Hohenlohe Haarige Sache: Prozessionsspinner

Sieht recht possierlich aus, kann aber der Gesundheit der Menschen ernsthaften Schaden zufügen: Das massenhafte Auftreten von Larven des Eichenprozessionsspinners ist derzeit in den Wäldern der Bergstadt ein großes Problem.
Sieht recht possierlich aus, kann aber der Gesundheit der Menschen ernsthaften Schaden zufügen: Das massenhafte Auftreten von Larven des Eichenprozessionsspinners ist derzeit in den Wäldern der Bergstadt ein großes Problem. © Foto: Thomas Dorn
Waldenburg / Christian Nick 17.08.2018
Zahlreiche Bäume in und um Waldenburg sind von dem Schmetterling befallen. Spezialisten bekämpfen sie an einigen Stellen. Die Haare der Raupe können lebensgefährliche Allergieschocks verursachen.

Im Gebiet von Theresienberg, Streitfeld und Weide verzeichnet die Gemeindeverwaltung einen „starken Befall“, der „erst entdeckt wurde, nachdem die Raupen sich in den Gespinsten bereits verpuppt hatten“, wie das Landratsamt Hohenlohekreis auf Nachfrage mitteilt.

Gefährlich werden die toxischen Brennhaare, die die Tiere im fünften Larvenstadium verlieren, nicht nur bei direkter Berührung. Der Wind trägt die feinen Fasern, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten, auch in die menschlichen Atemwege.

Werden sie eingeatmet, drohen schwere Reizungen und Entzündungen der Bronchien. Die bis zu fünf Zentimeter großen Raupen finden sich, wie der Name schon sagt, fast nur auf Eichen – und bei Weitem nicht nur im Stadtwald. „Dieses Jahr gibt es mehr als in anderen Jahren“, berichtet Jochen Schick, Leiter der Fürstlichen Forstverwaltung Hohenlohe/Waldenburg und zuständig für die rund 2000 Hektar Wald rund um die Bergstadt.

Chemiekeule hilft bedingt

Zwar sei der Befall in seinem Territorium noch nicht so groß, dass es zu Kahlfraß an Eichen käme, jedoch: „Fast alle meine Mitarbeiter litten schon unter ausgeprägtem Juckreiz.“ Mögliche Ursache für die starken Populationen der Raupen? „Die extrem heißen Sommer und die damit verbundene Trockenheit“, diagnostiziert der Experte. Und: „Im Sommer arbeiten wir eigentlich nicht an Eichen, wirklich relevant wird es für die Waldarbeiter erst beim kommenden Einschlag.“ Denn zwei bis drei Jahre bleiben die Eigelege an den Bäumen haften. Jedenfalls wenn sie nicht aufwendig vernichtet werden.

„Bei uns im Forst findet keine diesbezügliche Schädlingsbekämpfung statt“, sagt Schick: Die ist zu ineffektiv, weil die Nester allein durch Spritzaktionen nicht zu zerstören seien. Der Naturschutzbund (Nabu) warnte bereits 2014 dezidiert vor dem großflächigen Einsatz des dafür verwendeten Pestizids Dipel ES aus der Luft. Es sei zu gefährlich für über 200 Schmetterlingsarten und weitere Tiere.

Keine Entwarnung

Anders sieht die Situation in den Bereichen aus, in denen sich Mensch und Wald verstärkt die Hand reichen. Auch deswegen, weil ohnehin vor allem Eichen am Rande von Wäldern von den Quälgeistern in Raupenform befallen werden.

Dort wurden bereits einige Anstrengungen zur Bekämpfung der lästigen Tiere und ihrer Brutstätten unternommen, wie der Bauhof-Chef berichtet: Auf dem Friedhof, im Birkenwäldle, der Fürsteneiche, am Sportplatz und im Bereich des Neumühlsees wurde teils bereits im Frühjahr Insektenvernichtungsmittel ge­spritzt. Vor rund drei Wochen erging dann der Auftrag an eine Spezialfirma, dem Eichenprozessionsspinner in ebendiesen Zonen den vorerst endgültigen Garaus zu machen.

Die Raupen und Nester wurden zuerst mit Spezialsprühkleber fixiert und dann abgesaugt. Die Experten erklommen die Bäume per Hubsteiger und waren mit Schutzanzügen, Mund- und Atemschutzmasken im Einsatz, um die Gefahr für die Gesundheit möglichst gering zu halten. „Man kann jetzt davon ausgehen, dass diese Stellen sauber sind“, sagt Ralf Gürtler.

Wie wird sich die Situation entwickeln? „Durch die fehlenden Niederschläge werden die Gespinste nicht abgewaschen, sodass für nächstes Jahr auch mit einem Anstieg der Zahl von Eichenprozessionsspinnern zu rechnen“ sei, heißt es vonseiten des Landratsamtes.

Gespritzt wird nur im Frühjahr bei Blattaustrieb.

„Auch wir in Mainhardt  haben Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner“, berichtet Bürgermeister Damian Komor auf Nachfrage. „Wir haben deshalb auf dem Fuxi-Naturerlebnispfad einen Hinweis angebracht, damit die Wanderer informiert sind. Innerhalb der Wohnbebauung gibt es aktuell keine Hinweise auf einen Befall. Einen solchen hatten wir vor einigen Jahren im Schlösslespark. Damals wurde dieser bekämpft. Unser Bauhofleiter, Severin Schiller, schaut regelmäßig nach und prüft, ob Bäume befallen sind.“

„Wir spritzen bei Blatt­austrieb im Frühling“, berichtet Severin Schiller, „dann haben wir das ganze Jahr Ruhe.“  Er beauftragt eine Firma, die mit dem Hubschrauber ein Niem-Produkt versprüht. Das Teebaum-Öl ist beispielsweise ein solches Produkt, das viele kennen. Gespritzt wird beispielsweise beim Waldkindergarten.

Das Zeitfenster, in dem der Eichenprozessionsspinner behandelt werden kann, ist bereits geschlossen, sagt Dr. Andreas Wickel, Leiter des Haller Forstamtes, auf Nachfrage. Derzeit fliegen bereits die Falter. Er rät, entspannt zu bleiben, „jetzt kann man nicht mehr spritzen“.

Behandelt wird erst wieder ab April, wenn die Raupen in den Blättern unterwegs sind. Gefährlich sind die Härchen der Raupen, diese wirken reizend. Die Gefahr für Spaziergänger bleibt bestehen, denn die Härchen der Raupe sind mit Widerhaken versehen und behalten ihre Wirkung. Wer im Wald arbeitet, muss sich vor ihnen in Acht nehmen.

„Im Landkreis Schwäbisch Hall kommen Eichenprozessionsspinner überall vor“, berichtet Dr. Andreas Wickel weiter. Die meisten Eichen wachsen im Kreis Schwäbisch Hall in den Wäldern bei Schrozberg, Blaufelden und Crailsheim. Die Eichenprozessionsspinner befallen häufig auch die am Waldrand stehenden Eichen, bevorzugt die, die auf der wärmebegünstigten Südseite stehen. sel

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel