Braunsbach Großer Aufwand, große Wirkung

Ein Samstag auf der Bühnenbaustelle auf der Braunsbacher Kulturinsel (von links): Karl Heinz Grund, Rainer Schürrle, Dieter Horch, Ulrike Frick, Alexander Bauer und Sebastian Greif befestigen die Kulissenwände. Die Bemalung stammt noch vom letzten Stück.
Ein Samstag auf der Bühnenbaustelle auf der Braunsbacher Kulturinsel (von links): Karl Heinz Grund, Rainer Schürrle, Dieter Horch, Ulrike Frick, Alexander Bauer und Sebastian Greif befestigen die Kulissenwände. Die Bemalung stammt noch vom letzten Stück. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Braunsbach / Sonja Alexa Schmitz 28.06.2018
Seit Wochen sind emsige ehrenamtliche Freizeithandwerker in Braunsbach mit dem Bau der Theaterbühne beschäftigt.

Es nimmt Formen an. Endlich, muss man wohl sagen, denn seit zwei Monaten bauen die Freunde und Mitwirkende des Braunsbacher Theaters schon an der Bühne für das Stück „Das Mädchen von Orlach“. Und langsam baut sich Druck auf. Die Vorpremiere ist am 26. Juli. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Vergangenen Samstag war endlich das neue Stahlgerüst fertig und die Wände der Bühne konnten angebracht werden.

Das Stahlgerüst ist die geniale Neuheit bei den Braunsbachern, die seit zehn Jahren allsommerlich, sogar im Jahr nach der Sturzflut, die Kulturinsel bespielen. Für das „Mädchen“, wie das Team das Stück kurz nennt, braucht es ein Haus mit einem ersten Stock. Darin muss es brennen. Auch das ist neu beim „Mädchen“: Es wird ordentlich Spezialeffekte geben. Es muss brennen, rauchen, blitzen, krachen – eben alles, was es braucht, um sich richtig zu gruseln.

Nichts für schwache Nerven

2018 wird es keine Komödie in Braunsbach geben. Das Stück wird nichts für schwache Nerven. Es beruht auf einer angeblich wahren Geschichte, die sich in Orlach 1431 und 400 Jahre später zugetragen haben soll. Kurz gefasst: Ein Abt tötet zahlreiche, von ihm gezeugte Kinder und vergräbt sie. 1832 erscheint der Geist einer der Mütter, einer jungen Orlacherin namens Magdalena Kronbach. Sie will, dass ihr Elternhaus abgetragen wird, weil sich darunter die Kinderleichen befinden.

Vor zehn Jahren, bei der allerersten Aufführung der Theatergruppe, wurde „Das Mädchen von Orlach“ am Originalschauplatz gespielt. Mit deutlich besserer Ausstattung und Technik ziehen die Akteure heuer auf ihre Kultur­insel. Die Bühne, 22 Meter lang, bietet fünf Szenenschauplätze: das Kloster, in dem der böse Abt sein Unwesen trieb, einen Stall, das Wohnhaus der Kronbachs, einen Wald und einen Zeltplatz. Das Wohnhaus wird dreimal umgestaltet, sodass es die Stube des Kronbachhauses, die der Nachbarn und ein Wirtshaus ist. Und hier kommt der neue Stahlturm mit integriertem Rundgerüst zum Einsatz: Die Wände werden nach vorn geschoben und dahinter wird vom Bühnenbauteam ein neuer Raum gestaltet, während das Stück ungehindert an anderer Stelle weiterspielt.

Immer funktioniert irgendwas nicht. Selbst in den zwei Stunden an einem Samstagnachmittag, sechs Mann und eine Frau arbeiten an den Stellwänden, kommt es immer wieder zu kleinen „Problemchen“. Die sie unermüdlich lösen, jedes Wochenende und an vielen Abenden und das seit zwei Monaten.

Bauen kann fast jeder

„Wir haben keine Angst vor nichts“, sagt Ulrike Frick, Regisseurin des Stücks und im echten Leben Standesbeamtin. „Seit der Sturzflut sind wir hier eh alle am Bauen.“ Manche haben einen handwerklichen Beruf, andere lernen es vor Ort oder tun, was sie am besten können. „Unsere Mädchen malen eben die Kulissen“, so Frick. Diese sind Bautücher, die sich immer wieder übermalen lassen, außerdem wasserfest sind und auf selbstgebaute Rahmen gespannt werden.

Für Alexander Bauer, der von Anfang an die Technik innehatte, ist „das Mädchen“ eine echte Aufgabe. Es spielen mehr Schauspieler denn je, 28 Mikros hat der Berufsinformatiker zu steuern. Das lässt sich nur mit moderner Digitaltechnik stemmen. Für jeden Schauspieler erstellt er ein akustisches Profil, passt es an und versieht es, wenn nötig, mit Effekten.

Neu in diesem gewaltigen Gruselstück ist auch, dass die Traverse, die über 18 Meter die Bühne mit Scheinwerfen versorgt, an zwei Eisenträgern befestigt wird, die nun an festen,  drei Tonnen schweren Betonelementen im Boden verankert sind.

Wann immer was schief läuft, kleine Unglücke passieren, dann heißt es: „Das war der Schwarz“ – der Geist des mörderischen Abts.

In vier Wochen beginnt der Spuk

Vorpremiere ist am Donnerstag, 26. Juli, Premiere am Freitag, 27. Juli. Weitere Vorstellungen sind am Samstag, 28. Juli, Freitag, 3. August, und Samstag, 4. August. Wenige Restkarten sind noch online unter www.theater-in-
braunsbach.de zu haben. sasch

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