Miteinander Generationenübergreifendes Wohnen in Hall

 Architekt Sven Haustein steht im Haus der Bildung vor dem Modell von „Viva!Karree“.
 Architekt Sven Haustein steht im Haus der Bildung vor dem Modell von „Viva!Karree“. © Foto: Maya Peters
Schwäbisch Hall / Maya Peters 04.12.2018
In Schwäbisch Hall entstehen alternative Wohnformen. Im Haus der Bildung referieren die fünf Haller Projektgruppen über ihre Träume und den Stand ihrer Pläne.

Es ist offenbar eine spannende Zeit in Schwäbisch Hall angebrochen. Denn immer mehr Menschen finden sich, die alternative Wohnformen suchen. Weg vom klassischen Einfamilienhaus mit Garten und weg vom Altersheim, rein ins „Miteinander“ unterschiedlicher Altersgruppen. Das Zauberwort heißt „Mehrgenerationenwohnen“, barrierefrei, variabel und gemeinschaftlich.

Das ungebrochen große Interesse an diesem Thema zeigt sich auch am wieder gut gefüllten Saal und den intensiven Gesprächen im Anschluss. Ins Haus der Bildung hat erneut Martin Weis vom Mehrgenerationentreff eingeladen, der durch die Veranstaltung führt. Er freue sich „über die großpolitische Prominenz“, begrüßt er die zahlreichen Gemeinderäte und den Ersten Bürgermeister, Peter Klink, vor Kurzem. 15 Minuten Redezeit hat jeder der Sprecher der fünf Haller Projektgruppen, die sowohl eingehalten wie auch professionell vorgetragen werden.

Man spürt: Das sind nicht nur Träume, da steckt schon Planung dahinter. Termine stehen fest, Rechtsformen werden diskutiert, Leitziele formuliert und bereits jetzt gemeinsam Freizeit gestaltet. Es hat sich eine Menge getan seit dem letzten Mehrgenerationentreffen im Februar. Bei allen geht es 2019 mit dem Kaufen, Bauen oder Verwirklichen los.

So präsentiert Melissa Hullmann vom Wohnprojekt Bahnhofsquartier, noch ein Projektname, in Metaphern, wohin der Zug fahren soll – für Interessenten, die noch auf diesen aufspringen dürfen. Doch zugleich gelte es zu beantworten, welchen Mehrwert das Wohnprojekt für jeden haben müsse, um dafür die bestehenden Wohnparadiese aufzugeben. „Wir wollen mehr als gute Nachbarn sein“, nennt sie einen wichtigen Punkt über Feste und Gemeinschaftsräume hinaus.

Das habe auch die Gruppe „Viva!Nord“ und „Viva!Ost“ vor, die Wolfgang Schmalzried vorstellt. Sie entsteht im Hessentaler Neubaugebiet „Am Sonnenrain“, direkt am sogenannten Boulevard als Teil von „Viva!Karree“. „Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, wie gut die Lage eigentlich ist“, wirbt er für den Standort zwischen Sportstätten, Schulen und Nahversorgung hinter dem Lärmschutzwall.

50 bis 60 Appartements werden dort entstehen, das südliche Gebäude ist momentan noch frei. „Wir wollen mehr, als nur dort wohnen“, spricht er von den Träumen der Projektpartner, die von gemeinsamer Waschküche, Boulebahn oder Fahrradwerkstatt bis hin zum Car-Sharing reichen. Neben eigenständigen Wohnungen unterschiedlicher Größe gibt es auch Wohnungscluster, in denen jeder eine eigene Nasszelle und Zimmer habe, aber wie in einer WG die Gemeinschaftsräume teile. „Es ist noch Platz“, lädt er Interessenten ein. Die Planungsgesellschaft wird Anfang 2019 gegründet, im Herbst 2021 sollen die Neubauten stehen.

„Bezahlbar, solidarisch, selbstverwaltet und generationenübergreifend“ wünscht sich der Verein „Trauben und Rosinen“ als Teil des Mietshäusersyndikats seinen Wohnraum. Und hat ihn bereits im westlichen Haus von „Viva!Karree“ gefunden.

Derzeit plane man gemeinsam mit Architekt Sven Haustein, der alle vier Wohnblöcke gestalten wird, die individuellen Raumaufteilungen. „Wie ein Eigentümer, obwohl wir Mieter sind“, wirbt Sina Wolbert um weitere Nachbarn. „Weitblick“ ist das kleinste Projekt unter den Fünfen. Gebaut wird Am Vogelholz „individuell, aber nicht isoliert, kinder- und seniorengerecht“. Erste Anfragen an Banken und Bauunternehmen seien bereits gestartet, berichtet Jo Waiditschka. Derzeit sei noch eine Wohnung von acht frei.
Geplant ist eine modulare Bauweise mit einer Öffnung hin zu einem großen gemeinsamen Garten.

Pfarrer Michael Werner präsentiert das inklusive Wohnquartier am Sonnenhof, dessen Anfänge jedoch anders sind. „Wir stellen den Raum zur Verfügung, eine Gruppe muss sich dazu noch finden“, stellt er lächelnd die Idee vor. In drei Bauabschnitten solle das Sonnenhofgelände nachverdichtet werden, die Idee wurde auch mit einem Preis ausgezeichnet.

Informationen zu den Projekten

Infos zu den Baugruppen erteilt Martin Weis. Und zwar per E-Mail an martin.weis@schwaebischhall.de, unter Telefon 07 91 / 9 70 66 50. In einer Serie werden diese Projekte und das bestehende Mehrgenerationenhaus „heller wohnen“ vorgestellt.

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