„Klong, klong, klong“ ertönt es, wenn Bohrhelfer Hartmut Herboth mit seinem Hammer auf das Rohgestänge schlägt, um die Verschraubung der Verrohrung zu lösen. Das erklärt auch das Geräusch, das seit Freitagnacht immer wieder einmal durch die Haller Innenstadt hallt. Herboth ist einer von sechs Arbeitern, die dafür sorgen, dass die Bohrungen, die für das Vorankommen des Weilertunnelbaus notwendig sind, ausgeführt werden. Mittels einer Baumaschine wird nämlich auf einem der beiden Gleise im Bereich des Vierwändewegs gebohrt.

Rund um die Uhr wird gearbeitet

38 Meter tief wird in das Erdreich gebohrt, unter dem der Weilertunnel in Zukunft die Bahnlinie kreuzen soll. Seit vergangenem Freitag, 22 Uhr, ist die Baustelle in Betrieb. Bis Mittwoch, 10 Uhr, muss die Bohrung abgeschlossen sein und das Bahngleis wieder freigegeben werden, erklärt Matthias Wellbrink von der Bohrgesellschaft Roßla, der die Bohrstelle leitet. Damit der Zeitplan auch eingehalten werden kann, wird rund um die Uhr gearbeitet, in Tag- und Nachtschichten.

Schwäbisch Hall

Matthias Hiller vom Ingenieurbüro Henke und Partner übernimmt die geotechnische Betreuung. Schon vor Abschluss der Bohrungen kann er sagen, dass das Erdreich, das aus Muschelkalk besteht, „sehr brüchig“ ist. „Eigentlich ist die Stelle sehr ungünstig für eine Tunnelunterführung.“ Wie die Bodenbeschaffenheit genau aussieht, kann er aber erst nach der Untersuchung sagen. „Die ersten Ergebnisse wird es voraussichtlich noch in diesem Jahr geben.“

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Während Wellbrink und Hiller die technischen Details hinter der Bohrung erklären, sind Herboth und sein Kollege Nico Krämer damit beschäftigt, ein weiteres Rohr in das Bohrloch zu treiben, um sich Meter für Meter in das Erdreich vorzuarbeiten. Am vergangenen Samstag gegen 18.30 Uhr sind sie bei circa 18,5 Metern angekommen. „Pro Tag schaffen wir ungefähr zehn Meter“, erklärt Wellbrink. Die ersten Bohrkerne hat die Maschine nach oben transportiert. Ein Bruchstück davon hält Herboth in den Händen: ein weißes, rund 20 Zentimeter langes Kalkstück mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern. Aufgefüllt wird das entstandene Loch dann mit Zement und Bentonit.

Letzter Zug um 22.30 Uhr

Damit die Bohrung auf dem Gleis überhaupt möglich ist, musste dieses vollgesperrt werden. Da die Strecke an der Stelle aber zweigleisig ist, sei die Sperrung kein Problem, erklärt ein Bauüberwacher der Bahn vor Ort. Allzu stark sei die Strecke von Schwäbisch Hall nach Heilbronn nicht befahren und der letzte Zug in Richtung Hall kommt bereits um 22.30 Uhr an der Baustelle vorbei.

Auch wegen der Gleise ist die Baustelle nicht die einfachste, aber darauf sei seine Bohrgesellschaft spezialisiert, sagt Matthias Wellbrink. Schwierig ist dabei weniger die Arbeit an sich, sondern das Gerät an den richtigen Ort zu schaffen. Von der Johanniterstraße musste die Maschine, die über Ketten verfügt, über den Erdhang von selbst hochklettern und in Position gebracht werden.

„Klong, klong, klong“ ertönt es wieder unter Herboths Hammerschlägen. Abgesehen davon, ist die Maschine eigentlich nicht viel lauter als ein Lkw, der auf der Johanniterstraße vorbeibraust. Trotzdem hat Volker Dürr, Geschäftsführer Hotel Hohenlohe, weniger Gäste im Hotel 21 einquartiert. Dieses liegt nämlich genau neben dem Vierwändeweg und unterhalb der Bohrstelle auf den Gleisen. „Beschwerden von Gästen gab es bisher keine. Als damals eine Rüttelmaschine in der Nähe gearbeitet hat, war es viel schlimmer. Da hat auch das Hotel Hohenlohe gebebt“, erinnert sich Dürr.

Teuer und zeitaufwändig


Rund eine halbe Million Euro werden die Untersuchungen an der Johanniterstraße kosten. Insgesamt sollen an verschiedenen Stellen 17 Löcher gebohrt werden. Am Gleis wird bis auf die Tiefe der Tunnelsole (also dem Niveau, auf dem die Straße durch den Tunnel führt) gebohrt, was bisher nicht geschehen sei. „In diesem Gerinne läuft auch das Wasser zusammen und der Frost geht rein“, sagt Holger Göttler, Fachbereichsleiter Planen und Bauen. Daher sei es unglücklich, dass der Tunnel genau an der vermutlich schwächsten Stelle unter den Gleisen hindurchführen soll. Bereits jetzt ist klar, dass für die Bauzeit des Tunnels zwei Brückenelemente für die Gleise
eingesetzt werden. So wird verhindert, dass Veränderungen im Boden den Zugverkehr behindern. Das ist allerdings teuer und zeitaufwändig. tob