Schwäbisch Hall Geschossen und betrogen - 28-Jähriger muss in Haft

 
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Schwäbisch Hall / ELEONORE HEYDEL 07.10.2015
Ein 28-jähriger Fichtenberger hat seit 2014 eine ganze Latte von Straftaten begangen. Das Haller Amtsgericht verhandelt acht Stunden lang und verhängt am Ende zwei Haftstrafen ohne Bewährung.

Nicht zum ersten Mal sitzt der 28-jährige gelernte Maurer aus Fichtenberg auf der Anklagebank des Haller Amtsgerichts. Sein krimineller Abstieg begann 2010, als er wegen Alkohols am Steuer seinen Führerschein hergeben musste. Er konnte das Fahren aber nicht lassen und wurde immer wieder am Steuer eines Autos oder Motorrads erwischt.

Seit 2010 ist auch sein seelisches Gleichgewicht aus der Bahn geraten. Wegen einer Angst- und Panikstörung ist er in ärztlicher Behandlung und bekommt Medikamente. Das Haller Amtsgericht hat deswegen den Weinsberger Psychiater Dr. Thomas Heinrich vom Klinikum am Weissenhof beauftragt, ihn auf seine Schuldfähigkeit hin zu untersuchen. In seinem Gutachten erklärt Heinrich, dass der 28-Jährige voll verantwortlich sei für das, was er getan habe.

Vier Jungen verletzt

Im Mittelpunkt der Verhandlung steht ein Vorfall am Abend des 30. April 2014 in Fichtenberg. Der Angeklagte fuhr als Beifahrer im Auto eines jüngeren Bekannten mit. Am Straßenrand entdeckten sie vier Jungen, die mit Toilettenpapier emsig zu Werke gingen. Die Männer ärgerten sich über den harmlosen Mai-Streich der zehn- und elfjährigen Schüler. Zuerst schrien sie etwas, was den Jungen Angst machte, dann drehten sie um und fuhren hinter dem flüchtenden Quartett her.

Als die Jungen aufgeregt und verängstigt das Elternhaus von einem von ihnen erreicht hatten und dort Sturm klingelten, schoss der Angeklagte aus dem Auto mit einer Softair-Waffe. Die Kugeln trafen alle vier Jungen: am Hals, am Kinn oder an der Brust.

Er habe keine Waffe gehabt und nicht geschossen, behauptet der 28-Jährige. Er habe die Kügelchen mit der rechten Hand aus dem Seitenfenster geworfen und nicht treffen wollen. Die Kinder hätten außerdem zu Anfang das Auto seines Bekannten mit Steinchen beworfen. Die betroffenen Jungen, die als Zeugen vernommen werden, beteuern dagegen einhellig: Sie hätten keinen einzigen Stein aufgehoben. Richter Jens Brunkhorst glaubt ihnen. Den Angriff mit der Softair-Waffe wertet er als vierfache gefährliche Körperverletzung. "Die Kugeln können durchaus ins Auge gehen", mahnt Brunkhorst.

21 Zeugen wurden vernommen

Einige Wochen später hat der Angeklagte den Vater eines der Jungen als "Hurensohn" beleidigt. Außerdem stahl er in der Tiefgarage des Landratsamts zwei Auto-Kennzeichen. Er brachte sie an ein nicht versichertes Auto an, mit dem er durch die Gegend fuhr. Wegen weiterer Straftaten wurde er im November 2014 zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Das hielt ihn nicht davon ab, später zwei Krügerrand Goldmünzen über Ebay anzubieten. Er fand einen Käufer und ließ sich 1400 Euro überweisen. Die Münzen aber hatte er nie besessen. Im Mai 2015 überholte er am Steuer eines geliehenen VW Polos bei Sulzbach/Murr eine Autofahrerin so riskant, dass die Frau nur mit Mühe einen Unfall vermeiden konnte. Die Fahrerin erinnert sich: "Das war ein aggressives Vorbeirasen!"

Nachdem in der achtstündigen Verhandlung 21 Zeugen vernommen sind, verhängt Brunkhorst zwei getrennte Strafen: Ein Jahr Haft für die Taten, die vor der letzten Verhandlung im November 2014 begangen wurden, zehn Monate Haft für die Taten nach diesem Termin. Dem Antrag von Verteidiger Gerhard Rehmann, die Strafen noch einmal zur Bewährung auszusetzen, folgt Brunkhorst nicht. Er sehe nichts, sagt er, "was eine günstige Sozialprognose begründen könnte".

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