zu diesem Teil der Energiebilanz zugerechnet.