Berufseinstieg Gewerkschaft warnt vor Befristung

Wie die Sanduhr, so laufen auch Befristungen ab. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mahnt an, dass in der Branche viele Jobs befristet vergeben werden. Dies sei ein Grund für den Mangel an Fachkräften in Hotels, Restaurants und im Lebensmitteleinzelhandel.
Wie die Sanduhr, so laufen auch Befristungen ab. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mahnt an, dass in der Branche viele Jobs befristet vergeben werden. Dies sei ein Grund für den Mangel an Fachkräften in Hotels, Restaurants und im Lebensmitteleinzelhandel. © Foto: ngg
Schwäbisch Hall / swp 23.08.2018
Im Landkreis Schwäbisch Hall beginnen 840 junge Frauen und Männer ihre Berufsausbildung. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert auch für sie bessere Jobperspektiven.

Ausbildungsvertrag in der Hand, aber was kommt danach?, fragt die Gewerkschaft Nahrung-
Genuss-Gaststätten. Im Landkreis Schwäbisch Hall können sich derzeit rund 840 Neu-Azubis über eine Lehrstelle freuen. So viele versorgte Bewerber zählte die Arbeitsagentur zum Start des Ausbildungsjahres. Damit die Karriere auch nach der Abschlussprüfung weitergeht, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nun bessere Job-Perspektiven für Berufseinsteiger. Eine große Hürde nach der Ausbildung, schreibt die NGG in einer aktuellen Pressemitteilung, sei jedoch der Trend zum Job auf Zeit – zur Befristung.

Jobs mit Verfallsdatum

Solche „Arbeitsplätze mit Verfallsdatum“ sind nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der Nahrungs- und Genussmittelbranche besonders verbreitet. Dort sind bundesweit knapp 54 Prozent aller Übernahmen befristet. Ähnlich sieht es bei den Neueinstellungen aus: Dabei zählt die Branche mit einer Befristungsquote von 73 Prozent zu den Spitzenreitern. Auch in Hotels und Gaststätten sind diese Arbeitsverträge zum Berufsstart gang und gäbe. Dort sind laut IAB 35 Prozent aller Übernahmen befristet.

Burkhard Siebert, Geschäftsführer der NGG-Region Heilbronn, spricht von einer „Unternehmer-Unsitte“: Es könne nicht sein, dass Betriebe trotz Hochkonjunktur in vielen Branchen so stark auf Befristungen setzten. „Wer als Job-Starter eine Familie gründen oder einen Kredit für die Wohnungseinrichtung bekommen will, der braucht einen sicheren Arbeitsplatz und keinen Zitter-Vertrag“, so Siebert.

Dass Berufseinsteiger besonders betroffen sind, zeigt auch die amtliche Statistik. So waren im Bundesland Baden-Württemberg im vergangenen Jahr 15 Prozent der 20- bis 30-Jährigen befristet beschäftigt.

Kaum Fachkräfte zu finden

Auf Unternehmer, die darüber klagen, dass sie im Gastgewerbe oder in der Ernährungswirtschaft kaum noch Fachkräfte finden, reagiert Siebert mit einem Kopfschütteln: „Wer nach der Ausbildung nur einen Vertrag auf Zeit anbietet, der muss sich nicht wundern, dass sich Schulabgänger woanders umsehen.“ Spezialisten von morgen gewinne man nur mit guten Löhnen, attraktiven Arbeitsbedingungen und klaren Karriereperspektiven, so der Gewerkschafter. Befristungen sollten die Ausnahme sein. Zu den wirklich zwingenden Gründen einer Befristung gehörten etwa eine Probezeit oder Schwangerschaftsvertretung.

 „In den Betrieben haben wir es aber immer häufiger mit Befristungen nach dem 08/15-Prinzip zu tun. Jobs auf Zeit werden zur gängigen Praxis“, betont Siebert. Das Bundesarbeitsministerium plane zwar, solche Arbeitsverhältnisse einzudämmen. Befristungen ohne Sachgrund sollen danach auf 18 Monate begrenzt werden und maximal 2,5 Prozent der Belegschaft betreffen. Allerdings wären nach aktuellem Stand Betriebe mit weniger als 75 Beschäftigten vom Gesetz ausgenommen.

Vollständiges Verbot gefordert

„Ein Großteil der Beschäftigten im Gastgewerbe und im Lebensmittelhandwerk hätte davon praktisch nichts“, kritisiert die Gewerkschaft und fordert daher ein vollständiges Verbot der sachgrundlosen Befristung. Dieses soll unabhängig von der Betriebsgröße gelten.

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tausend Menschen in Baden-Württemberg sind in befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigt, das ist jeder Dreizehnte.

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