Brückenfest der SPD Haller Genossen genießen, hoffen und hadern

Aufs SPD-Brückenfest stoßen an (von links): Elvira und Johannes van Bergen, Evelyne Gebhardt, Silvia Gehrisch, Danny Multani, Ernst-Michael Wanner, Birgit Kern, Hermann-Josef Pelgrim und Helmut Kaiser. 
Aufs SPD-Brückenfest stoßen an (von links): Elvira und Johannes van Bergen, Evelyne Gebhardt, Silvia Gehrisch, Danny Multani, Ernst-Michael Wanner, Birgit Kern, Hermann-Josef Pelgrim und Helmut Kaiser.  © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 10.09.2018
Die Haller SPD feiert überm Kocher ihr traditionelles Brückenfest – mit Musik, Crêpes und durchaus gemischter Stimmung.

Gewichtige Kunst thront seit März auf der Haller Henkersbrücke: Die tonnenschwere Eisenskulptur „Kopf offen mit Keil“ von Wolfgang Bier (1943 – 1998), die der Haller Künstler im Jahr 1995 schuf. Es entstand also zu einer Zeit, als die SPD bei der Bundestagswahl noch mehr als gewichtige 35 Prozent erreichte. Am Samstagabend gesellen sich in Hall zahlreiche Biertischgarnituren zur Kunst auf der Brücke über den Kocher, und das SPD-Banner an der Absperrung zeigt: Die Haller Genossen feiern ihr traditionelles Brückenfest– obwohl sich die Zeiten geändert haben und die Partei bei der Sonntagsfrage aktuell auf 18 Prozent kommt.

Natürlich, um Politik geht es an diesem Spätsommerabend in den Gesprächen auf der Henkersbrücke auch. Sicherlich auch darum, dass sich die Haller SPD-Fraktion momentan  schwertut. Eine gewisse Ratlosigkeit ist zu spüren, aber man hält sich zurück. Denn es soll auch gemeinsam gefeiert werden. Zu Beginn sind die Bänke noch ziemlich dürftig besetzt. Doch der Haller Ortsvereinsvorsitzende Danny Multani hat am Zapfhahn schon ordentlich zu tun. Die Band Double Gun hat sich auf der Bühne, die diesmal vor der ehemaligen Brückenapotheke in der Mauerstraße aufgebaut ist, eingerichtet und gerade den Soundcheck beendet. „Es geht eher langsam los, das war schon immer so“, sagt SPD-Stadtrat Ernst-Michael Wanner gelassen. Außerdem gibt es auch keine Ansprachen, erklärt Multani.

„Viele neue Gesichter“

Mit dem Einbruch der Dunkelheit sind die Bänke und Tische auf der Henkersbrücke dann aber gut besetzt. Zufällig vorbeikommende Passanten bleiben stehen, hören zu, wippen im Takt der Musik mit, stärken sich mit süßen oder herzhaften Crêpes und holen sich ein Getränk. Jedenfalls ist der Haller Fraktionsvorsitzende Helmut Kaiser während seiner Schicht am Ausschank schwer beschäftigt. „Heute sind auch viele neue Gesichter unter den Gästen“, stellt er zufrieden fest.

Das Brückenfest, das immer am letzten Ferienwochenende gefeiert wird, verstehe sich auch als geselliges Familienfest, lässt die Haller Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt durchblicken. „Alle sind wieder aus dem Urlaub zurück und man erzählt sich von den jeweiligen Erlebnissen“, erklärt die Vizepräsidentin des Europäischen Parlament.

Für sie habe der politische Alltag längst wieder begonnen. Die ersten Sitzungen in Brüssel hat sie absolviert. Und natürlich kommen auch bei der gemütlichen Hocketse in Hall europäische Themen zur Sprache. „Viele machen sich Sorgen um Europa“, sagt Gebhardt. Auch sie sorge sich um die spaltenden Tendenzen, welche die Rechtskonservativen „in die Gesellschaft reinbringen“. Das Ausmaß der aktuellen Auseinandersetzungen in Chemnitz mache den Menschen Angst. „Aber das sehe ich als Herausforderung, die Dinge mit Energie anzupacken.“ Sie erinnert sich gut an das Stimmungstief ihrer Partei vor fünf Jahren. „Das war damals schwieriger als heute“. Evelyne Gebhardt ist voller Hoffnung.

Sakellariou schöpft Kraft

Beim Haller SPD-Kreisvorsitzenden Nikolaos Sakellariou ist der Optimismus eher getrübt: „Es läuft so viel schief: Wenn zum Beispiel die Chefin die eigene Historische Kommission abschafft“, hadert er mit Andrea Nahles’ Entscheidung. Zudem sei er sehr bekümmert ob des Rechtsrucks in vielen europäischen Ländern. Das Haller Brückenfest ist für ihn ein wichtiges Forum für politisches Austausch, „man muss ja wieder Kraft schöpfen“. Das hat der Rechtsanwalt an diesem Abend auch nötig: weil er nämlich gerade eine fast elfstündige Motorradtour hinter sich hat. Er hat dieser Tage einen Jugendfreund in Sizilien besucht – mit seiner 34 Jahre alten und 19 PS starken Honda. „Man kann mit ihr gut 100 bis 110 Stundenkilometer fahren, schneller will ich auch gar nicht. Das wäre bloß Stress“, sagt er. Zum SPD-Fest auf der Henkersbrücke wollte er wieder zurück sein. Das hat Sakellariou auch gerade so geschafft.

Schöne Erinnerungen

Obwohl es unter dem sternenklaren Himmel auf der Brücke überm Kocher frisch wird, feiern die Genossen und ihre Gäste in gemütlicher Runde. Und zu den von Double Gun gespielten Rockklassikern wird getanzt. Rudolf Weihbrecht aus Hall hört genau hin. Immerhin war er 15 Jahre lang als Keyboarder Mitglied der Band. 2017 hat er aufgehört. Aber er freut sich, die alten Mitstreiter auf der Bühne zu erleben. Da werden viele Erinnerungen an schöne Auftritte wach, und Weihbrecht räumt lachend ein: „Wenn ich das höre, juckt es schon ein bisschen in den Fingern.“ Danny Multani ist jedenfalls sehr zufrieden. Er hat das Fest nun zum zweiten Mal organisiert, aber im vergangenen Jahr wurde es wegen Regen abgesagt: „Dieses Jahr läuft’s, und die Stimmung ist gut.“

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