Nachruf Geradlinig und kantig

Harald Steidl vor seinem Grabenstetter Rathaus. 14 Jahre lang war er Bürgermeister der Albgemeinde. Am Donnerstag ist der 57-Jährige gestorben.
Harald Steidl vor seinem Grabenstetter Rathaus. 14 Jahre lang war er Bürgermeister der Albgemeinde. Am Donnerstag ist der 57-Jährige gestorben. © Foto: Archiv/ Thomas Kiehl
Grabenstetten / Regine Lotterer 21.10.2016
Vollkommen überraschend ist der Grabenstetter Rathauschef Harald Steidl gestorben. Er wurde nur 57 Jahre alt. Die Trauerfeier ist am Mittwoch.

Harald Steidl hat diese Welt verlassen, er ging leise und unerwartet. Zeit, sich von seiner Familie und seinen Freunden zu verabschieden, blieb ihm nicht. Seine letzte Ruhe wird er auf seiner Alb finden, in jenem Ort, in dem er 14 Jahre lang als Bürgermeister wirkte, wo er eine neue Heimat fand, wo er und seine Frau Jutta gemeinsam ein Haus bauten. Der Gemeinde hinterlässt er ein solides Fundament, auf dem eine gute Zukunft wachsen kann. Das Haus ist geordnet, die Verwaltung gut aufgestellt, die Finanzen solide. Wie könnte es auch anders sein? Harald Steidl wusste, worauf es bei seiner Arbeit ankommt, das Rüstzeug dafür erwarb er sich unter anderem beim Bürgermeister- und Landratsamt Heidenheim, seiner Geburtsstadt. Dort verdiente er sich seine ersten beruflichen Sporen.

Sulzdorf ließ ihn ungern ziehen

Bevor er zum 1. Januar 2003 das Amt des Grabenstetter Rathauschefs antrat, setzte er sich als Ortsvorsteher des Schwäbisch-Haller Stadtteils Sulzdorf für das Wohl der Bürger ein. Ein Posten, so hat er es einmal formuliert, auf dem man wissen müsse, wie man kämpft. Steidl konnte kämpfen, ein Symbol dafür war ein kleiner, schwarzer Stier, sein Sternzeichen, der auf seinem Schreibtisch im Grabenstetter Rathaus stand. Die Sulzdorfer jedenfalls ließen ihn seinerzeit nur ungern auf die Vordere Alb weiterziehen.

Von seinen Qualitäten konnte er indessen auch die Grabenstetter schnell überzeugen: Trotz zweier Gegenkandidaten wählten sie Harald Steidl 2002 im ersten Wahlgang zu ihrem Bürgermeister. 2010 bestätigten sie ihn mit überzeugendem Ergebnis im Amt. Damals dankte Steidl seinen Grabenstettern freudestrahlend für ihr Votum, die Bürger spendeten ihm damals lauten Beifall. Sie wussten, was sie an ihrem Schultes hatten, der seinerseits die Ecken und Kanten seiner Bürger schätzte. Er, der Mann von der Ostalb, mochte es, wenn  Menschen nicht lange um den heißen Brei herumgeredet haben. Ihm war es am liebsten, wenn ihm die Leute ihre Meinung direkt ins Gesicht sagten. So ging er auch seinen Weg, geradlinig und ehrlich. Kritik freilich ließ ihn nicht kalt, sie nagte an einem, hinter dessen vielleicht manchmal etwas raubauziger Schale ein sensibler, intellektueller Mensch steckte, der seine Arbeit perfekt und zum Wohle aller erledigen wollte.

„Auf einem solchen Posten muss man kämpfen können, sonst geht man unter.“
- Harald Steidl, Bürgermeister von Grabenstetten

Als sich Harald Steidl 2003 fürs Schultesamt in Grabenstetten bewarb, hörten die Bürger von ihm keine großen Wahlversprechen, gleichwohl versprach er, den Ort gemeinsam mit Einwohnern und Gemeinderat voranzubringen, etwas zu bewegen. Dieses Versprechen hat er gehalten. Im Ort war er präsent, ob beim Handball oder bei Vereinsfesten, der Bürgermeister war immer ansprechbar, der Weg in seine Amtsstube kurz.

Steidl wusste um die kleinen und großen Sorgen seiner Grabenstetter. Und sie wussten um seine Stärken und Schwächen. Dass Steidl gerne kochte und gutes Essen schätzte beispielsweise war kein Geheimnis, ebenso wenig sein Faible für die Gedanken großer Männer und Frauen, deren Zitate stets in seine Reden einflossen. Mit dem Albverein ging er gerne auf Tour, erst vor kurzem führte eine Wanderung in den Landkreis Ravensburg.

Interessiert an Geschichte

Auch die Erforschung der Geschichte fand sein Interesse, hier fand er in Grabenstetten ein großes Feld, immerhin führt der Heidengraben direkt an seinem Rathaus vorbei. Gemeinsam mit seinen Bürgermeisterkollegen aus Hülben und Erkenbrechtsweiler wollte er das keltische Erbe ins Bewusstsein der Menschen rücken und dadurch die Region wirtschaftlich stärken. Was aus kleinen Anfängen gedieh, ist inzwischen zum „Erlebnisfeld Heidengraben“ gewachsen. Dessen Vollendung erlebt einer der Väter nun nicht mehr.

Die Trauerfeier für Harald Steidl ist am kommenden Mittwoch, 12.30 Uhr, in der Peter-und-Paul-Kirche in Grabenstetten. Die Feier leitet der frühere Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Josef, Monsignore Norbert Blome. Zu ihm hatte Steidl ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis. Die Beisetzung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis auf dem Grabenstetter Friedhof.

Trauer und Schock bei Bürgern und Kollegen

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