Obersontheim Hähnewettkrähen in Untersontheim: Sieger ruft 52 Mal in nur 30 Minuten

Zuschauen, zuhören und mitzählen: Welcher Hahn ruft am häufigsten?
Zuschauen, zuhören und mitzählen: Welcher Hahn ruft am häufigsten? © Foto: Rainer Richter
Obersontheim / RAINER RICHTER 04.08.2015
Der Höhepunkt des zweitägigen Sommerfests von Gesangverein und Kleintierzuchtverein Untersontheim ist das Hähnewettkrähen am Sonntag. Amüsiert verfolgten die Zuschauer das Spektakel.

Das Hähnewettkrähen verläuft im Gegensatz zu anderen, blutigen Hähnewettkämpfen vollkommen friedlich. Die Menschen nehmen diesen Ruf, das Kikeriki, unterschiedlich wahr. Die Franzosen hören "cocorico", die Polen "kukuryku", die Schweden "kuckeliku" und die Spanier beispielsweise "quiquiriqui". Um dieses Krähen ging es am Sonntagmorgen also beim Hähnewettschreien in Untersontheim.

Die Wettkampfregel ist einfach: Der Hahn, der in einer halben Stunde am meisten schreit, hat gewonnen. 17 Hähne standen bereit. Manche Hähne krähten schon vor dem Start. Ein Besitzer fürchtete, sein Hahn könne sich zu früh verausgaben und ermahnte ihn: "Komm, halt die Gosch." Ein anderer Besucher fragte: "Was habt ihr denen gefüttert, dass sie jetzt schon so wild sind?" Ein weiterer Züchter plauderte: "Ich hab ihm die Fritteuse gezeigt und gesagt: Da kommst du rein, wenn du nicht krähst." Ein Hahn kommt fast zu spät zum Wettbewerb. "Hasch` ihn noch trainiert?", wollten die anderen wissen. Der Vorjahressieger, Hannibal, wurde von seinem Züchter angeblich drei Stunden vor dem Wettkampf im Dunkeln gehalten, damit er denkt, beim Start bricht der Tag an. Aber er war wohl übertrainiert. Dieses Jahr war sein Nachfolger Hannibal II am Start.

Nach 30 Minuten standen die Sieger fest: Huhnbert, der Hahn von Nele Neshyba, hat 52 Mal gekräht. "Der ist immer so", meint Nele Neshyba, "das ist schon fast Lärmbelästigung". Den zweiten Preis gewann Patrick Blinkle mit Hansi, der 50 Mal krähte. Marius Braun gewann mit seinem Georg, der 21 Mal krähte, den dritten Preis, dicht gefolgt von Jürgen Däschler, dessen Hannibal II es auf 20 Schreie brachte. Hocherfreut begab sich nach diesem Schaukampf das Publikum zum Mittagessen. Es gab Schnitzel und Steak mit Kartoffelsalat - nicht gebratene Hähnchen.

Hackordnung bestimmt, welcher Hahn Rufen darf

Forschung Nicht etwa der Hahn, der als erster morgens wach ist, kräht als erster auf dem Hühnerhof. Es kräht immer der Hahn, der an der Spitze der Hackordnung steht. Dies hat vor kurzem die Wissenschaftszeitung Spektrum berichtet. Tsuyoshi Shimmura und Takashi Yoshimura von der Univerität Nagoya in Japan untersuchten die soziale Hierarchie von Hühnern und entdeckten, dass diese nicht nur festlegt, welcher Hahn als erster kräht, sondern auch, in welcher Reihenfolge die restlichen Geflügeltiere einsetzen.

Hackordnung Beim Kampf um Futter und Weibchen hacken ranghöhere Hühner rangniedrige mit ihrem Schnabel beiseite. So stabilisiert sich eine Rangordnung - vielmehr Hackordnung -, bei der das Verhalten eines jeden Huhns seine soziale Stellung reflektiert. Im Rahmen der Studie führten die Forscher vier Hähne in einem Käfig zusammen, so dass sich eine soziale Hierarchie festigen konnte. Anschließend wurden die Tiere separiert und ihr Krähverhalten aufgezeichnet. Die Wissenschaftler entdeckten, dass dem obersten Hahn eine ganz spezielle Aufgabe zukommt: Er entscheidet, wann es Zeit ist, aufzustehen. Erst wenn sein Schrei ertönt, ziehen seine Artgenossen nach.

SWP