Seltsam, gespenstisch, bizarr – Ronny Mechnich, Geschäftsführer des Flair Park-Hotels in Ilshofen, sucht nach Worten, um das, was er in diesen Tagen erlebt, zu beschreiben. „Draußen in den Lebensmittelläden geht alles seinen normalen Gang, hier ist es gespenstisch leer, wie ausgestorben. Das löst gemischte Gefühle aus.“ Ungewohnter Anblick beim Betreten des Hauses: Ein Spender mit Desinfektionsmittel steht gleich am Eingang. Im Haus ist es ruhig, ein Radio dudelt im Hintergrund. An der Rezeption steht keiner, das Telefon klingelt nicht mehr, die Betten müssen nicht mehr neu bezogen werden und in der Küche wird nicht gekocht. Das Treiben im Hotel ist komplett zum Erliegen gekommen.

Crailsheim/Hall

Solidarität unter Kollegen

„Seit rund zwei Wochen haben die Stornierungen täglich zugenommen. Mittlerweile sind wir erstmals völlig ohne Gäste“, berichtet Direktor Ronny Mechnich. „In 35 Jahren Hotelbetrieb habe ich das noch nicht gesehen. Noch nie habe ich ein völlig geschlossenes Hotel erlebt, weder bei der Schweinepest oder sonstigen Grippen.“ Da es aktuell keine Gästeanfragen mehr gibt, hat das Hotel seinen Betrieb seit Sonntag bis vorübergehend 18. April komplett eingestellt. „Da nur noch Geschäftsreisende beherbergt werden dürfen und diese aber aus Unternehmenssicht meist nicht mehr reisen dürfen, gibt es auch keine Gäste mehr“, beschreibt Mechnich das Dilemma. Auch das Restaurant schließt für diesen Zeitraum seine Türen. „Wir bieten so lange auch keinen Liefer- oder Partyservice an“, erklärt Ronny Mechnich. Die Nachfrage sei zu gering. Aktuell würden vor allem Stornierungen abgewickelt und die Formalitäten für Kurzarbeit geklärt.

Für die Mitarbeiter des Hotels bedeutet die Situation, dass sie in Kurzarbeit geschickt werden, Überstunden und den alten Urlaub abbauen. „Wir versuchen alles, damit wir keine Mitarbeiter entlassen müssen. Wir sind diesbezüglich auch sehr zuversichtlich.“ Mechnich erlebt zudem eine Welle der Solidarität im Haus. „Es gibt auch Kollegen, die jetzt Urlaub nehmen – obwohl sie nicht verreisen können! Andere Mitarbeiter geben ihren Kollegen einige Tage Alturlaub ab. Das treibt einem die Tränen in die Augen.“

Crailsheim

Zuschuss zum Kurzarbeitergeld

Das Hotel gehört zum Unternehmen Bausch + Ströbel. Wie Mechnich berichtet, „plant die Geschäftsleitung Aufzahlungen zum Kurzarbeitergeld“. Die Zuzahlungen sollen insbesondere den unteren Lohnschichten zugutekommen. So soll gewährleistet werden, dass die Arbeiter ihre Miete und die laufenden Kosten zahlen können.

„Bis jetzt ist im ganzen Hotel keiner erkrankt.“ Trotz der vorübergehenden Schließung werde der Betrieb weiter aktiv bleiben und eine „Task Force“ aufstellen, die sich mit den aktuellen Anforderungen befasst. Zudem will die Hoteldirektion einen Plan ausarbeiten, der Renovierungen und Instandsetzungen koordiniert. „Davon unabhängig bereiten wir uns so gut es geht auf die Zeit nach Corona vor“, so Mechnich.

Doch wann wird diese Zeit kommen? „Ich gehe davon aus, dass die Krise mindestens drei Monate dauern wird, eher sogar vier bis sechs“, sagt Mechnich. Das sei zwar nur eine Vermutung und er hoffe, dass er nicht recht behalte. „Wenn man aber die Ausbreitung entschleunigt, ziehen sich die Auswirkungen hinaus. Eine Grippewelle dauert erfahrungsgemäß ein bis zwei Monate, das wäre beim Coronavirus zu schön, um wahr zu sein.

Schwäbisch Hall

Der Hoteldirektor erinnert sich noch an die Zeit der Rezession 2008/2009 aufgrund der Wirtschaftskrise. „Das war schon schwierig, aber ich denke, etwas Vergleichbares wie Corona hat es schon seit 100 Jahren nicht gegeben.“ Man merke nun, wie verwundbar die gesamte Infrastruktur ist, wenn ein Problem nicht rechtzeitig erkannt werde und sich die Menschen zu sicher fühlen. „Ich habe das Gefühl, es ist, als ob sich die Erde selbst reinigt. Ich sehe auch die Chance, dass Menschen nun bewusster miteinander umgehen. Aber es ist nicht die erste Katastrophe, die die ganze Menschheit betrifft, und sicher auch nicht die letzte.“

70


Zimmer beziehungsweise 140 Betten bietet das Flair Park-Hotel Ilshofen an. Dazu kommen unter anderem zwei Restaurants, neun Veranstaltungsräume und ein Hallenbad mit Sauna.