Abschied Hans Ebert: Großaltdorfer aus Überzeugung

Hans Ebert greift in seinem Amtszimmer zur Schere. Seine Frau Sieglinde hat ihm ein ein Meter langes Maßband geschenkt, von dem er täglich einen Zentimeter abschneidet. Jetzt ist Schluss.
Hans Ebert greift in seinem Amtszimmer zur Schere. Seine Frau Sieglinde hat ihm ein ein Meter langes Maßband geschenkt, von dem er täglich einen Zentimeter abschneidet. Jetzt ist Schluss. © Foto: Ufuk Arslan
Vellberg / Jochen Korte 10.02.2017
39 Jahre lang war Hans Ebert Hauptamtsleiter im Vellberger Rathaus. Sein erster Chef war Bürgermeister Hermann Frank. Heute wird Ebert in den Ruhestand verabschiedet.

Wer im Vellberger Rathaus wissen will, wie man zur Wartung der Sirenen kommt, der geht zu Hans Ebert. Er weiß fast alles. „Außer Finanzen“, sagt der Hauptamtsleiter verschmitzt. Und wenn er die Frage nicht aus dem Kopf beantworten kann? „Dann weiß ich, wo es steht“, sagt der Großaltdorfer. Seit 39 Jahren leitet er das Hauptamt im Rathaus. Er kennt geschätzt die Hälfte der Vellberger und drei Viertel der Großaltdorfer persönlich. Heute ist für ihn Dienstende. Ebert, der am 23. Februar 63 Jahre alt wird, tritt in den Ruhestand. Offizielles Datum dafür ist der 1. April. Bis dahin wird der Resturlaub abgefeiert.

„Der Druck fällt weg“

Man merkt Hans Ebert die Vorfreude auf den Ruhestand an. „Der Druck fällt weg“, weiß er. Auch die Abendtermine muss er dann nicht mehr wahrnehmen. Langweilig wird es ihm ohne die Arbeit, die er stets gerne und mit Beflissenheit ausgeführt hat, nicht werden. Reisen, radeln, wandern,  Zeit mit Familie und Enkelkindern verbringen stehen auf dem Programm. Auch dem Andechser Kultur- und Sportclub, dem er am 7. April 40 Jahre angehören wird, davon 25 Jahre als Präsident, kann er dann noch mehr Zeit widmen. Über Ostern beispielsweise fährt er nach Böhmen, um die Tour 2018 des Clubs dorthin vorzubereiten. Überhaupt stehen Reisen auf dem Programm. Zusammen mit seiner Frau Sieglinde fährt er Ende Mai nach Südtirol und Mitte Juli zur Försterhochzeit nach Landshut. Doch auch Wanderungen „im ganzen Gäu“ („Vellberg kennen wir schon“) und Radtouren stehen auf dem Programm.

Ein E-Bike hat der ehemalige Zehnkämpfer nicht. Er deutet auf seine Oberschenkel. „Ich fahre mit Muskelkraft“, sagt Ebert. In seiner aktiven Zeit hat er immerhin 3,70 Meter beim Stabhochsprung geschafft. „Eigentlich wollte ich erst aufhören, wenn ich vier Meter geschafft habe, doch das hat nicht geklappt.“ Dafür hat Ebert in 25 Jahren seine Erfahrungen als Leichtathletik-Trainer und Abteilungsleiter beim TSV Vellberg weitergegeben. Einige Athleten sind später zur WGL Schwäbisch Hall gewechselt.

„Was Schriftliches sollte es sein“, beschreibt Ebert seine Berufswahl. Schreiben macht ihm Spaß. So lernte er unter anderem beim Karl Traub  im Rathaus Sulzdorf sowie in Aalen und in der Verwaltungsfachhochschule in Kehl. Zum 1. September 1977 trat er bei Bürgermeister Hermann Frank als Hauptamtsleiter in die Dienste der Stadt Vellberg. Unter Bürgermeister Manfred Walter arbeitete er 24 Jahre, seit sieben Jahren ist Ute Zoll seine Chefin. „Manfred Walter hat in der Bretagne ein Haus gebaut“, antwortet Ebert auf die Frage, was aus dem langjährigen Bürgermeister geworden ist.

Auch die Geschichte von Vellberg und Großaltdorf hat Ebert, der seit 1970 Tagebuch führt, aufgearbeitet. Der Bildband über Vellberg hat 450 Seiten, der über Großaltdorf 480 Seiten. Auch drei Festschriften über Vellberg, Großaltdorf und die Stöckenburg hat er verfasst.

Die Lügenbeutelfeste hat er als „Doctoris Humoris Causa“ bereichert. Bei Eberts Amtsantritt hatte Vellberg 3300 Einwohner, heute sind es 4300. Das Bedürfnis, selbst Bürgermeister zu werden, war bei ihm nicht groß ausgeprägt. „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“, lautet seine Erkenntnis. Außerdem habe die Familie das selbst gebaute Haus in Großaltdorf nicht verlassen wollen.

Hans Ebert hat als Standesbeamter 647 Paare getraut. Darüber hinaus war er von 1969 bis 2002 freier Mitarbeiter des Haller Tagblatts, sowohl als Vereinsberichterstatter als auch als versierter Schreiber und Fotograf. Er berichtete von Festen, Jahresfeiern und Hauptversammlungen.

Heute Abend ist die Verabschiedung

Hans Ebert  wurde am 23. Februar 1954 im damaligen Kreiskrankenhaus Ilshofen geboren. Er ist verheiratet mit seiner Frau Sieglinde. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder. Eberts Vorfahren lebten seit 1846 in Großaltdorf, davor 80 Jahre in Eschenau.

Heute Abend wird Hans Ebert  in der Turn- und Festhalle in Großaltdorf von der Stadt verabschiedet. Seine Nachfolgerin als Hauptamtsleiterin ist Kristina Riedel aus Ummenhofen, die sich seit März dieses Jahres in die neue Aufgabe einarbeitet.