Tausch Futter für Leseratten

Das Bücherregal ist nicht nur bei den erwachsenen Michelbachern gefragt.
Das Bücherregal ist nicht nur bei den erwachsenen Michelbachern gefragt. © Foto: Ufuk Arslan
Michelbach / Von Sigrid Bauer 13.03.2018

Untermünkheim hat schon lange eins, auch in Vellberg und Obersontheim kommt es gut an: ein frei zugängliches Bücherregal mitten im Ort. „Ich fand die Idee schon immer gut, und als die Gemeinde in Michelbach eines aufstellen wollte, habe ich mich gemeldet, um bei der Betreuung mitzuhelfen“, berichtet Cornelia Schäfer. Sie lese selber sehr viel und gebe 90 Prozent ihrer Bücher an andere weiter.

„Das ist doch viel besser, als sie zu Hause verstauben zu lassen, und ist auch eine Art Upcycling“, meint sie. Es gebe eine rege Fluktuation. Wenn sie Bücher von sich ins Regal stelle, seien sie beim nächsten Mal schon wieder weg. „Sogar Kochbücher sind recht schnell vergriffen. Dann natürlich Romane und auch Kinderbücher sind sehr begehrt. Reiseführer gehen nicht so, wahrscheinlich weil sich die Leute im Internet informieren“, hat sie bemerkt.

Viel ausgemustert, viel Reserve

Die Gemeinde habe im Herbst einen Aufruf gestartet, Bücher für das Regal abzugeben. „Wir haben sie sortiert und zusammen mit dem Bauhof zum Regal transportiert“, berichtet Schäfer. Es seien viele zum Ausmustern dabei gewesen, alte Bücher aus den 50er- bis 80er-Jahren und alles, was in schlechtem Zustand war. Im Regal steht nur ein Teil davon. Der Rest ist als Reserve gedacht, falls sich das Regal mal leeren sollte.

Die Landfrauen waren neben dem Albverein die treibende Kraft für das öffentliche Bücherregal. „Als wir uns letztes Jahr im Verein mal wieder darüber unterhalten haben, hatte es Bürgermeister Werner Dörr schon in die Wege geleitet. Da war klar, dass ich mithelfen werde“, erzählt Christa Pfizenmaier von den Landfrauen. Eine feine Sache sei das Regal, meint sie. Wenn neue Bücher reingestellt werden, seien sie ratzfatz weg, besonders Kochbücher, hat sie beobachtet. „Das wird super angenommen und ist schon ein Selbstläufer. Wir brauchen gar nicht für Nachschub zu sorgen“, sagt sie.

Bücher wechseln ständig

„Ich kenne das von Untermünkheim, da gibt es so ein offenes Bücherregal schon seit zehn Jahren“, sagt Gertrud Glasbrenner, ebenfalls von den Michelbacher Landfrauen. Im Herbst hätten sich alle Ehrenamtlichen, die bei der Betreuung des Bücherregals mithelfen wollen, mit dem Bürgermeister getroffen, um sich zu besprechen. Sie sei alle zehn Wochen an der Reihe. „Aber ich schaue auch sonst immer hin, wenn ich vorbeikomme“, sagt sie. Auch ihr fällt auf, dass die Bücher ständig wechseln und beispielsweise Kinderbücher begehrt sind. „Einmal habe ich eine Tagesmutter angetroffen, die nach Büchern für sich und die Kinder gesucht hat“, berichtet sie.

„Wir haben für das Bücherregal aus der Bevölkerung sehr viele Buchspenden erhalten. Sehr erfreulich ist auch, dass sich genug Ehrenamtliche gemeldet haben. Sie halten das Regal ständig in einem ordentlichen Zustand und prüfen, dass keine ‚unzulässigen’ Bücher dort abgestellt werden“, so Bürgermeister Dörr.

Die Benutzerregeln sind einfach

Das Regal darf zu jeder Zeit genutzt werden. Man braucht nirgends einzutragen, was man entnommen hat. Jeder, der ein Buch nimmt, soll wieder eines ins Regal stellen, entweder dasselbe oder ein anderes lesenswertes Buch, damit immer genügend Bücher für alle da sind. Wer von zu Hause viele Bücher mitbringt, soll nur so viele abstellen, wie ins Regal passen.

Finanziert wurde das Bücherregal von der Bürgerstiftung Kind, Kultur und Sport. siba

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