Obersontheim Gestank und Fliegenplage: Betreiber der Kompostierungsanlage setzt sich gegen Vorwürfe zur Wehr

BEM-Geschäftsführer Ralf Müller steht vor einer Siebanlage, die fertigen Kompost auswirft. Die KGH-Umweltservice, die das Kompostierungswerk in Obersontheim betreibt, ist eine Tochter der Ludwigsburger BEM-Umweltservice.
BEM-Geschäftsführer Ralf Müller steht vor einer Siebanlage, die fertigen Kompost auswirft. Die KGH-Umweltservice, die das Kompostierungswerk in Obersontheim betreibt, ist eine Tochter der Ludwigsburger BEM-Umweltservice. © Foto: Sigrid Bauer
SIGRID BAUER 25.07.2014
Die beiden Geschäftsführer und der Betriebsleiter der Obersontheimer Kompostierungsanlage wehren sich gegen die Vorwürfe, die Anwohner wegen Geruchsbelästigung und einer Fliegenplage erheben.

Weltweit sei das in Obersontheim eingesetzte Verfahren das erfolgreichste und bei weitem nicht "das Billigste vom Billigen", wie im HT-Artikel vom Juni behauptet wird. "Mehr als 50 Anlagen in Deutschland setzen wie hier semipermeable Membranen ein, um die Intensivrotte abzudecken", stellt Ralf Müller, einer der drei Geschäftsführer der BEM-Umweltservice aus Ludwigsburg, fest.

In Rotteboxen mit einem Fassungsvolumen von rund 250 Kubikmetern wird ein Großteil der organischen Bestandteile des Bioabfalls abgebaut. Die Abdeckfolie ist durchlässig für Luft und Wasserdampf, aber undurchlässig für Wasser. "Einerseits ist das Rottegut so vor Regen geschützt, andererseits bleiben die Geruchsstoffe im Inneren der Rottebox", erklärt Müller. Die Abluftreinigung verlaufe analog zu der durch Biofilter. Während der Biofilter gewartet werden müsse, werde die Plane erst nach sechs bis sieben Jahren ausgewechselt.

Tatsächlich ist an diesem Tag mit Temperaturen um 25 Grad auf der Anlage nur ein leichter Geruch wahrnehmbar. In den ersten drei Jahren sei die Geruchsbelastung immer wieder gemessen worden. Die Messungen hätten gezeigt, dass die Anlage einwandfrei laufe. "Die Daten haben wir alle vorliegen", versichert Müller.

Geschäftsführer ärgert sich über Rathauschef Trittner

Der angelieferte Biomüll wird in einer Halle abgeladen. "Von dort saugen wir die Luft ab und leiten sie zu den zwölf Intensivrotteboxen. Durch die Belüftung bleibt die Geruchsentwicklung des Umsetzungsprozesses gering", so Geschäftsführer Bernd Jörg. Bei zehn Prozent der Jahresstunden, das sind 36,5 Tage im Jahr, liege die Grenze der erlaubten Geruchsbelastung. "Da liegen wir weit darunter", so Jörg. Seiner Meinung nach sei die Anlage sogar unter der sogenannten Irrelevanzgrenze von zwei Prozent der Jahresstunden, was 7,3 Tagen im Jahr entspricht. "0,000 Geruch auf dem Land geht nicht!", betont der Biologe. Außerdem kontrolliere das Landratsamt mehrmals im Jahr die Anlage - und zwar unangemeldet. Betriebsleiter Patrick Sieber weist darauf hin, dass er die Abläufe ständig optimiere. Er lege Arbeiten, die zu Gerüchen führen können, nicht vor das Wochenende und beachte die Wetterprognosen, um die Belästigung gering zu halten.

Zum Vorwurf der Fliegenplage könne Geschäftsführer Müller nur sagen, dass es auf der Anlage laut einem Tierhygieniker der Uni Hohenheim nicht mehr Fliegen gebe als auf jedem Bauernhof. "Ich verstehe nicht, warum eine Fliege, die hier schlüpft, sich dann 700 Meter weiter auf einen Kuchen setzen soll. Das hat mir auch noch kein Biologe erklären können", sagt er.

Zur alternativen Vergärung des Bioabfalls in einer Biogasanlage meint Müller, dass dies keine Lösung sei, die der Landkreis von heute auf morgen umsetzen könne. Um eine solche Biogasanlage wirtschaftlich zu betreiben, wären 40.000 Tonnen Bioabfall im Jahr nötig. Für diese Menge müssten sich mehrere Landkreise zusammenschließen, erklärt er.

Verärgert ist Müller über Obersontheims Bürgermeister Siegfried Trittner: Ende 2013 habe Müller ihm inoffiziell vorgeschlagen, hier eine Biogasanlage zu bauen. Das habe Trittner abgeschmettert, bevor es überhaupt offiziell wurde, berichtet der Wirtschaftsingenieur. Er verstehe, dass es für Trittner ein politischer Erfolg wäre, wenn die Anlage zumacht. "Aber das wird nichts, die Genehmigung ist unbefristet. Und das hat nichts mit der Entscheidung in Hall zu tun." Klar müsse auch sein, dass eine Vergärung die Kompostierung nicht überflüssig mache. Denn der Gärrest werde anschließend kompostiert.

Obersontheims Bürger haben die Nase voll von der Kompostierungsanlage

Funktionsweise der Anlage

Ablauf Nach drei Wochen Intensivrotte bei rund 70 Grad kommt das Material zur Nachrotte auf sogenannte offene Mieten. In drei Schritten wird das Material gesiebt. Dabei werden Fremdstoffe, hauptsächlich Plastikfolien, entfernt. Das Endprodukt ist dunkelbraun und krümelig. Es geht als Dünger in die Landwirtschaft und in den Weinbau.

Kompost Im Jahr erzeugt die Anlage jährlich aus 25.000 Tonnen Biomüll rund 11.000 Tonnen Kompost. Nur rund 4100 Tonnen kommen aus dem Landkreis Hall, der insgesamt ein Bioabfallaufkommen von 7500 Tonnen im Jahr hat.

SIBA