Goethe-Institut Goethe-Institut: 23 britische Schüler besuchen Schwäbisch Hall

Damit die britischen Schüler ihre Brezeln formen können, lässt Bäckerlehrling Tobias Herzig den Teig durch eine Maschine laufen, um ihn auszurollen. Gespannt schauen die Jugendlichen dabei zu.
Damit die britischen Schüler ihre Brezeln formen können, lässt Bäckerlehrling Tobias Herzig den Teig durch eine Maschine laufen, um ihn auszurollen. Gespannt schauen die Jugendlichen dabei zu. © Foto: Kerstin Vlcek
Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek 02.11.2018
23 Schüler aus England haben eine Woche lang in verschiedene Betreibe im Haller Landkreis hineingeschnuppert. Sie haben auch zum ersten Mal Brezeln gebacken.

Wer von euch möchte zwei Kilogramm Teig für die Brezeln abwiegen?“, fragt Bäckerlehrling Tobias Herzig die britischen Schüler. Der Besuch in der Bäckerei Renner in der Gelbinger Gasse ist ein Teil des „Work-Shadowing-Programms“ des Goethe-Instituts, das 23 Schüler aus Großbritannien absolvieren.

Zwölf Jugendliche drängen sich in der Backstube, um zu erfahren, wie das Gebäck hergestellt wird. Darunter ist auch Megan Harty (17) aus Manchester, die zum ersten Mal in Deutschland ist.

Seit fünf Jahren lernt sie Deutsch und hat die Chance ergriffen, mit dem Goethe-Institut nach Schwäbisch Hall zu kommen. Eine Woche sind sie und die anderen Schüler, die sich davor nicht kannten, als Gruppe zusammen. Aber nur am Nachmittag, denn vormittags sind sie in verschiedenen Firmen und Organisationen zu einem Kurzpraktikum.

Im Hotel und in der Kunsthalle

Megan sammelt Erfahrungen im Hotel Hohenlohe. „Ich habe Gemüse geschnitten in der Küche und an der Minibar geholfen“, erzählt sie. Alice Bathurst (16) aus Surrey packt hingegen in der Kunsthalle Würth mit an. Sie hilft mit den Flyern und hat sich die aktuelle Ausstellung angeschaut. Für beide Schülerinnen ist es eine Herausforderung, ein Praktikum in einem deutschsprachigen Unternehmen zu machen. Doch Megans Angst, nicht gut genug Deutsch zu sprechen, habe sich schnell verflüchtigt. „Alle waren sehr freundlich zu mir.“

Ein Unterschied zwischen Deutschland und England wird den Mädels im Gedächtnis bleiben: das Sprudelwasser. „Es ist komisch, ein Wasser mit Sprudel im Restaurant zu bekommen. Das gibt es so bei uns nicht“, sagen sie übereinstimmend. Genau diese Unterschiede zu erleben und die Angst vor dem Deutschsprechen zu verlieren, ist eines der Ziele des Goethe-Programms. Lynne Brackley, eine der Betreuerinnen, ist extra aus London angereist. Sie ist begeistert, wie „lieb und sympathisch“ die zusammengewürfelten Jugendlichen sind.

Sabine Haupt, Leiterin des Schwäbisch Haller Goethe-Instituts, war überrascht, wie gut das Programm bei der zweiten Auflage angekommen ist. „Im vergangenen Jahr hatten wir neun Schüler, diesmal sind es 23.“

Einer der Faktoren, warum die Zahl der Mitreisenden gestiegen ist, sei auch der nahende Brexit. Ein Thema, über das sich die englischen Schüler auch bei einem Treffen mit deutschen Waldorfschülern austauschen. „Wir haben uns auch über Unterschiede in der Kultur, Politik und im Leben unterhalten“, so Riya Deshmukh (17) aus Highworth.

Der Anspruch des Projekts sei die Förderung von Deutsch an britischen Schulen, fasst Karl Pfeiffer, der Leiter des Goethe-Instituts in London, zusammen. „Durch diesen Austausch können 16- bis 18-Jährige schon während der Schule mit Deutschen in Kontakt treten.“

In der Backstube versucht sich Megan gerade am Brezelformen. „Das will nicht funktionieren!“, ruft sie und schaut sich um, wo Tobias Herzig ist, um es ihr noch einmal zu zeigen. Und siehe da: Es klappt. Stolz ist die Gruppe darauf, zum ersten Mal Brezeln geformt zu haben. Die müssen noch gebacken werden, um dann verspeist zu werden.

Kurzzeitpraktika in 14 Unternehmen

Die Mitglieder von „Friends of the Goethe-Institut“ haben den britischen Schülern den Austausch ermöglicht und auch finanziert. In Schwäbisch Hall haben 14 Betriebe und Einrichtungen Praktikanten beschäftigt: Stadtwerke Schwäbisch Hall, Hotel Hohenlohe, Haller Kulturamt, Kindergarten Badtorweg, Stadtbibliothek, Haller Tagblatt, Adolf Würth, Modepark Röther, Klafs, Fima Maschinenbau, Bausparkasse, Löwenbrauerei, Sonnenhof und Koch-Autogruppe. kv

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