Verbot Füttern von Wildenten und Schwänen verboten

Wildenten warten auf dem Grasbödele auf Fütterung. Das ist seit dem ersten April per Gesetz verboten. Bürgern droht eine Geldbuße bis zu 5000 Euro.
Wildenten warten auf dem Grasbödele auf Fütterung. Das ist seit dem ersten April per Gesetz verboten. Bürgern droht eine Geldbuße bis zu 5000 Euro. © Foto: thumi
Schwäbisch Hall / MARCUS HAAS 17.04.2015
Was vielen Tierfreunden Spaß macht, steht seit dem 1. April unter Strafe. Wer Wildenten, Wildgänse und Schwäne füttert, dem droht eine Geldbuße bis zu 5000 Euro - auch in den Haller Ackeranlagen.

Kein seltener Anblick: Eine Mutter füttert gemeinsam mit ihrem Kind Wildenten, Wildgänse und Tauben am Kocher. Sie werfen Brotstücke aufs Grasbödele, in den Kocher, freuen sich, wenn viele Vögel kommen und sich das Futter holen. "Jetzt hat die Landesregierung gesetzlich festgeschrieben, dass Wildenten, Wildgänse und Schwäne nur noch von jagdausübungsberechtigten Personen und nur dann gefüttert werden dürfen, wenn die untere Jagdbehörde wegen Futternot eine Fütterung anordnet", macht Josef Humm deutlich.

"Wir werden die Bevölkerung noch informieren"

Das bedeute, kein Brot mehr von Privatpersonen für Wasservögel. Der 65-Jährige ist im Vorstand der Haller Jägervereinigung und "will eigentlich nicht gegen das Gesetz sein", da das Füttern mit Brotresten nicht artgerecht sei. Das neue Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) in Baden-Württemberg habe aber praxisferne Regelungen und Einschränkungen, die Bürger unmittelbar betreffen würden. Darauf möchte der Haller mit diesem Beispiel aufmerksam machen. Die Neuregelung gelte landesweit auch für befriedete Bezirke wie Parks. Zudem beabsichtige die Regierung nicht, die Bürger über die gesetzlichen Neuerungen zu informieren.

"Wir werden die Bevölkerung noch über die neue Gesetzeslage informieren", widerspricht Reinhold Pix, der die Entwicklung des neuen JWMG von Anfang an begleitet hat. Es werde aber derzeit niemand, der diese Wildtiere füttere, eine Geldbuße von 5000 Euro zahlen müssen, sondern freundlich auf die neue Rechtslage hingewiesen. Diese Änderung sei einvernehmlich mit Landkreis- und Städtetag erzielt, von einer gesellschaftlichen Mehrheit so gewünscht worden. Der grüne Fachabgeordnete für Tierschutz und Tourismus im Landtag nennt unter anderem Tierseuchen wie Vogelgrippe, die durch Massenfütterungen befördert würden. Pix sieht die neue gesetzliche Regelung aber "nicht als Totalverbot, sondern flexibel". Wildenten hätten von seinen Enkeln auch schon etwas Brot bekommen. Die Haller Stadtverwaltung habe beispielsweise die Möglichkeit, eine Ausnahmeregelung zu erwirken. Dann werde die Situation vor Ort geprüft und eine solche erteilt. "Das Füttern von Wildvögeln war bisher kein Problem in Hall. Der Vollzugsdienst, der dies überwacht, musste noch nicht einschreiten. Wir haben darauf geachtet, dass nicht zu intensiv gefüttert wurde", sagt Robert Gruner, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Der Vollzugsdienst als Teil der Ordnungsbehörde überwachte nach Bedarf. Einen Zeitplan habe es dabei keinen gegeben.

Gruner nennt Paragraf 12 der Polizeiverordnung, wonach Tauben auf öffentlichen Straßen und Gehwegen sowie in Grün- und Erholungsanlagen nicht gefüttert werden dürfen. Für Wildenten, Wildgänse und Schwäne sei so etwas darin nicht verankert. Wenn nun im neuen Landesjagdgesetz weiterführende Regelungen enthalten sind, seien Vorschriften in der Polizeiordnung nichtig und es gelten diese neuen Regelungen im Jagdgesetz. Für den Vollzug sei die untere Jagdbehörde beim Landratsamt zuständig. Das bestätigt Werner Kochendörfer. Der Fachbereichsleiter beim Bau- und Umweltamt im Landratsamt nennt die entsprechenden neuen Stellen in den Paragrafen 33 (Fütterungsverbot) und 67 (Geldbuße bis zu 5000 Euro) im Gesetz. Es seien jedoch noch Hinweise des Minsteriums zur Anwendung des JWMG zu erwarten.



HT-Chefredakteur Marcus Haas findet, das Fütterungsverbot von Wildenten war überfällig. HT-Redakteur hält das Verbot für einen völlig überzogenen Eingriff des Staates.

Contra von HT-Chefredakteur Marcus Haas
Das Fütterungsverbot von Wildenten, Wildgänsen und Schwänen war überfällig. Diese Tiere kommen sehr gut ohne altes Brot und vergammelte Brötchenteile klar, finden genügend Nahrung, die besser für ihr Wohlbefinden ist, wie beispielsweise Wasserpflanzen. Der Anblick dieser Tiere am Kocher, die elegant nach Nahrung suchen, ist doch viel schöner als der Kampf in der geflügelten Masse, um ein Stück Brot. Aber die eigentlichen Folgen sind noch schlimmer. Durch das üppige Nahrungsangebot wächst die Population vor allem von solchen Arten, die eigentlich nicht hierher gehören, wie Nilgänse. Mögliche Folge: Verdrängung heimischer Arten. Zudem fressen die Wasservögel nicht alles. Das wiederum lockt Ratten an, lässt diese Population weiter wachsen. Auch die Tauben vermehren sich, denn die Ratten der Lüfte mischen sich im Kampf um Brotreste unter Wildente, Wildgänse und Schwäne. Die Verkotung nimmt zu, es stinkt und es wird insgesamt unappetitlich. Wer Tiere füttern möchte, kann doch einfach in den Streichelzoo, wenn er mag. Dort gehört das ja zum Konzept.

Pro von HT-Redakteur Tobias Würth
Kinder verscheuchen Tauben, jagen Katzen. Auch Ameisen und Kaninchen werden von kleinen Patschehändchen drangsaliert. Den Kleinen ist die Liebe zu Tieren nicht in die Wiege gelegt worden. Eltern können ein Lied davon singen. Doch wer einmal in die Augen der Kinder geblickt hat, die mit etwas Brot Enten am Kocher anlocken, sich liebevoll um die Tiere kümmern, der erkennt: So kann eine Beziehung zwischen Mensch und Tier entstehen. Nicht jeder hat die Möglichkeit und das Geld, sich eigene Haustiere zu halten. Die Befürchtung einer Überpopulation durch die Tierfütterung ist völlig aus der Luft gegriffen. Leben auf dem Kocher in Hall etwa zu viele Enten? Wohl kaum. Der Dreck wird vom dem regelmäßig auftretenden Hochwasser sowieso weggeschwemmt. Wohin sonst mit dem alten Brot? Es wegzuschmeißen widerspricht der Grundhaltung vieler Menschen. Nicht nur die Kinder, auch viele ältere Menschen erfreuen sich daran, die Tiere zu füttern. Das zu verbieten, ist ein völlig überzogener Eingriff des Staates in das alltägliche Leben der Menschen.