Globe Globe-Diskussion: Architekten beziehen Stellung zu Empfehlung des Fachbeirats

Schwäbisch Hall / MARCUS HAAS 10.02.2016
Der neutrale Fachbeirat hat gesprochen: auf der Grundlage des Entwurfs aus dem Hochbauamt weiterarbeiten. Nächste Entscheidungen trifft der Gemeinderat. Und was sagen die Architekten zum Expertenvotum?

"Mit dem Vorschlag des Beirats müssen wir uns arrangieren. Wir sind enttäuscht darüber, dass das Expertengremium nicht erkannt hat, dass wir alle gestellten Fragen und alle Anforderungen erfüllt haben", machen die Haller Globe-Architekten in einem gemeinsamen Schreiben deutlich.

Unterzeichnet haben es Siegfried Kienle, Wolfgang Kuhn, Ulrich Mix, Roland Schuhmann, Martin Weidenbach und Renate Zink. Die Gruppe will das Globe erhalten und hat den Bestandsbau weiterentwickelt. Für alle technischen und baulichen Probleme seien Lösungen nachgewiesen worden. Wesentliche Details seien aber vom Fachbeirat falsch wiedergegeben worden. Beispiel: Das zitierte tonnenschwere Glasdach, das die Tragfähigkeit des Globe-Theaters beieinträchtigt, gebe es so nicht.

Überrascht sei die Gruppe, dass ein wesentlicher Punkt des Anforderungsprofils nicht mit dem Entwurf aus dem Hochbauamt erfüllt werde: die Forderung nach einem ganzjährig bespielbaren Theater. Jeder Theaterneubau werde an neuen Theatern im ganzen Land gemessen, in denen vollwertige Beheizung und Klimatisierung Pflicht und Standard sei. Die Globe-Architekten machen zudem deutlich, dass es ein Problem für sie sei, wenn "bauliche Unzulänglichkeiten" des Globe-Theaters "dazu benutzt werden, den Wunsch nach einem neuen Theater zu begründen. Darauf haben wir reagiert und dies ist in einen Konflikt auf der Ebene Architektenschaft und Verwaltung gemündet." Richtig sei die Diskussion um künftige Theaterkonzepte zwischen den Freilichtspielen, der Verwaltung und den Bürgern zu führen, die sich für Kultur interessieren und einsetzen.

"Nach zweimaligen Versuchen den Bestand zu erhalten, ist auch aus fachlicher Sicht deutlich geworden, dass der Erhalt des Globe-Theaters als temporäres Gebäude nicht mehr vertretbar ist. Diesem Votum möchte ich mich als Vorsitzender der Freilichtspiele ausdrücklich anschließen", macht Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim deutlich. Es habe ihn gefreut, dass auch der Fachbeirat die Kompetenz des Hochbauamts mit Dieter Koch an der Spitze anerkannt habe und dieser Entwurf als Grundlage für den sensiblen und doch bestimmten öffentlichen Bau dienen soll.

"Wir könnten auf Wunsch den Entwurf weiterentwickeln und Größe sowie Position auf das von den Bauexperten als angemessen befundene Maß reduzieren", sagt Architekt Dr. Alexander Beck, der gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Armin Hauenstein einen Neubau-Entwurf Globe 2.0 weiterentwickelt hat. Dieser behielte auch verkleinert seine Funktionen und wäre dann dementsprechend günstiger. Die von den Bauexperten gewünschte Gestaltung des Außenraums sei ebenso möglich. Die empfohlene Holzfassade besitzt "unser Entwurf bereits und müsste nicht geändert werden". Entgegen der Empfehlung der Bauexperten halte die Arbeitsgemeinschaft aber an einem großzügigen Foyer fest. Ebenso sei die kritisierte multifunktionale Nutzung ein Vorteil.

Architekt Werner Schuch hat den Entwurf für ein neues Brückentheater weiterentwickelt. Er möchte sich nun nicht mehr weiter äußern und verweist auf den Gemeinderat. Dieser werde entscheiden auf der Grundlage der Stellungnahmen "der sogenannten Fachleute - keine Bauexperten".

Diskussion um zweite Spielstätte - So geht es weiter

Gemeinderat Am Montag, 7. März, sollen in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats die nächsten Entscheidungen zur Zukunft der zweiten Spielstätte der Freilichtspiele getroffen werden. Die Stadtverwaltung bittet derzeit die Träger öffentlicher Belange beispielsweise das Landesdenkmalamt oder die untere Naturschutzbehörde um Stellungnahmen. Zudem werden in Folge einer städtebaulichen Entscheidung auch die Kosten kalkuliert und der Betriebsaufwand dargestellt, informiert der OB.

Antrag Die SPD hat einen Antrag an Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim gestellt, die nächste Gemeinderatssitzung am 17. Februar um einen Tagesordnungspunkt zu erweitern: "Entscheidung über die Durchführung eines Bürgerentscheids zum Nachfolgebau für das bisherige Globe-Theater." Alle Infos seien für die Bevölkerung nun zugänglich, macht Fraktionsvorsitzender Helmut Kaiser deutlich. Die SPD-Fraktion halte es für die Akzeptanz dieses Projekts notwendig, dass Bürger entscheiden können, ob die Stadt eine neue Spielstätte nach dem Entwurf aus dem Haller Hochbauamt auf dem Unterwöhrd bauen soll - gemäß Empfehlung des neutralen Fachbeirats. Der OB hat dazu bereits deutlich gemacht, dass sich diese Frage derzeit nicht stelle. Erst wenn "eine gute und zukunftsweisende Grundlage für den Nachfolgebau des Globe-Theaters erarbeitet und vom Gemeinderat entschieden wurde", stehe die Frage über einen möglichen Bürgerentscheid an (weitere Berichterstattung zum Thema Bürgerentscheid folgt). cus

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