Schwäbisch Hall Grüner Volltreffer ins Herz

Football hat die beiden zusammengebracht und spielt nach wie vor eine wesentliche Rolle im Leben der Waizenhöfers. Sie stehen bei rund zehn Heimspielen pro Saison hinter der Theke und fahren zu den Auswärtsspielen.
Football hat die beiden zusammengebracht und spielt nach wie vor eine wesentliche Rolle im Leben der Waizenhöfers. Sie stehen bei rund zehn Heimspielen pro Saison hinter der Theke und fahren zu den Auswärtsspielen. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 28.06.2018
Simone und Sven Waizenhöfer trauen sich: Sie sind das erste Paar im Freundeskreis der Unicorns, das heiratet.

Es ist der 2. September 2017, ein Samstag und Spiel der Unicorns. Die ehrenamtlichen Helfer treffen sich wie üblich vorab zum Meeting. Als es nichts mehr zu besprechen gibt, zieht Sven Waizenhöfer seine Freundin Simone in die Mitte des Raumes, geht auf die Knie und fragt, ob sie seine Frau werden möchte.

Knapp zwei Wochen nach der Hochzeit erzählt die frisch Vermählte die Geschichte mit feuchten Augen. Die „Unicorns Family“ jubelte und freut sich über das erste Brautpaar ihrer Geschichte. Am Hochzeitstag stehen sie, in ihre grünen T-Shirts gekleidet, vor dem Haller Rathaus Spalier. Drei amerikanische Spieler sind auch erschienen. Einer von ihnen, ein Youtuber mit eigenem Channel, filmt die Szene, die neben dem glücklichen Brautpaar reichlich repräsentable Bilder aus Hall enthält. 50.000 Klicks sind schnell zusammen.

Das Paar war schon vor drei Jahren einmal in dieser Zeitung, weil sie zu „Unicorns des Jahres“ gewählt wurden, ein Titel für  diejenigen mit besonderem Engagement für den Verein. Sie richten ihre Freizeit und ihre Urlaube nach dem Spielplan der Mannschaft aus. Zu Beginn half sie im Fanshop, er im Getränkeverkauf. Mittlerweile stehen sie beide hinter der Theke, wo sie neun anstrengende Stunden lang die stetig wachsende Zuschauermenge bedienen. Begonnen hat es bei Sven Waizenhöfer durch seine Tochter, die als Cheerleader aktiv war. Recht bald fragte man den Papa, ob er nicht helfen wolle. Schnell wurde er „Capo“ vom Getränkestand. Damals kannte er Simone Ludwig noch nicht. Ihr fehlte noch der richtige Anschluss an die Mannschaft.

Aber sie half hier und da und fuhr 2012 im Fanzug zur Meisterschaft nach Berlin mit. Am Bahnsteig kam sie nicht mehr in die volle U-Bahn und traf dort auf Sven Waizenhöfer, seine damalige Frau und Kinder. Man verstand sich gut, verlor sich dann aus den Augen. Bis zu dem Tag, fast ein Jahr später, als sie beide im Stadion waren, er beim Getränkeverkauf, sie im Fanshop. Sie bat ihren Sohn, ihr einen „Hugo“ am Getränkestand zu kaufen. „Für wen?“, fragte Sven Waizenhöfer den Minderjährigen. „Für meine Mutter. Die kennst du doch noch aus dem Zug?!“ Sven Waizenhöfer überbrachte das Getränk persönlich, weil er die Ehrenamtliche schimpfen wollte, den Cocktail bezahlen zu wollen. Dann freundeten sie sich über Facebook an, trafen sich zum Hundespaziergang und stellten überrascht fest, dass sie nur zwei Straßen auseinander wohnten.

Die Ehe des Unicornsfans war in der Krise, löste sich, das neue Paar zog zusammen.

Einlaufmusik auf dem Handy

Football hat sie zusammengebracht und ist eine starke Verbindung. Bei rund zehn Spielen in der Saison stehen sie hinter der Theke, zu den sieben Auswärts­spielen fahren sie hin, verbinden sie oft mit einer kleinen Wochenendreise. Am Tag eines Spieles freuen sie sich wie Kinder auf den Weihnachtsmann. Sie spielen ihre Handymelodie ab, die Einlaufmusik der Unicorns, und bringen sich in Stimmung. Sie nennen sich „infiziert“, hätten einen „grünen Vollschuss“ und zweifeln keine Sekunde daran, dass das, was sie machen, die Zeit, die sie opfern, gut investiert sei.

Schlimm ist für die frisch Verheirateten nur der Tag, an dem sich die Unicornsfans, meist zum Empfang im Rathaus, nach der deutschen Meisterschaft, voneinander verabschieden müssen. Dann sieht sich die „Unicorns Family“ einige Monate nicht. Es bleiben ihnen nur die Spiele im Fernsehen, in denen ihre amerikanischen Lieblingsteams bis zum Superbowl spielen.

Es ist nicht nur der Sport, der die beiden begeistert, sondern die familiäre Atmosphäre. Sogar mit Anhängern anderer Mannschaften kann man sich auf dem Rasen, von Picknickdecke zu Picknickdecke, anfreunden. Auch die Spieler gingen anders miteinander um als etwa beim Fußball. Was nicht heißt, dass die grün Infizierten nicht bei der WM auch vor dem Bildschirm sitzen werden.

Wenn nicht Football, dann Badminton und Gitarre

Simone Waizenhöfer, geborene Ludwig, ist 45 Jahre alt und kommt aus Sulzdorf. Sie lernte Bürokauffrau und organisiert heute für ein Tochterunternehmen der Bausparkasse Seminare. Sie hat einen Sohn. Sie mag Gartenarbeit, spielt mit ihrem Mann zusammen
Badminton und gemeinsam haben sie
begonnen, Gitarre zu lernen.

Sven Waizenhöfer ist 44 Jahre alt, wuchs in Onolzheim auf und lernte Industriemechaniker. Er arbeitet als Betriebsleiter bei den Hohenloher Schotterwerken in Wittighausen. sasch

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