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Crailsheim
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier  Uhr
Die beiden großen regionalen Unternehmen, Bera in Hall sowie Franz&Wach in Crailsheim, legten zuletzt zu, haben aber gedämpfte Erwartungen.

Zwei neue Bestimmungen sorgen in der Branche der Personaldienstleister für Unsicherheit: die sogenannte Gleichbezahlungsregelung oder Equal Pay. Deren Kern ist die Pflicht, Leiharbeiter nach einer gewissen Zeit – in der Regel neun Monate – genauso zu entlohnen wie das vergleichbare Stammpersonal. Außerdem sieht die Höchstüberlassungsdauer vor, dass Zeitarbeitnehmer nur eine bestimmte Zeit – diese liegt im Standardfall ebenfalls bei neun Monaten – an ein Unternehmen ausgeliehen werden dürfen.

Unklar definiert

Die Branche geht davon aus, dass deshalb die Zahl der Zeitarbeitnehmer zurückgehen wird. Das erwartet auch Franz&Wach aus Crailsheim. „Das eigentliche Problem ist aber nicht, dass die Löhne nach oben gehen, sondern dass der Gesetzgeber versäumt hat, Equal Pay genau zu definieren“, schreibt Dr. Ralf Eisenbeiß, Pressesprecher von Franz&Wach. Unternehmer würden sich sorgen, dass sie den korrekten Vergleichslohn nicht berechnen können.

Im zurückliegenden Jahr hatte die Branche ein Umsatzplus von rund 6 Prozent auf 32,2 Milliarden Euro zu verzeichnen. Für dieses Jahr sei mit einem ähnlichen Zuwachs zu rechnen. Doch 2018 könnten die Erlöse sinken. Eine Umfrage bei den 25 größten deutschen Zeitarbeitsunternehmen ergab, dass 57 000 der rund 1 Million Arbeitsplätze in der Zeitarbeit bedroht sein könnten. Als Grund dafür wurden die gesetzlichen Änderungen genannt.

Das Haller Unternehmen Bera erkennt negative Konsequenzen der Gesetzesreform. Diese machten die Personaldienstleistung für Arbeitnehmer erheblich unattraktiver und für Unternehmen deutlich unflexibler.

Besonders scheint die Branche zu sorgen, dass Kunden ihre Leihkräfte vor Ablauf von neun Monaten wegschicken, weil sie rechtliche Konsequenzen wegen der reglementierten Einsatzzeit fürchten. „Wir wissen aus zahlreichen Gesprächen mit Entleihern, dass manche darüber nachgedacht haben, die Einsatzdauer auf acht Monate zu verkürzen und damit eine höhere Fluktuation akzeptieren“, erklärt Franz&Wach. Generell sei eine Verkürzung der Einsatzzeiten zu erwarten.

Arbeitsplätze seien dort bedroht, wo sich die Unternehmen nicht ernsthaft mit der Thematik des Arbeitsüberlassungsgesetzes befassen möchten, sondern sicherheitshalber lieber auf Zeitarbeit verzichten. „Das wird im Einzelfall auch uns betreffen“, befürchtet der Crailsheimer Personaldienstleister.

Starkes Wachstum

Franz&Wach legte 2016 deutlich stärker zu als der Branchenmittelwert von 6 Prozent. Die Crailsheimer steigerten ihren Umsatz von 61,4 auf 75,3 Millionen Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von 22,6 Prozent. Trotz der gesetzlichen Hemmnisse rechnet Franz&Wach mit einem weiteren Aufbau für das Unternehmen. Erwartet wird eine Marktkonsolidierung, die sich darin äußere, dass kleinere Zeitarbeitsanbieter die gestiegenen bürokratischen Anforderungen nicht erfüllen können und früher oder später darüber stolpern. „Leistungsfähige, gut organisierte Personaldienstleister wie wir werden von dieser Situation profitieren können“, sagt Ralf Eisenbeiß.

Bera baut auf

Bera sieht für sich keine Personaleinbußen – ganz im Gegenteil. „Intern bauen wir sogar weiter Personal auf. Besonders die Bereiche der Personalberatung und in dem zur Bera gehörenden Deutschen Zentrum für Leistungsmanagement wachsen wir derzeit stark“, teilt Geschäftsführer Bernd Rath mit. Angaben zu Umsatz und Entwicklung will das Unternehmen nicht machen.

Bera sieht sich nicht im Segment der klassischen Zeitarbeit, vielmehr als „Arbeitsmarktgestalter“. Unternehmen würden für neue Aufgaben anders qualifizierte Mitarbeiter brauchen. Diese weiterzubilden oder ihnen ein „Training-on-the-Job“ anzubieten, seien große Aufgaben.

Kunden übernehmen Mitarbeiter

Dass Zeitarbeiter nach einer bestimmten Zeit von den Unternehmen, in denen sie eingesetzt sind, übernommen werden müssen, scheint für den Haller Personaldienstleister kein Thema zu sein. „Die Projektmitarbeiter werden meist eh nach kurzer Zeit vom Kunden übernommen, denn der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Region ist hoch und die Unternehmen sehen die Arbeitnehmerüberlassung häufig als zusätzlichen Rekrutierungskanal“, erklärt Bernd Rath.