Just an der sternförmigen Kreuzung gleich mehrerer Rad- und Wanderwege und mit Blick zum leuchtend roten Burgbergturm reckt sich auf einer Lichtung ein grüner Hügel empor. Das Gelände ist mit einem stabilen Metallzaun rundum gesichert. Ein weißes Schild verbietet das Betreten der Anlage. „Was für eine Anlage?“ mögen sich schon viele Passanten gefragt haben. Angesichts der drei schweren Eisendeckel unterhalb der Anhöhe könnte man auf ein Wasserreservoir tippen.

Doch der harmlos aussehende Buckel verbirgt kein sauberes Wasser, sondern dreckiges Erdreich. Vergiftetes Erdreich sogar. Tausende Kubikmeter stark dioxinverseuchten Aushubs mussten hier 1991 in einer millionenteuren Deponie entsorgt werden. Noch heute ist der Landkreis Schwäbisch Hall verpflichtet, die Anlage auf Rossfelder Gemarkung jährlich zu kontrollieren und ordnungsgemäß einzuzäunen.

Auf Anfrage konnte die zuständige Behörde mitteilen, dass die Überprüfung von Deponie und Zaun keinerlei Beanstandungen gebracht hat. Der Gift-Sarkophag hält also dicht, und es besteht keine Gefahr für die Umwelt. Die Anlage mitten im Burgbergwald zwischen den Gemeindegebieten Ilshofen, Vellberg, Frankenhardt und Crailsheim ist auch sorgfältig gemäht und frei von Büschen und Bäumen.

Bis 1985 qualmte eine Kabelverschwelungsanlage am Rande des kleinen Crailsheimer Teilorts Maulach an der früheren B 14 vor sich hin, dann stoppte das Landratsamt Schwäbisch Hall den Betrieb. Die Kunststoffummantelung von Elektrostrippen wurde bis dahin einfach verbrannt, um an die wertvollen Kupferdrähte zu kommen, die giftigen Abgase achtlos in die Luft geblasen. Unter den diversen Schadstoffen der Emissionen war das nach einer früheren Umweltkatastrophe als Seveso-Gift gefürchtete Dioxin das gefährlichste. Es lagerte sich nicht nur auf dem Firmengelände sondern auch in Maulacher Gärten, auf Wiesen und landwirtschaftlichen Flächen ab. Dramatisch hohe Werte wurden gemessen und versetzten die Bewohner in Angst und Schrecken.

Um Mensch und Tier nicht länger gesundheitlich zu gefährden, wurden das Betriebsgelände und die angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen abgetragen und mit großem finanziellen Aufwand saniert. Aber wohin mit dem dioxinverseuchten Erdaushub und Bauschutt? Eine Untertagedeponie schien zu teuer. Die Mülldeponie Hasenbühl schied aus politischen Gründen aus. Die Haller wollten das Gift aus Crailsheim nicht. Selbst der damalige Landrat Ulrich Stückle war froh, dass er die Ablagerung der Dioxinerde auf dem Hasenbühl vermeiden konnte.

Mit der Einrichtung einer speziellen Dioxindeponie betraten die Fachleute 1991 Neuland, denn die Anlage war die erste ihrer Art in Deutschland. Es wurden 4,5 Millionen D-Mark ausgegeben, um die schadstoffbelastete Fracht aus Maulach im nahen Burgbergwald sicher ablagern zu können. Damit das Gift-Grab nicht eines Tages leckt, wurde die Sicherheit der Anlage zur obersten Maxime erhoben und ein entsprechend hoher technischer Aufwand betrieben. So dichtet eine massive, 60 Zentimeter dicke Stahlwanne den Giftmüll gegen den Untergrund ab.

Ein aufwendiges Barrieresystem, das aus mehreren Elementen besteht, verschließt die Deponie nach unten und nach oben. Sie ist mit einer widerstandsfähigen und reißfesten Kunststofffolie abgedeckt, auf der eine dicke Rekultivierungsschicht aus unbelasteter Erde lagert. Grund- und Sickerwasser werden seither jährlich kontrolliert. Der Zaun wurde 2004 komplett erneuert. Auch seine Beschaffenheit wird regelmäßig überprüft.