Personalplanung Gutes tun und darüber reden

Die erste Kontaktaufnahme erfolgt meistens per Telefon. Um Detailfragen zu klären, fährt Lisa-Marie Kreis aber in die Betriebe und spricht dort direkt mit den Personalverantwortlichen.
Die erste Kontaktaufnahme erfolgt meistens per Telefon. Um Detailfragen zu klären, fährt Lisa-Marie Kreis aber in die Betriebe und spricht dort direkt mit den Personalverantwortlichen. © Foto: Frank Lutz
Region / Frank Lutz 08.08.2018
Handwerksbetriebe bieten ihren Mitarbeitern oft mehr, als sie selbst ahnen, meint Lisa-Marie Kreis. Als Beraterin unterstützt die 28-Jährige die Mitgliedsunternehmen der Handwerkskammer Heilbronn-Franken in allen Personalfragen.

In ihrer neuen Heimat Waldenburg hat sich Lisa-Marie Kreis längst eingelebt – auch wenn der Hohenloher Dialekt für die 28-Jährige, die aus Wörrstadt bei Mainz stammt, manchmal noch eine Herausforderung ist. Handwerkliches Arbeiten ist der zierlichen Frau mit den langen, dunkelblonden Haaren nicht fremd: Beim Bau ihres eigenen Hauses packt sie gerne mit an. Und auch beruflich hatte sie schon viel Berührung mit dem Handwerk: In ihrer früheren Tätigkeit an der Hochschule Ludwigshafen gehörte die strategische Personalplanung für kleine Unternehmen – darunter vielen Handwerksbetrieben – zu ihren Aufgaben.

Acht Beraterinnen landesweit

Ideale Voraussetzungen also für die aktuelle Tätigkeit der 28-Jährigen, die an der Hochschule Ludwigshafen ein Studium im Fach „Internationales Personalmanagement und Organisation“ absolviert hat: Seit Februar ist sie als Personalberaterin bei der Handwerkskammer (HWK) Heilbronn-Franken erste Ansprechpartnerin für die Mitgliedsbetriebe in allen Personalfragen. Ihre Stelle wurde im Rahmen der „Personaloffensive Handwerk 2025“ geschaffen – jede der acht HWK im Land bekam dabei eine Personalberaterin. Die „Personaloffensive“ ist Teil des Strategie- und Zukunftsprojekts „Dialog und Perspektive Handwerk 2025“ von Landeswirtschaftsministerium und Baden-Württembergischem Handwerkstag (BWHT).

Jeder Betrieb hat Anspruch auf acht kostenlose Tagewerke an Beratungsleistungen pro Jahr –  ein Tagewerk entspricht acht Stunden. Angesichts der glänzenden Konjunktur, aber auch des Fachkräftemangels, sei die Personalgewinnung derzeit „Topthema“ für die meisten Betriebe. Aber auch andere Themen brennen vielen Handwerkern unter den Nägeln – etwa wie sie ein Mitarbeitergespräch besser strukturieren oder eine Mitarbeiterbefragung vorbereiten und auswerten können. Auch Fragen zum Marketing beschäftigen viele Betriebe – zum Beispiel, wie sie Informationen, die dem Kunden bereits zugänglich sind, auch den Mitarbeitern zur Verfügung stellen können.

Nach dem ersten Gespräch, das üblicherweise am Telefon stattfindet, fährt Kreis zu den Betrieben hinaus, klärt vor Ort die Details und präsentiert erste Lösungsvorschläge. Im Anschluss daran begleitet sie die Maßnahmen, hilft etwa bei Bedarf, Stellenanzeigen umzuformulieren oder nach Alternativen zu suchen. Bei Letzteren rät sie, immer die Zielgruppe im Blick zu behalten: Zwar laufe heutzutage vieles online ab, aber manche der großen Job-Portale seien den Betrieben zu teuer. So empfiehlt Kreis, auch regionale Portale zu nutzen oder über die Arbeitsagentur zu inserieren. „Manchmal hilft es auch schon einen kleinen Flyer beim Bäcker auszulegen“, fügt sie hinzu. Immer wieder merke sie: „Viele Handwerksbetriebe tun schon sehr viel Gutes, aber tragen es noch nicht so sehr nach draußen.“ Die Kapazitäten der vorwiegend kleinen Betriebe seien begrenzt: „Oft kümmert sich der Geschäftsführer selbst oder sein Partner um Personalthemen.“ Auch beim Budget, das für das Personal zur Verfügung steht, sei das Handwerk oft schlechter gestellt als die Konkurrenz aus der Industrie.

Doch hätten die Handwerksbetriebe auch große Vorteile: Es gehe bei ihnen oft sehr familiär zu, die Entscheidungswege seien sehr kurz. Der einzelne Mitarbeiter könne sich stärker einbringen als in großen Industrieunternehmen: „Studien bestätigen, dass die Möglichkeit sich einzubringen vielen wichtig ist. Vielleicht sogar wichtiger als das Gehalt, bei dem das Handwerk das Nachsehen gegenüber der Industrie hat.“

Zu Kreis’ Aufgaben gehört es auch, das Thema „Personalplanung“ und ihre Arbeit bekannter zu machen. Dazu baut sie ein Netzwerk zu regionalen Partnern wie Arbeitsagentur oder Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken auf und organisiert mit ihnen Infoveranstaltungen – etwa die offizielle Auftaktveranstaltung zur „Personaloffensive Handwerk 2025“ in der Region am Montag, 17. September, ab 18.30 Uhr im Heilbronner Hauptsitz der HWK Heilbronn-Franken.

Videos von Erfolgsgeschichten

Außerdem hat das RKW-Kompetenzzentrum unter www.personal.handwerk2025.de eine Plattform eingerichtet, die Handwerksbetriebe rund um das Finden, Binden und Führen von Personal informiert. Ab nächstem Jahr soll Kreis die Plattform pflegen und stetig aktualisieren. Dann sollen auch Videos auf der Seite zu finden sein, die Erfolgsgeschichten von Betrieben vorstellen. Der Bedarf nach Beratung in Personalfragen sei da, ist sich Kreis sicher. Und so ist sie optimistisch, dass ihre Stelle auch über die aktuelle Förderperiode bis Ende 2019 hinaus verlängert wird. „Es hat gedauert, bis die Betriebe auf das Beratungsangebot aufmerksam geworden sind“, sagt Kreis. „Doch aktuell fragen sie es mehr und mehr nach.“ Sie ermutigt die Handwerksbetriebe: „Man sollte nichts unversucht lassen, um Bewerber zu finden. Oft entscheidet das Quäntchen Glück, ob Bewerber und Betrieb zusammenpassen.“

Info Lisa-Marie Kreis ist unter der Telefonnummer 0 71 31 / 79 11 72 oder  der E-Mail-Adresse Lisa-Marie.Kreis@hwk-heilbronn.de erreichbar.

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Millionen Euro stellt das Landeswirtschaftsministerium jährlich für „Dialog und Perspektive Handwerk 2025“ zur Verfügung.

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