Globe Globe-Verkauf perfekt – Das hölzerne Theater lebt in Berlin weiter

Freude über den Globe-Kauf (v.l.): Geschäftsführer Christian Leonard, Projektleiter Ingo Woesner und OB Pelgrim.
Freude über den Globe-Kauf (v.l.): Geschäftsführer Christian Leonard, Projektleiter Ingo Woesner und OB Pelgrim. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / MARCUS HAAS 23.09.2016
Die Globe Works GmbH Berlin hat das Haller Globe-Theater für einen symbolischen Euro gekauft. Weitere Details wurden nun bekannt gegeben.

„Ende gut, alles gut“, zitiert Christian Leonard Shakespeare am gestrigen Donnerstag beim Pressegespräch in Hall. Der Schauspieler, Regisseur und Shakespeare-Übersetzer hat die Shakespeare Company Berlin 1999 als unabhängiges Theaterensemble gegründet und erfüllt sich mit dem Globe einen Lebenstraum. Leonard kennt das Vorbild an der Themse in London und hält das Haller Globe für das gelungenste in Deutschland. Endlich hat er den aus seiner Sicht angemessenen, ideal passenden Ort für Shakespeares Theaterwerk gefunden und lässt ihn nach Berlin holen, nachdem zuvor ein Zirkuszelt oder eine Filmkulisse bespielt wurden.

Leonard war schon einmal in Hall und hat 2010 an einer Theater-Diskussion im Globe mitgemacht. Er freut sich aktuell über eine Glückwunsch-SMS des Ex-Intendanten Christoph Biermeier aus dem Italienurlaub. Wann in Berlin erstmals Shakespeare im wieder aufgebauten Haller Globe auf die Bühne kommt, liege in Gottes Händen, denn die Arbeit beginne erst. Leonard ist auch Geschäftsführer der Globe Works GmbH in Berlin, die das Haller Globe für einen symbolischen Euro gekauft hat. Andersherum gibt es einen Bonus von der Stadt Hall für die kulturelle Nutzung in Berlin über 58.000 Euro, denn die Berliner rechnen mit Transportkosten bis zu 70.000 Euro und mit Kosten von 350.000 Euro, damit das Globe wieder als temporär nutzbares Gebäude bespielbar wird.

Die Lage sei in Berlin eine völlig andere als in der Kocherstadt, wo mit dem Theaterneubau eine dauerhafte zweite Spielstätte etabliert werden soll, betont Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Der erste Vorsitzende der Freilichtspiele sieht einen Werbeeffekt für Freilichtspiele und Stadt durch einen Hinweis in Berlin darauf, wo das Globe herkommt. Übere weitere Kooperationen werde bereits nachgedacht. Mit dem Abbau werde die Voraussetzung dafür geschaffen, dass das Globe wieder als temporäres Gebäude genutzt werden könne. Zudem habe es am Standort in Berlin bessere Platzverhältnisse als auf dem Unterwöhrd, um eine Neukonzeption umzusetzen. Drei Plätze seien derzeit in Berlin in der Auswahl: Marienpark, Spreepark und Tempelhofer Feld – alles Riesengelände und „im Vergleich zu Hall sind wir hier im Weltall unterwegs“, macht Ingo Woesner deutlich, der als Projektleiter für Leonard das Globe nach Berlin holt.

Woesner hat nach eigenen Angaben bereits erfolgreich Erfahrung mit größeren Projekten mit Volumen bis zu acht Millionen Euro gesammelt und ist sich zu „mindestens 90 Prozent“ sicher, dass das klappt mit dem Haller Globe-Theater in Berlin. Es gebe bereits ein Finanzierungskonzept mit Sponsoren. Er kenne das Konzept der Haller Architekten, habe Gespräche mit den Globe-Machern von damals geführt, deren Wissen nun wertvoll sei und genutzt werde. Sogar der ehemalige Freilichtspiele-Intendant Achim Plato sei mit Rat und Sachverstand dabei.
 

Der Weg des Haller Globe-Theaters nach Berlin

Zeitplan Kontakt zwischen Hall und Berlin zum Thema Globe gebe es seit Juni. „Nach drei Monaten Prüfung haben wir noch drei Wochen intensiv verhandelt und nun das Ergebnis erzielt“, sagt Ingo Woesner. Der Projektleiter von der Shakespeare Company Berlin unterscheidet drei Phasen. Die erste sei nun erreicht, indem das Globe aus Hall abgebaut, nach Berlin transportiert und dort zwischengelagert wird. Am 4. Oktober soll in Hall ein Bauzaun aufgestellt und mit dem Globe-Abbau begonnen werden, und bis zur vorletzten Woche im Oktober soll es vom Unterwöhrd weg sein. In Phase zwei lautet das Ziel: Wiederaufbau in Berlin. In einer drei- bis fünfjährigen Phase soll der Spielbetrieb gestaltet werden, sich das Globe in der harten Berliner Theaterkonkurrenz behaupten. cus

Ein Kommentar von Marcus Haas: Viele Gewinner, ein Verlierer

Statt Abriss nach Berlin: Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das Haller Globe in veränderter Form noch viele Zuschauer an lauen Sommerabenden in Berlin begeistert. Die Verantwortlichen der Shakespeare Company sind mit viel Leidenschaft und Herzblut dabei, haben aber auch Erfahrungen mit ähnlichen Projekten und holen sich den notwendigen Sachverstand von den Machern von damals. Letztlich gibt es vor allem Gewinner. Aber mit den Sozialtherapeutischen Gemeinschaften in Weckelweiler auch einen Verlierer, der nie so richtig ernst genommen wurde und eine bessere, wahrhaftigere Kommunikation im Rennen ums Haller Globe verdient gehabt hätte.

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