Landratsamt Hall Zerstörte Gerberfigur am Brunnen restauriert

Scheinbar ungestört geht der Gerber seinem Handwerk nach. Diplom Restaurator Roman Legner und Baubürgermeister Peter Klink betrachten die sanierte Brunnenfigur in der Gelbinger Gasse unterhalb des Landratsamts.
Scheinbar ungestört geht der Gerber seinem Handwerk nach. Diplom Restaurator Roman Legner und Baubürgermeister Peter Klink betrachten die sanierte Brunnenfigur in der Gelbinger Gasse unterhalb des Landratsamts. © Foto: Tobias Würth
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 31.07.2018
Vor eineinhalb Jahren wurde die Figur am Brunnen vor dem Landratsamt zerstört - Jetzt steht sie wieder.

„Die Figur muss auf den Kopf gefallen sein“, vermutet Roman Legner. Ein Trümmerbruch des Kopfes war die Folge der Vandalismus-Attacke im Dezember 2016. „Ich habe sie wieder zusammengesetzt“, berichtet der Diplom-Restaurator aus Bad Mergentheim. Rund eine Arbeitswoche saß er an dem Werk. Auf einem Foto sind 50 Einzelteile abgebildet. Am Freitag vergangener Woche wird der Gerber wieder auf den Sockel des Brunnens in der Gelbinger Gasse gehoben.

Und der Dank? Der erste Passant, der in Hall vorbeikam, sagte: Das Gerberwerkzeug sah bei der alten Figur anders aus und sei misslungen. Das kann aber nicht sein: Die Figur wurde ja nicht ersetzt, sondern restauriert. Das aus Muschelkalk nachgebildete Schabeisen zur Bearbeitung von Leder sieht so aus wie im Jahr 1944, als die Brunnenfigur aufgestellt wurde. Restaurator Legner klärt das Missverständnis auf. Eine andere Passantin geht beim Fototermin vorbei und ruft: „Vielen Dank, dass Sie die Figur wieder aufstellen.“

Denkmalamt spricht mit

Eineinhalb Jahre fehlte der Abschluss der Brunnensäule. „Es gab mehrere Absprachen mit dem Denkmalamt“, klärt Baubürgermeister Peter Klink auf. Zunächst sei angenommen worden, dass man die zertrümmerte Figur überhaupt nicht mehr herstellen kann und eine Kopie benötigt.

„Ich habe die mürben Teile gefestigt und Stück für Stück wieder zusammengefügt“, berichtet Legner von seinem 3-D-Puzzle. Er hat mineralisches Material als Ersatz gewählt, das zunächst heller aussah. Später hat er es in dem Farbton der restlichen Figur eingefärbt. Warum hat er nicht gleich einen Ersatzstoff mit der gleichen Farbe des Originals ausgewählt? Das sei ein Trick der Denkmalschützer. Säubert  ein Forscher die Figur in einem der nächsten Jahrzehnte, könne er genau erkennen, was alt und neu ist.

Rund 3500 Euro habe die Sanierung gekostet, erläutert Klink. Der Werkhof müsse zudem für den Transport bezahlt werden. „Wir haben nun extra lange Dübel genommen, um die Figur zu befestigen“, sagt Legner. Zudem wurde der etwas kleinwüchsig wirkende mittelalterliche Handwerker auf den Stein geklebt. Die Gefahr, ihn vom Sockel zu stoßen, soll minimiert werden.

Und wann fließt mal wieder Wasser im Brunnen? „Das ist kein Umlaufbrunnen, sondern einer mit direktem Anschluss zum Frischwasser. Der Verbrauch ist enorm“, sagt Klink. Er will aber prüfen lassen, ob eine Inbetriebnahme infrage kommt.

666

Info Text

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel