Kürzlich hat er seinen 72. Geburtstag gefeiert, jetzt plant er etwas Neues: Wolfgang Bauer, in Gaildorf lebender Musiker, Musiklehrer und -produzent, Klavierstimmer und nebenbei auch noch Rentner mit nicht nennenswerter Rente, hat ein Auge auf den Ulenhof in Hohenhardtsweiler geworden. Eine Künstler-Senioren-WG soll dort entstehen.

Die Gaststätte am Ortseingang in Richtung Oberrot war zuletzt ein italienisches Restaurant, steht aber seit drei Jahren leer. Weil zu der Anlage auch zehn Zimmer gehören, hat Bauer, der eigentlich nach einem Bauernhof suchte, sich mit dem Besitzer in Verbindung gesetzt, nachdem er eine entsprechende Anzeige in der Zeitung entdeckt hatte.

Jetzt tickt die Uhr. Bis Ende April hat Bauer Zeit, genügend Leute für sein Projekt Ulenhof zu finden, dann wird sich das Zeitfenster wieder schließen. Sechs verbindliche Zusagen brauche er, um die Sache ernsthaft angehen zu können, erklärt Bauer. Es gehe um Leute, die mindestens 50 Jahre als sind und einen Schnitt machen und wie er etwas Neues anfangen wollen.

Die Altersvorgabe sei bewusst gewählt: mit 50 Jahren und darüber könne man schon mal ins Grübeln kommen, findet Bauer – und finden auch andere. Zu einem ersten Besichtigungstermin Ende Januar kamen 15 Personen, vor allem aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis nach Hohenhardtsweiler: Musiker, bildende Künstler, Kunsthandwerker und sogar ein Magier. Die Meisten reisten aus dem Großraum Heilbronn an, einer auch aus Mosbach, erzählt Bauer. Sie waren vor allem über die sozialen Medien auf seine Idee aufmerksam geworden; mit vielen hat er bereits zusammengearbeitet.

Allerdings gab es nur eine potenzielle Zusage. Andere, so Bauer, seien zwar grundsätzlich interessiert, könnten sich aber in der doch relativ kurzen Zeit nicht aus ihren Verpflichtungen lösen. Also sucht er weiter, verschickt Fragebogen und plant den nächsten Besichtigungstermin: Am 23. Februar kann man sich auf dem Ulenhof umschauen. Die zehn Zimmer sind sämtlich mit Bad, sechs davon auch mit einer Küche ausgestattet. Hinzu kommen eine professionell eingerichtete Gastronomieküche, Gasträume, die als Probenräume, Ateliers oder auch für Veranstaltungen genutzt werden könnten.

Welche Organisationsstruktur das Projekt Ulenhof haben wird, ist offen. Einen Koch und Betreuungspersonal hätte Bauer an der Hand – falls es Bedarf dafür geben sollte. Er selbst würde sich vor allem  ums Programm kümmern wollen, sagt er, ein Mal im Monat ein „Event“ organisieren, an dem auch seine Seniorenbands mitwirken könnten.

Sie sind eines seiner Standbeine. 2017 hat Bauer die Musikschule „Jetzt geht’s los“ für Senioren und andere Erwachsene in Schwäbisch Hall gegründet. Mittlerweile gibt es ein „Dienstags- und ein Mittwochsorchester“ mit jeweils zehn Mitgliedern. Bauer  – „als Klavierstimmer kommt man hin zu den Leuten“ – ist ein guter Motivator. Geprobt wird im Heim Schöneck. „Viele Bewohner kommen vorbei und hören uns zu“.

Was von Aisleng übrigbleibt

Die Band, durch die Bauer in den letzten Jahrzehnten bekannt geworden ist, hat er 2018 aufgelöst. „Aisleng“ war Kult, sei als Irish-FolkBand aber halt auch eine Nischenformation geblieben, sagt Bauer. Der Aufwand sei auf Dauer einfach zu groß gewesen (wir haben berichtet). Das Aisleng-Equipment aber ist geblieben: Bauer würde es fürs Projekt Ulenhof zur Verfügung stellen.

Info Der Ulenhof kann am Samstag, 23. Februar, besichtigt werden. Bauer bittet vorab um Anmeldung per E-Mail: kontakt@jetztgehtslos.info

Terminkalender seit 1969 lückenlos


Rückblick „The Blue Jeans“ hieß die erste Band, die der musikalische Autodidakt Wolfgang Bauer 1966 gegründet hat. Bekannt wurde er aber vor allem durch die „Crazy Five“, Begleitband der Schlagerheroen Michael Schanze und Christian Anders. 1984 begleitete er Florian Haidt bei einem Auftritt in der ZDF-Hitparade auf dem Flügel. Jetzt schreibt er an seiner Autobiographie und freut sich, dass er all seine Terminkalender seit 1969 aufgehoben hat – lückenlos.

Produktiv Mehr als 1400 Titel hat Bauer geschrieben und 53 CDs produziert, darunter allein zehn mit Aisleng und drei im Duo „Take Two“, mit dem Langenburger Musiker Klaus Franz. Hinzu kommen zahlreiche Aufnahmen mit Entspannungsmusik, die therapeutisch verwendet werden, beispielsweise in Aufwachräumen und in der Schmerztherapie. Die einstige Fluggesellschaft Swissair hat Bauers Kompositionen bei Passagieren mit Flugangst eingesetzt. rif