Mainhardt/Michelfeld Gelobte regionale Wertschöpfung

Von links: Steffen Hofmann (Projektleiter Stadtwerke Hall), Wolfgang Binnig (Bürgermeister Michelfeld), Franz Untersteller (Landesumweltminister), Damian Komor (Bürgermeister Mainhardt), Franz Uhl (Uhl Windkraft) und Ronald Pfitzer (Geschäftsführer Stadtwerke Hall) schneiden das rote Band durch. Für die beiden Bürgermeister gibt es ein goldenes Windrad als Dank für die gute Zusammenarbeit.
Von links: Steffen Hofmann (Projektleiter Stadtwerke Hall), Wolfgang Binnig (Bürgermeister Michelfeld), Franz Untersteller (Landesumweltminister), Damian Komor (Bürgermeister Mainhardt), Franz Uhl (Uhl Windkraft) und Ronald Pfitzer (Geschäftsführer Stadtwerke Hall) schneiden das rote Band durch. Für die beiden Bürgermeister gibt es ein goldenes Windrad als Dank für die gute Zusammenarbeit. © Foto: Maya Peters
Mainhardt/Michelfeld / Maya Peters 18.05.2018
Der Windpark Rote Steige bei Michelfeld und Mainhardt dreht sich jetzt auch offiziell. Mit Ministerbesuch wurde er feierlich in Betrieb genommen. Ein sechste Anlage folgt vermutlich im September.

Steht man davor, erscheint das Windrad Typ Vestas 136 vom Windpark Rote Steige immens. Das stellen auch die mehr als 200 Gäste der Inbetriebnahme fest. Die 149 Meter Nabenhöhe, 217 Meter Höhe und den Rotordurchmesser von 136 Metern kann man  auf den ersten Blick schier nicht erfassen.

Eingeladen auf die Lichtung bei Witzmannsweiler haben Gebhard Gentner von den Haller Stadtwerken als Geschäftsführer der 100-prozentigen Tochter Windpark Rote Steige GmbH und Franz Uhl, Geschäftsführer der Firma Uhl Windkraft aus Ellwangen. Ersterer betreibt zwei Anlagen bei Michelfeld-Witzmannsweiler, Zweiterer drei Anlagen jenseits der B 14 bei Bubenorbis.

Nur ein Mosaikstein

„45 Millionen Kilowattstunden werden diese fünf Anlagen jährlich erzeugen“, berichtet Stadtwerke-Geschäftsführer Ronald Pfitzer. Er vertritt den verhinderten Gentner. Immissionsschutzrechtlich genehmigt wurde der Windpark bereits im Jahr 2016. „Windkraft ist aber nur ein Mosaikstein im Gesamtunternehmen“, als Ziel habe man die vollständige Energieerzeugung aus regenerativen Quellen direkt vor Ort. Mit dem Windpark sei man bereits 2018/2019 bei prognostizierten 75 Prozent, so Pfitzer. Projektleiter Steffen Hofmann von den Stadtwerken berichtet von den „Küchentischgesprächen“ auf der Michelfelder Gemarkung mit Flächenpachtmodell.

Auf den Michelfelder Flächen mussten 82 Grundstückseigentümer befragt werden, über 90 Prozent hätten den Gestattungsvertrag unterzeichnet, so Hofmann. Das geplante sechste Windrad werde nun trotz der hohen Artenschutzauflagen gebaut und vo­raussichtlich bis September fertiggestellt. Auf Mainhardter Seite wurden die Windräder auf den Flächen des Forsts gebaut, dafür hatte die Firma Uhl den Zuschlag im Angebotsverfahren erhalten.

Franz Untersteller betont: „Der Windpark wird künftig klimaschädliche CO²-Emissionen in Höhe von rund 30.000 Tonnen pro Jahr einsparen.“ Man sei bereits mitten im Klimawandel und Windkraftanlagen seien ein wichtiges Element beim Klimaschutz. Jeder Beitrag zähle, spricht er sich für einen gleichmäßigen Ausbau in Deutschland aus – und damit gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz, welches den Ausbau der Windkraft in Süddeutschland ausbremse. Dadurch, dass an der Roten Steige die kommunal und regional verankerten Betreiber die mit dem Betrieb des Windparks einhergehende Wertschöpfung in der Region belassen, sei die Akzeptanz vor Ort hoch.

Frühzeitige Bekanntgabe

Es habe gegen den Windpark wenig Widerstand gegeben, bestätigen einvernehmlich sowohl die Projektbetreiber als auch die Bürgermeister Wolfgang Binnig (Michelfeld) und Damian Komor (Mainhardt) in ihren Reden. Das sei so gewesen, weil man als Gemeinden raumverträgliche Konzentrationszonen schaffen konnte und früh an die Öffentlichkeit herangetreten sei. Regionalität und Akzeptanz seien wichtig.

„Man spürt Ihren Feuereifer und Ihr Herzblut“, meint der Ellwanger Unternehmer Franz Uhl zum Minister. Es gebe kaum eine Steigerung der Unterstützung. Seine Firma habe seit 2017 25 Windkraftanlagen in Baden-Württemberg in Betrieb genommen.

Bei Sonnenschein und Musik vom Michelfelder Posaunenchor werden nun die Scheren gezückt und das rote Band wird durchschnitten. Über eine Metalltreppe gelangen die Gäste ins Innere der Anlage. Mehrere Minuten bräuchte der Aufzug an Stahlseilen, bis er oben wäre. Selbst im unteren Bereich spürt man noch das Schwanken des Bauwerks. Die Leiter wäre vermutlich auch nicht schneller. An diesem muss keiner zur Wartung nach oben.

Die Eckdaten der Windräder im Überblick

Der Windpark Rote Steige befindet sich entlang der B 14 zwischen Michelfeld und Bubenorbis (Gemeinde Mainhardt). Die fünf Anlagen vom Typ Vestas 136 werden über 45 Millionen Kilowattstunden Strom klimaneutral produzieren. Eine sechste Anlage geht vermutlich noch 2018 in Betrieb. Die mittlere Windgeschwindigkeit auf Nabenhöhe (149 Meter) liegt bei 6,7 Metern pro Sekunde, ab drei Metern pro Sekunde werde bereits Strom erzeugt. Volllastbetrieb ist bei elf Metern in der Sekunde. Jeder Standort braucht langfristig eine Fläche von circa 0,5 Hektar. Die Abstände zu den Wohnbebauungen betragen 750 Meter, teilweise auch mehr. may

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