Investitur Glücksfall hoch Vier

Christine und Henrik Watermann bei der Investitur in der Michelbacher Martinskirche. Die beiden Theologen schätzen die Ökumene – und glauben nicht an starre Grenzen zwischen den Religionen.  
Christine und Henrik Watermann bei der Investitur in der Michelbacher Martinskirche. Die beiden Theologen schätzen die Ökumene – und glauben nicht an starre Grenzen zwischen den Religionen.   © Foto: Privatfoto
Michelbach / Beatrice Schnelle 16.09.2017

Haben Sie so etwas schon mal gesehen?“ Die Watermanns blicken andächtig auf den im Wind leicht verwuschelten Park um ihr Gemeindehaus und die dichten Bäume dahinter. „Ist es nicht wunderschön? Was das für Möglichkeiten bietet! Gemeindefeste, Gottesdienste unter freiem Himmel…“

In ihren Augen leuchtet so viel reine Freude, dass man sofort denkt: Besser konnten sie es wohl gar nicht treffen, die Michelbacher, ihre Kirche und natürlich das neue Pfarrer-Ehepaar, das hier zielsicher gelandet ist. Die Stelle hat geduldig auf sie gewartet. Eine Woche nach Ende der Bewerbungsfrist hatten sie die Anzeige im Informationsblatt der Evangelischen Landeskirche Württemberg entdeckt. „Wir waren traurig und ärgerten uns, dass wir nicht früher geschaut haben.“ Doch dann wurde die Ausschreibung erneut veröffentlicht. Nach einer Ortsbesichtigung mit den neun- und zwölfjährigen Söhnen Cornelius und Johannes beschloss der Familienrat einstimmig: Genau da wollen wir hin.

Das Paar teilt sich die Arbeit

„Einen Glücksfall für die Gemeinde“ nennen Schuldekan Kurt Wolfgang Schatz und Uwe Altenmüller, Dekan im Kirchenbezirk Gaildorf, den vierköpfigen Fang, den sie da gemacht haben. Die Bewerbung von Henrik und Christine Watermann auf die Pfarrstelle sei die einzige gewesen, die das Dekanat erhalten hätte, aber eben auch „vollkommen überzeugend“. Ebenso ein Glücksfall sei es, dass sich das Paar die Arbeit hälftig teile: „Die 50 Prozent werden zeitlich immer überschritten“, spricht Schatz aus Erfahrung, „für die Gemeinde ist das toll, aber es gibt leider trotzdem nur ein Gehalt.“ In der Region würden in Zukunft immer wieder halbe oder ganze Stellen frei, die einer der beiden Theologen übernehmen könne, weist er auf offene Optionen hin.

Die Watermanns finden so, wie es ist, alles perfekt. „Klar wissen wir, dass auf diese Weise 50 plus 50 am Ende 160 ergeben“, sagt Christine Watermann, „aber wäre einer von uns in Vollzeit Pfarrer bei einer anderen Kirchengemeinde – und die müsste ganz in der Nähe sein –, würden wir uns nur noch spätabends und todmüde sehen.“ Ganz zu schweigen von den Kindern, die dabei zu kurz kämen.

Die letzten acht Jahre wirkte das Paar im baden-württembergischen Kirchenbezirk Brackenheim als Pfarrer in den Gemeinden Leonbronn und Ochsenburg. Das Zeitfenster für einen Ortswechsel war begrenzt: „Der sollte stattfinden, bevor für unseren ältesten Sohn in der 6. Klasse die zweite Fremdsprache dazukommt.“ Die, darauf besteht Johannes, muss unbedingt Latein sein. Gymnasien, die das Fach unterrichten, seien selten geworden. Habe man eines gefunden, werde ein Wechsel schwierig. Zudem seien die Kinder jetzt noch jung genug, um ihre neue Heimat für sich zu erobern, ohne der zurückgelassenen allzu sehr nachzutrauern.

Der Landkreis Schwäbisch Hall bedeutet für das Paar so etwas wie ein Heimkommen: Bei einer Infoveranstaltung für Theologiestudenten im Diak haben sich die beiden Stuttgarter 1995 kennengelernt. Christine war damals 21, Henrik 20 Jahre alt. „Wir fanden uns nett, und nach dem Abend ging jeder seiner Wege.“ Der liebe Gott ließ allerdings nicht locker. Er führte sie wenig später bei einem anderen Seminar zusammen, und als das immer noch nicht reichte, schickte er sie auf das gleiche Sprachkolleg für Latein, Altgriechisch und Althebräisch in Stuttgart.

Dort hat er sie endlich erwischt. Henrik und Christine heirateten noch während ihres Studiums in Tübingen, in dessen Verlauf sie sich Gastsemester in Helsinki und Leipzig gönnten: „Nur als Student wird einem der Ortswechsel so leicht gemacht, und das wollten wir nutzen.“

Weltoffen, wie sie sind, schätzt das Pfarrer-Ehepaar die ökumenische Ausrichtung in der Michelbacher Gemeinde. Die beiden glauben nicht an starre Grenzen zwischen den Religionen. Schließlich gibt es da auch dieses pikante Detail in der Ahnentafel von Henrik Watermann: „Mein Ururgroßvater war ein katholischer Priester.“

Zur Investitur kommen Gäste aus Österreich

Unkonventionelle Predigten, Wandergottesdienste, Osternachtsfeiern, viel Musik in der Kirche: Die Watermanns haben viel vor in ihrer neuen Gemeinde. Mit Gottesdiensten jenseits des Mainstreams wollen sie auch jüngere Leute ansprechen. Bei der Investiturfeier erhielt die Gemeinde mit einer im Wechsel gehaltenen Predigt eine eindrucksvolle Kostprobe. Christine Watermann unterrichtet bis Dezember an der Grundschule Westheim Religion. Ab 2018 übernimmt sie die derzeit noch besetzte Lehrstelle an der Grundschule Michelbach. Der herzliche Empfang durch die Michelbacher hat die Familie begeistert. „Echt umgehauen“ habe es sie, dass zur Investitur eine Gruppe aus der österreichischen Partnergemeinde Ebensee anreiste. Der Vorgänger des Ehepaars, Pfarrer Ulrich Enders, wurde Polizeipfarrer der Evangelischen Landeskirche Württembergs. cito