Bühlertann Gänsehaut-Feeling: Musikverein rockt Bühlertann bei erstem Open-Air-Konzert im Weinbergstadion

Bühlertann / MICHAELA CHRIST 23.07.2014
1000 Open-Air-Besucher, 56 Musiker, sechs Sänger, drei Bands: Fünf Stunden packende Live-Musik im Weinbergstadion sorgen am Samstagabend für einen Ausnahmezustand in Bühlertann.

"Ich wart seit Wochen auf diesen Tag und tanz vor Freude über den Asphalt", erzählt Gerhard Stoll locker ins Mikrofon. Er ist Frontmann von Maddoxx und Sänger beim ersten Open-Air-Konzert des Musikvereins Bühlertann.

Stoll hat noch nicht zu Ende gesprochen, als rund 1000 Konzertbesucher vor der Bühne die Hände in die Höhe reißen. Sie jubeln, tanzen, hüpfen und singen a cappella weiter: "Als wär's ein Rythmus, als gäb's ein Lied, das mich immer weiter durch die Straßen zieht!"

Sie wissen was kommt, noch bevor das 56 Musiker starke Orchester den Kulthit "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen anspielt. Das Stadion kocht, die Stimmung brodelt. Und das seit Stunden.

Angefangen hat es wie ein Familien-Picknick. Nachdem um halb sieben die Tore aufgingen, schoben Mütter Kinderwägen ins Stadion und breiteten Decken auf dem Rasen aus. Kleine Jungs kickten einen Ball von einer Sportplatzhälfte zur anderen. Die aufgestellten Schrannen füllten sich zuerst. Vor der Essensausgabe bildeten sich Schlangen. "Wir haben keinen Babysitter gefunden. Alle sind hier. Spielen, schaffen oder wollen mit dabei sein", sagt Robert Schirle (26) während er mit seinem Sohn Fabian (1) zum melodischen Rock der Vorgruppe Maddoxx tanzt. Ab neun Uhr, wenn Schirle mit seiner Trompete selbst auf der Bühne Platz nimmt, geht Fabian in die Obhut seiner Mama über. "Vielleicht schläft er mir ja im Kinderwagen ein", hofft Nadja Schirle (27).

Der Musikverein beginnt mit dem Nu-Jazz-Hit "Let's go to work" von der Electro Deluxe Big Band und dem in Bühlertann bestens bekannten Sänger Jürgen Hirsch. Das Publikum formiert sich langsam vor der Bühne. Es folgt "Let me entertain you" von Robbie Williams alias Celine Häckh und Schorsch Reutter. Karina Maurer und Kevin Wagner singen "Rosanna" von der Band Toto. Der 80er-Jahre-Hit lockt jetzt auch das Publikum mittleren Alters vor die Bühne.

Typisch für den Abend bleibt der Familienevent-Charakter: In erster Reihe tanzt völlig ausgelassen Juniorchef Andreas Klotzbücher vom gleichnamigen Autohaus, dahinter nur minimal gediegener seine Eltern Theo und Else. Mit dem vierten Song "Ich atme ein, ich atme aus" mit Gerhard Stoll als Roger Cicero sind alle sechs Sänger vorgestellt, die sich im Verlauf des Abends gemeinsam in einen regelrechten Open-Air-Rausch singen.

Die Party auf der Bühne schwappt in die Menge über und umgekehrt. Man beklatscht sich gegenseitig und lässt sich feiern. "So etwas habe ich noch nie erlebt", schwärmt Sängerin Celine Häckh noch Stunden nach dem Hauptakt. Sie spricht von Gänsehaut-Feeling, wenn man oben auf der Bühne stehe und nicht auf ein stoisch sitzendes Publikum blicke, sondern auf eine singende, klatschende und tanzende Masse. Häckh wartet an der Bar auf ihre Sängerkollegen Schorsch Reutter und Joachim Odenwälder, die mit Decay den Ausklang auf der Bühne spielen. Am Stehtisch nebenan singt eine Gruppe Männer noch immer die Toten Hosen, in die jetzt Celine mit einstimmt: "In dieser Nacht der Nächte, die uns so viel verspricht. Erleben wir das Beste, kein Ende ist in Sicht!"

Darf man das wörtlich nehmen und auf eine Wiederholung im nächsten Jahr hoffen? "Kein Ende in Sicht!", singt ihr Vater und Vorstand des Musikvereins Bühlertann, Oliver Häckh, vielversprechend.

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