Mainhardt Gertrud Schiefer ist mit fast 103 Jahren gestorben

Gertrud Schiefer sitzt erwartungsvoll vor einem leeren Kuchenteller. Sie liebte es bis zum Schluss, ins Café zu gehen.
Gertrud Schiefer sitzt erwartungsvoll vor einem leeren Kuchenteller. Sie liebte es bis zum Schluss, ins Café zu gehen. © Foto: Archivfoto: Sonja Alexa Schmitz
Mainhardt / Jochen Korte 24.09.2018
Die Mainhardterin war lebensfroh und mit ihrem Sohn fast täglich in den Cafés in Hall und Umgebung.

Ein erfülltes Leben ist am Freitag, 21. September, zu Ende gegangen. Im Alter von 102 Jahren ist Gertrud Schiefer aus Hegenhäule, das zum Mainhardter Teilort Lachweiler gehört, gestorben. Sie war die älteste Bürgerin Mainhardts. „Sie hätte am 24. Oktober noch gern ihren 103. Geburtstag gefeiert“, sagt ihr Sohn Karl-Heinz Gräfnitz (74). Aber der Magen habe einfach nicht mehr mitgemacht.

Die Welt stand Kopf, als Gertrud Schiefer am 24. Oktober 1915 geboren wurde.  Bulgarien war eben erst auf Seiten der Mittelmächte in den Ersten Weltkrieg eingetreten. In Deutschland herrschte Kaiser Wilhelm II, in Russland Zar Nikolaus II. Hauptfeldwebel Karl Gräfnitz und die hübsche Gertrud gaben sich am 6. November 1937 das Ja-Wort.

Aber der Zweite Weltkrieg fraß die Liebe auf. Karl geriet in Gefangenschaft, die junge Frau floh nach Kriegsende mit ihren vier Söhnen alleine vor der Roten Armee und kam so nach Backnang. Der spätere Versuch, die Ehe zu retten, scheiterte. 1954 heiratete Gertrud den damaligen Chefredakteur der Backnanger Zeitung, Hermann Schiefer. Nach einem Umweg über Schwerin und Backnang landeten sie 1964 in Mainhardt. 1991 verstarb Hermann Schiefer.

Seine Witwe hatte ein Riesenglück. Ihr zweitältester lebender Sohn kümmerte sich hingebungsvoll um die Pflege der Mutter. Zweimal hat er sie aufgepäppelt, als die Ärzte sie schon aufgegeben hatten. Das letzte Mal im April 2016 nach einem Oberschenkelhalsbruch. „In den letzten zwei Jahren waren wir 400-mal in den Cafés in Hall und Umgebung. Fast jeden Tag waren wir auf Achse. Sie liebte das. Wir teilten uns ein Stück Schwarzwälderkirschtorte und Mutter trank heiße Schokolade“, blickt Karl-Heinz Gräfnitz zurück. Auch zum Tanz im Löwen oder in der Sonne sei sie gern gegangen. Sie habe stets  den Schalk im Nacken gehabt und gern mit den Männern geflirtet.

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