Schwäbisch Hall Gespannt aufs Unterrichten

Vom Pfarramt in den Schuldienst: Julia Alius unterrichtet künftig Schüler am Hohenlohe-Gymnasium in Öhringen.  r
Vom Pfarramt in den Schuldienst: Julia Alius unterrichtet künftig Schüler am Hohenlohe-Gymnasium in Öhringen. r © Foto: Bettina Lobe
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 31.08.2018
Pfarrerin Julia Alius unterrichtet künftig am Hohenlohe Gymnasium in Öhringen. Hall bleibt die junge Mutter weiter treu.

Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, Konfirmandenunterricht, Gottesdienste mit Erwachsenen und Familie, Seelsorge und, und, und: Die Aufgaben in einem Pfarramt sind schon ziemlich vielseitig. Genau das liebt Julia Alius an ihrem Beruf. Allerdings wird sich die junge Theologin, die seit 2015 als Pfarrerin zur Dienstaushilfe (PDA) bei der Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Hall, Anne-Kathrin Kruse, gearbeitet hat, von dieser liebgewonnenen Vielfalt nun vorerst ein Stück weit verabschieden. Künftig wird sie am Hohenlohe-Gymnasium in Öhringen unterrichten. Sie freut sich darauf, dort dann eine neue Fülle ihrer Aufgabe entdecken zu können.

Ein bisschen Wehmut scheint auch mitzuschwingen, wenn die 33-Jährige auf die letzten drei Jahre in Hall zurückblickt. Zuletzt hat die Mutter eines eineinhalbjährigen Buben Vertretungsdienste übernommen – „das ist spannend, da habe ich den Kirchenbezirk nochmals von einer neuen Seite kennengelernt“. Konfirmandenunterricht in Geißelhardt, zwischendurch in Tüngental und vergangenen Sonntag predigte sie beispielsweise in Orlach, „das ist eine so schöne Kirche dort“.

Engagiert in Flüchtlingsarbeit

In schöner Erinnerung behält sie freilich ihre Schwerpunkte während ihrer Zeit als PDA in Hall. Wie etwa die Flüchtlingsarbeit. Sie knüpfte Kontakte zwischen Asyl-Freundeskreisen und Kirchengemeinden, half beispielsweise mit, wenn Ehrenamtliche gesucht wurden. Oder das Projekt „Sozialtherapeutisches Schaffen im Wald“ mit Asylbewerbern: „Wir haben auch zusammen einen Gottesdienst gestaltet – das war etwas Besonderes.“ Weiter fällt ihr die Samstagsaktion „Zusammenstehen für den Frieden“ ein, bei der sich ganz unterschiedliche Konfessionen und Gruppen auf der Treppe vor St. Michael für Frieden einsetzen. Ein weiterer Schwerpunkt war das Reformationsjubiläum, das Julia Alius in Hall mitorganisierte. Da werden ihr einige der von Hallern beigesteuerten „Brenz-Geschichten“ in Erinnerung bleiben.

Die wirklich spannenden Fragen

Nun beginnt für die 33-Jährige mit dem Schulunterricht in Öhringen ein neuer Abschnitt. Obwohl: Als Pfarrerin habe sie bisher ja auch schon unterrichtet, zuletzt an der Gemeinschaftsschule Schenkensee, erzählt die Theologin: „Und ich habe immer schon gerne unterrichtet.“ Toll findet sie daran, dass sie in der Schule mit Jugendlichen arbeiten kann, die man wohl eher nicht in der Kirche trifft: „Ich bin sehr gespannt.“ Was sie bereits weiß: Sie werde Schüler von der sechsten bis zur elften Klasse unterrichten. Und gerade im Religionsunterricht würden ja ethische Themen und ganz grundsätzliche Fragen behandelt: Wer bin ich? Wie gehe ich um mit Schuld? Was ist der Tod?

Ein Ziel, das sie grundsätzlich mit ihrer Arbeit als Pfarrerin verfolgt: Die Menschen „auskunftsfähig über den eigenen Glauben“ zu machen. Dann könne man auch offen auf andere zugehen und müsse keine Angst haben.

Mit Neugier und Vorfreude geht Julia Alius ihre neue Aufgabe an. Klar, sie habe überlegt, ob sie nach Öhringen ziehen soll. „Aber ich fühle mich hier total heimisch. Das ist ein schönes Gefühl.“ Also bleibt Julia Alius mit ihrem Sohn Jakob, der bald in die Kita gehen darf, Schwäbisch Hall zumindest als Kirchengemeindemitglied erhalten.

Von Bayern über Bangalore und Marburg nach Schwäbisch Hall

Julia Alius ist 33 Jahre alt und stammt ursprünglich aus dem oberbayerischen Hepberg bei Ingolstadt. Durch den Konfirmandenunterricht bei einem engagierten Pfarrer entstand bei ihr eine erste Begeisterung für Theologie. Nach dem Abitur sowie einem Praktikum an einer Schule und in einer Gemeinde beschloss sie, Theologie zu studieren. Zunächst war sie an der Hochschule in Neuendet­tels­au, dann für ein halbes Jahr im indischen Banga­lore. Wieder in Deutschland studierte sie Theologie sowie Friedens- und Konfliktforschung in Marburg. Ihr Examen machte sie in Tübingen. Nach dem Vikariat in Esslingen kam Julia Alius 2015 als Pfarrerin zur Dienstaushilfe in den evangelischen Kirchenbezirk Hall, damals gemeinsam mit ihrem Mann, der im Diak als Seelsorger arbeitet. Im Februar 2017 hat Julia Alius ihren Sohn Jakob zur Welt gebracht. Nach der Elternzeit übernimmt die Pfarrerin seit einigen Monaten Vertretungsdienste im Kirchenbezirk. Ab dem neuen Schuljahr wird sie am ­Ho­­­h­enlohe-­Gymnasium in Öhringen Religion unterrichten. Die alleinerziehende Mutter bleibt in Hall wohnen. Sie genießt das kulturelle Angebot, ist gerne in der Natur unterwegs, etwa am Starkholzbacher See, sie spielt Klavier und tanzt. blo

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