Schwäbisch Hall Gemeinschaftsschule Schenkensee: Zahl der Anmeldungen steigt um 57 Prozent

Wolfgang Jaeschke erklärt den Besuchern, wie in der Gemeinschaftsschule Schenkensee die Nebenfächer unterrichtet werden.
Wolfgang Jaeschke erklärt den Besuchern, wie in der Gemeinschaftsschule Schenkensee die Nebenfächer unterrichtet werden. © Foto: Sigrid Bauer
Schwäbisch Hall / SIGRID BAUER 30.09.2014
Seit zwei Jahren arbeitet die Werkrealschule Schenkensee wie eine Gemeinschaftsschule. Seit Beginn des Schuljahrs nennt sie sich offiziell so - und ist damit die erste dieser Art in Schwäbisch Hall.

Auf die Anmeldezahlen hat sich die Umwidmung der Schule im Haller Osten positiv ausgewirkt: Zwei fünfte Klassen mit je 26 Schülern gehen an den Start. "Das ist ein Plus von 57 Prozent gegenüber 2013", berichtet Schulleiter Rainer Herrmann sichtlich stolz bei einer Infoveranstaltung für Haller Lehrerkollegen, Gemeinderäte und Stadtverwaltung.

Schüler entscheiden selbst, wann sie einen Test schreiben

Von Anfang an habe sein Kollegium den Weg Richtung Gemeinschaftsschule, den auch die Stadt voll unterstützt habe, engagiert mitgetragen. Die Eltern der jetzigen Sechst- und Siebtklässler, die ein beziehungsweise zwei Jahre nach dem Konzept des individuellen Lernens (IL) der Gemeinschaftsschule gearbeitet haben, seien zufrieden. Die Kinder seien selbständiger geworden, der Lernzuwachs sei gut. "Am kritischsten sind die Lehrer", so der Schulleiter. Es hänge von der Qualität der Pädagogen ab, stellt Mathelehrerin Sybille Munzinger fest.

Der Bildungsplan für die Gemeinschaftsschule legt mehr Gewicht auf das Vermitteln von Kompetenzen als von Inhalten. Vieles erarbeiten sich die Kinder selbst. "Beim Thema Kreis sollten meine Schüler beispielsweise im Schulhaus Kreise suchen und fotografieren. Später habe ich mir im Einzelgespräch von den Schülern die Begriffe Radius, Durchmesser und Umfang erklären lassen", berichtet Munzinger. Herkömmlichen Unterricht gibt es an der Gemeinschaftsschule weiterhin, etwa in Englisch, aber auch in Deutsch und Mathematik.

Statt gemeinsamer Klassenarbeiten entscheidet der Schüler in der Regel selbst, wann er einen Test schreiben will. Schwächere Schüler bekommen Aufgaben des Grund-, stärkere des mittleren Niveaus. Die Bandbreite der beiden fünften Klassen ist groß: Schüler mit Realschulempfehlung lernen neben Kindern, die vom Sonnenhof oder von der Friedensbergschule kommen und eine Behinderung haben. Das individuelle Lernen nimmt jeden Vormittag großen Raum im Stundenplan ein. Es gewährt Schülern wie Lehrern Freiheit. "Ich kann an einem Tag auch mal nur Englisch machen, wenn es mir sinnvoll erscheint", sagt eine Lehrerin. Hält der Lehrer gerade keinen Unterricht, bearbeiten die Kinder selbständig oder in Gruppen Aufgaben. Ob aus Deutsch, Englisch oder Mathe wählen sie selbst.

Meist sind deshalb bis zu drei Lehrer anwesend, die die Kinder bei Bedarf unterstützen. "Die Gegenwart der Kollegen ist für uns auch neu gewesen", gesteht einer der Lehrer, der als Lernbegleiter für acht bis zehn Schüler einer Klasse persönlich zuständig ist.

Womit sie sich in der IL-Zeit beschäftigen, dokumentieren die Schüler in einem Lerntagebuch, das sie Lehrern und Eltern regelmäßig vorlegen. Außerdem werden die Pädagogen durch ein PC-Programm unterstützt. So können sie den Überblick behalten, welcher Schüler mit welchen Aufgaben beschäftigt ist und wann er eine Aufgabe erfüllt haben muss.

Der Kontakt zu den Eltern sei jetzt viel besser als früher, so eine Lehrerin. Alle drei Monate würden sie vom Lernbegleiter ihres Kindes zu einem halbstündigen Gespräch eingeladen. "Und sie kommen auch", stellt sie fest.