"Welche Kosten entstehen für die Stadt: Der Mehrwert wurde noch nicht herausgearbeitet. Bürger wollen wissen: Warum wird der teure Tunnel gebaut?", mahnt Ludger Graf von Westerholt an, nachdem Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim vor einer Woche im Gemeinderat über den Planungsstand informiert hatte. Vielleicht war es der nachgeschobene Satz des CDU-Fraktionssprechers, der für Verwirrung sorgte: "Bitte: Alle alten Pläne wegwerfen!" Also keinen Weilertunnel graben?

Platz für Material während der Bauzeit schaffen

"Das darf nicht als Schlusswort gelten", empörte sich Hartmut Baumann. Der FWV-Fraktionschef sagt: "Die Notwendigkeit, die Trasse aus dem Stadtbild zu bringen, die hat sich doch nicht verändert."

Grünen-Fraktionssprecherin Andrea Herrmann wollte wiederum das nicht als Schlusswort stehen lassen. "Wir legen da kein Herzblut rein: Das Bauwerk steht in keinem Verhältnis zu seinem Nutzen." Die Grünen hätten den Tunnel nie befürwortet. Herrmann: "Das freut mich, dass das die CDU nun auch so sieht."

Oberbürgermeister Pelgrim schüttelte den Kopf: Da hatte er sie, die Grundsatzdebatte, obwohl er nur über Details informieren wollte. Thomas Preisendanz (FDP) erkannte das und sagte voller Ironie, ob man nicht noch über einen Fahrradweg in der Mitte des Tunnels diskutieren wolle.

Doch Westerholt fühlte sich missverstanden, wie er klarstellte. Er meinte lediglich: Die Anschlussstellen vor und hinter dem Tunnel müssten komplett neu konzipiert werden.

Doch genau das hatte zuvor Pelgrim selbst angekündigt. Der Oberbürgermeister wunderte sich über die Haltung der Grünen: "Da bin ich ja froh, dass der zuständige Grünen-Minister Hermann das anders sieht als Herrmann im Gemeinderat." Der dritte Hermann wenn man so will - Hermann-Josef Pelgrim - ist wie Minister Hermann ein Befürworter des Weilertunnels, der nach Jahrzehnten der Planung endlich gebaut werden darf.

"Da zieht es einem ja die Schuhe aus", kommentierte Helmut Kaiser, SPD-Fraktionsvorsitzender die Diskussion. "Das ist ein Jahrhundertprojekt, da muss man jetzt nicht mäkeln", sagte er in Richtung Grünen-Fraktion.

Selbst die Fraktionslose Damiana Koch, die sich bei so mancher Entscheidung einsam gegen die Mehrheit im Rat stemmt, lag diesmal voll auf Linie der Stadtverwaltung: "Ich finde das super."

Während eine Debatte über das Für und Wider des Weilertunnels geführt wurde, war fast in Vergessenheit geraten, dass der Tunnel beschlossene Sache und das Geld für das 43-Millionen-Euro-Projekt genehmigt ist. Der Oberbürgermeister informierte die Räte über den Sachstand: Die Stadtverwaltung verhandele derzeit mit Bund und Land über eine Vertragsänderung. Im Jahr 1968 wurde festgelegt, dass die Stadtverwaltung die vierspurige Umfahrung der Innenstadt baut (damals ohne Tunnel) und dafür bezahlt wird. Die Verantwortung für den seit Jahrzehnten favorisierten Tunnelbau will Pelgrim nun in die Hände der übergeordneten Baubehörden legen.

Die Bauarbeiten starteten im Frühjahr 2017, die Vorarbeiten bereits im Herbst nächsten Jahres. Alle entscheidenden Flächen und Gebäude gehörten der Stadt und ihren Töchtern. So sei nun klar, dass nicht nur der Löwenkeller an der Stuttgarter Straße abgerissen wird - dort zieht im nächsten Jahr der Club Alpha aus. Bagger werden auch die ehemalige Wildbadquelle einreißen. Dort wurden Getränke abgefüllt, bis die Firma im Jahr 1968 von der Löwenbrauerei aufgekauft und an ihren heutigen Standort an der Ringstraße ausgelagert wurde. Auf der Fläche des Gebäudes am Scharfen Eck soll Platz für Bauarbeiter-Container, Geräte und Tunnelbohrer geschaffen werden. Diese Abrisspläne stießen auf keinerlei Widerspruch im Gemeinderat.