Zwei Stunden intensive Diskussionen über die Energieversorgung der Zukunft, Windkraft, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, Einspeisevergütungen, Speichermöglichkeiten und Elektromobilität: Die etwa 80 Zuhörer im Veranstaltungsraum der Haller Stadtwerke wurden gefordert. Die Bundestagskandidaten von vier im Parlament vertretenen Parteien, die Abgeordneten Christian von Stetten (CDU), Annette Sawade (SPD) und Harald Ebner (Grüne) zeigten sich bestens präpariert und sprachen als Polit-Profis frei. Da tat sich der Kandidat der Linken, Kai Bock,  schwerer. Moderiert wurde die Runde von Tobias Bringmann, Geschäftsführer beim Verband kommunaler Unternehmen, Landesgruppe Baden-Württemberg. Bringmann ließ durchblicken, dass er die Stadtwerke für eine Einrichtung hält, die zum Wohl der Bürger arbeitet und zur Einhaltung der Klimaziele beiträgt.

Lob für die Stadtwerke

Gegenwind schlug den Stadtwerken auch von Seiten der Diskutanten nicht entgegen. Im Gegenteil. Die Linke nennt die Stadtwerke ausdrücklich im Wahlprogramm. Auch die drei Abgeordneten würdigten die meisten Stadtwerke als fortschrittliche Unternehmen, die maßgeblich zum Klimaschutz beitragen. Wobei Christian von Stetten ausdrücklich auch andere Stadtwerke, zum Beispiel die Crailsheimer, einbezog.

In einigen Fragen gab es zwischen den vier Parteien keinen Unterschied. Alle sprechen sich dafür aus, die Forschung für Speichertechnologie für Strom massiv zu fördern. Auch in der Wasserstofftechnologie in Verbindung mit der Brennstoffzelle sehen die vier Kandidaten eine zukunftsfähige Technologie.

Doch beim weiteren Ausbau der Windkraft scheiden sich die Geister. Christian von Stetten (CDU) nannte die Pläne der damals grün-roten Landesregierung, die zehnfache Menge der jetzt erstellen Windkraftanlagen zu bauen, „Wahnsinn“. „Ich bin froh, dass das nicht gekommen ist“, so der Unionspolitiker. Er macht sich dafür stark, dass Hausbesitzer, die Fotovoltaikanlagen betreiben und ihren Strom selbst nutzen, von der EEG-Umlage befreit werden. Der tagsüber erzeugte Strom solle gespeichert und verbraucht werden, wenn die Sonne nicht scheine. „Wir sind zu spät in den Markt gegangen“, so von Stetten zum Umstieg von festen Einspeisevergütungen hin zum Ausschreibungsverfahren für den Bau weiterer Anlagen für erneuerbare Energien. Dass auch die energieintensiven Unternehmen, die bislang von der EEG-Umlage ausgenommen sind, diese zahlen sollen, sieht er kritisch: „Dann gingen hunderttausende Arbeitsplätze und ganze Branchen wie beim Stahl verloren.“ Noch ein Problem sieht er bei der Energiewende: Es sei möglich, 70 Prozent erneuerbare Energie zu erzeugen. Aber für die restlichen 30 Prozent und für die Zeiten, in denen die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, müssten Gas-und Ölkraftwerke und andere Speicher vorgehalten werden. Das koste viel Geld.

Sawade: Keine Umlage für Bahn

Annette Sawade (SPD) macht sich für einen Energiemix aus Wind, Sonne, Kraft-Wärme-Kopplung sowie Biogasanlagen stark. „Biogasanlagen haben eine Speichermöglichkeit, die Wind und Sonne nicht haben“, so die Sozialdemokratin. Auch der Stromtransport vom Norden in den Süden müsse gelingen. Energieintensive Unternehmen sollten ebenfalls die EEG-Umlage zahlen. Die Bahn aber will sie von der Umlage befreien und das umweltfreundliche Verkehrsmittel so fördern. Auch die Energieeffizienz will sie steigern.

Grüne:  Raus aus der Kohle

„Mit einem Drittel erneuerbarer Energien können wir nicht zufrieden sein“, führt Harald Ebner (Grüne) aus. Er will das EEG so nachjustieren, dass auch Bürgeranlagen Chancen auf Realisierung haben. Bis 2030 soll die Bundesrepublik bei 100 Prozent Ökostrom sein. Die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke sollten sofort vom Netz gehen. Die Kritik an der EEG-Umlage bezeichnet er als Krokodilstränen, solange die großen „Energieverschleuderer“ sie nicht zahlen müssten. „Der Netzausbau muss europaweit erfolgen“, lautet Ebners Überzeugung. Sonst würden in Deutschland Kapazitäten vorgehalten, die mit Importen aus anderen Ländern nicht gebraucht würden. Scharf kritisiert Ebner auch den „Deckel“ zum Ausbau der Erneuerbaren, den die Große Koalition beschlossen habe. So könnten die Klimaziele nicht eingehalten werden.

„Die Energiewende kann nur erfolgreich sein, wenn sie sozial gerecht erfolgt“, sagt Kai Bock (Linke). Seine Partei wolle die Vormachtstellung der Energie-Großkonzerne beenden. Strom- und Wärmenetze zählen für Bock zur Daseinsvorsorge und gehörten in die öffentliche Hand. „Strom, Gas, Wasser und Heizung dürfen nicht abgestellt werden“, mein Bock. Auch wenn die Rechnung nicht bezahlt sei. Die Stromsteuer will die Linke senken und Strom so billiger machen.

Und wie sieht es mit der Zukunft der Stadtwerke aus? Bei diesem Punkt herrscht wieder Einigkeit. Innovative Stadtwerke hätten auch in der neuen Energiezukunft gute Chancen, so die Kandidaten.

EEG-Umlage liegt bei fast 7 Cent je Kilowattstunde


Mit der EEG-Umlage zahlen Kunden und Betriebe die Förderung der erneuerbaren Energien. Energieintensive Industrien sind von der Zahlung ausgenommen worden. Die Umlage lag im Jahr 2010 bei etwas über  2 Cent je Kilowattstunde und ist bis in diesem Jahr kontinuierlich auf fast 6,9 Cent gestiegen. kor