Umringt von weißen Sitzsäcken und goldenen Luftballons stand Peter Jost im September mehrmals an verschiedenen Orten in Hall vor einem Banner mit der Aufschrift „Was glaubt Hall?“. Menschen nahmen Platz und füllten Fragebögen aus: „Glauben Sie an die 6-Tage-­Schöpfung der Welt?“, „Was bedeutet Ihnen Glaube?“, „Wie verbunden fühlen Sie sich mit der Kirche?“, „Denken Sie über einen Kirchenaustritt nach?“.

Am Montagabend kamen rund 100 Interessierte ins Haus der Bildung in Hall, um sich Josts Auswertung der Ergebnisse anzuhören. Der Theologe ist vor zwei Jahren von Dresden nach Gailenkirchen gezogen. Unter den Gästen waren auch einige Pfarrer und Kirchengemeinderäte aus Schwäbisch Hall und Umgebung.

Jost vergleicht Ergebnisse mit Umfragen in ganzDeutschland

266 Personen wurden bei Peter Josts Projekt mit dem Namen „Raumwunder“ befragt. Dass diese Anzahl nicht repräsentativ sei, gab Jost zu, nachdem das auch Zuhörer Thomas Jungbluth aus der Lukasgemeinde angemerkt hat. Seine Zahlen hat der Projektleiter mit denen von Gesamtdeutschland verglichen und an vielen Stellen habe es Übereinstimmungen gegeben, weshalb man von Allgemeingültigkeit sprechen könne, so Jost. Zum Beispiel bei der Mehrzahl der Frauen, die religiös interessiert sind (zehn Prozent mehr als Männer) und bei der höheren Kirchen-Austrittswilligkeit der Männer.

„Aber wer macht denn bei so einer Befragung mit?“, fragte sich Tilmann Kaul, Kirchengemeinderat aus Gailenkirchen, „doch nur die, die sowieso an Kirche interessiert sind oder die mal richtig meckern wollen.“

Wie erreicht man diejenigen, um die es wirklich geht? Diese Frage stellten sich auch die anderen Zuhörer an diesem Abend und Peter Jost selbst. Eine Antwort hatte er nicht darauf. Noch nicht, so hoffen die Kirchenleute. Einige sind kritisch, viele haben in der Bezirkssynode gegen dieses Projekt gestimmt, erzählte Matthias Herrmann, Pfarrer aus Bubenorbis.

Ein Ergebnis, das sich nach vielen Diagrammen mit Zahlen zeigte: Es gebe noch Menschen, denen Gott und Glaube etwas bedeute, aber sie entfernen sich von der Kirche. Vor allem junge Menschen lassen sich schlecht halten. „Was wir brauchen, sind andere Formen“, so Jost.

„Um das herauszufinden, braucht es aber nicht so eine Umfrage, oder?“, stellte Pfarrerin Henrike Frey-Anthes von St. Michael die rhetorische Frage. Viele stimmten zu. Die Pfarrerin gebe sich fortwährend Mühe, genau daran zu arbeiten. Zu verändern. Die Kirche attraktiver zu machen. Aber wie erreicht man die, die wegbleiben? Ein Religionslehrer aus Backnang bemerkte, dass er das Glück habe, in seinem Unterricht alle zu erreichen.

Weitere Schritte folgen

„Was hat das denn jetzt für Konsequenzen?“, wollte Thomas Jungbluth wissen. Dafür sei es noch zu früh, so Projektleiter Jost. Er sei erst an diesem Tag mit der Auswertung der Studie fertiggeworden. Nun könne er an den nächsten Schritten arbeiten: Möglichkeiten zur Gotteserfahrung schaffen – sei es durch alternative Gottesdienste, Naturerlebnisse oder Initiationsrituale.

Nach einem langen Abend, an dem Peter Jost sein Projekt nur mit Mühe verteidigen konnte, hörte er aber auch von einer Zuhörerin: „Ich finde es Wert, dem Ganzen eine Chance zu geben.“ Rund die Hälfte der Gäste gab durch Klatschen Zustimmung.

Hamburger Verein übernimmt Teil der Finanzierung


Ein Viertel des Projekthaushaltes wird durch private Spenden getragen, ein weiters Viertel der Finanzierung kommt durch die eine Förderung des Hamburger Vereins „Andere Zeiten“ rein. Auch der evangelische Kirchenbezirk Schwäbisch Hall und die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützen das Projekt zu einem Viertel. Träger des Projektes, sind der evangelische Kirchenbezirk Schwäbisch Hall, die katholische Gesamtkirchengemeinde Schwäbisch Hall und der CVJM Schwäbisch Hall als geschäftsführender Verein. sasch