Handwerk Gewerbliche Schule: „Eigentlich alles für die Tonne“

Das Team Tim Bauer, Yannik Maier und Alexander Graf stellt seine Projektarbeit an der Gewerblichen Schule Lehrern und Schreinerschülern vor. „G-Punkt“ ist der Titel ihres aus vielen Einzelbrettern gebauten Sitzmöbels.
Das Team Tim Bauer, Yannik Maier und Alexander Graf stellt seine Projektarbeit an der Gewerblichen Schule Lehrern und Schreinerschülern vor. „G-Punkt“ ist der Titel ihres aus vielen Einzelbrettern gebauten Sitzmöbels. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Sonja Alexa Schmitz 13.03.2018

Im Halbkreis sind die Projekt­arbeiten aufgereiht, daneben stehen die 17 mehr oder weniger aufgeregten Meisteranwärter. Im Team oder auch allein wurde gearbeitet. Das Thema lautet: „Ich hab den Bogen raus.“ Im Sommer wird jeder sein Meisterstück bauen, diese Arbeit sei ein „Vorgeschmack“, so nennt es Schulleiter Ernst-Michael Wanner.

Kosten können davon vor allem die Schreinerschüler, die an diesem Mittag gekommen sind, um die Präsentation zu verfolgen. Aufmerksam betrachten sie die angefertigten Möbel und hören gut zu, wenn die Meisteranwärter ihre Fertigungsschritte beschreiben.

Lars Eßer und Roman Reizel präsentieren ihr Werk „side_effect“, einen Sofabeistelltisch für Zeitschriften und Fernbedienung. Die beiden haben lange getüftelt, hatten kreative Ideen, dachten an ein Champagnertablettmöbel oder einen Koffer, kombinierbar mit einem Schrank. Sie fuhren zur Möbelmesse nach Köln, kamen mit neuen Inspirationen wieder. Planten einen Wein-Präsenter mit Fassdauben, dann eine Lampe, letztlich wurde es der Beistelltisch. Ob er stabil genug war, wurde vom Hund Roman Reizels getestet. Auf einem Foto sieht man ihn auf ihm sitzen.

Den Bogen raus haben

Inmitten von Schreinern lernt der Laie so manches neue Wort. Zum Beispiel das „Coming-Home-Möbel“ – In diesem Fall ein Regal für die Ablage von Handy und Hausschlüssel. Angefertigt wurde es von Stefan Haas, Sebastian Leuze und Johannes Reeb. „The Volute“ nennt sich ihr Werk. In ausgiebigem Brainstorming haben sie befunden, dass „den Bogen raus haben“ (das Titelthema) eigentlich bedeutet, etwas zu begradigen. Also haben sie ein rundes Schubladenteil entworfen, dass in der Verlängerung zum geraden Brett wird.

„James“ ist eine Bar, an der Wand aufzuhängen. Markus Brenner und Tim Hofacker haben sich diese ausgedacht. Aus verschiedenen Materialien wurde sie angefertigt. Aus dem Rahmen fällt ihre Entscheidung, auf das Programm CNC zu verzichten. „Wir wollten zeigen, dass es auch noch ohne geht.“

„Das ist doch eigentlich alles für die Tonne“ haben Josef Götz und Nico Leibold während ihrer Arbeit oft gesagt. Wie ihre Kollegen stießen auch sie auf Probleme, die sie herausforderten. In ihrem Fall war es das zu weiche Material der alten Ölfässer, die sie für ihre Kommode verwendeten. Schließlich fanden sie eine Lösung und der Titel ihres Projektstücks stand: „Alles für die Tonne.“ Herausgekommen ist ein originelles Möbel, aus zwei golden lackierten, halb aufgeschnittenen Fässern mit hölzernen Schubladen.

Was sich wohl hinter dem „G-Punkt“ versteckt? Tim Bauer, Alexander Graf und Yannik Maier suchten beim Brainstorming etwas, das zu ihnen passt. Es sollte etwas werden, dass Spaß macht und man benutzen kann. Entstanden ist ein Sessel, der „G(enießer)-Punkt“. Bequem sieht das hölzerne Rund auf den ersten Blick nicht aus. Aber mit einem Fell und Kissen sitzt es sich gut darin. Viel Arbeit haben die drei sich angetan mit dieser aufwendigen Konstruktion. Und als Bonbon obendrauf haben sie noch Boxen und Musikanschluss integriert. Beim Publikum kommt ihre originelle Idee sehr gut an.

Suphawet Sipkhe ist Einzelkämpfer. Er entlockte den Zuschauern bewunderndes „Ohh!“ als er an seinem edlen Tisch die runde Platte drehte und zwei Schubladen herausfuhren. „Der Denker“ heißt sein Werkstück. Es ist ein feiner, ausgeklügelter Schachtisch entstanden.

Das Beste kommt zum Schluss? Daniel May, Markus Ehrler und Tobias Thimig enthüllen ihre „Helix“: ein Fünf-Eck-Kubus mit Clou, denn drückt man oben drauf, fährt eine Spirale hoch und zieht ein Bartablett nach sich. „Im Kopf war die Idee schnell fertig, aber bis es dann umgesetzt war...“ – damit sprechen sie wohl für alle ihre Kollegen.

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