Kalkulation Für viele Haller sinkt die Abwassergebühr

Starker regen an der Bushaltestelle im Hagenbacher Ring gegenüber der Gewerblichen Schule. Die Schüler schützen sich mit Kapuzen gegen das Nass. Die Natur atmet auf, doch für bei der Beseitigung des Regenwassers entstehen Kosten.
Starker regen an der Bushaltestelle im Hagenbacher Ring gegenüber der Gewerblichen Schule. Die Schüler schützen sich mit Kapuzen gegen das Nass. Die Natur atmet auf, doch für bei der Beseitigung des Regenwassers entstehen Kosten. © Foto: dd
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 04.12.2018
Pro Kubikmeter Schmutzwasser werden sieben Cent weniger erhoben. Die Niederschlagswassergebühr steigt um 2 Cent pro Quadratmeter Fläche.

Jeden Tag verbraucht ein Schwäbisch Haller Bürger rund 121 Liter Wasser. Etwa zehn Liter rauschen allein bei jeder Klospülung das Rohr hinunter. Rechnet man den Verbrauch eines vierköpfigen Haushaltes pro Jahr aus, kommt man auf 176 Kubikmeter. Mit diesem Frischwasserverbrauch wird die Abwassergebühr berechnet. 1,87 Euro kostet es in Schwäbisch Hall, 1000 Liter Wasser in Richtung Kläranlage zu schicken.

Ab 1. Januar 2019 werden die Abwassergebühren geändert. Dem stimmten alle Stadträte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung zu.

Zehn Euro Ersparnis pro Jahr

Wie wirkt sich das auf den Geldbeutel eines Hallers aus?  „Für einen Privathaushalt wird es günstiger“, rechnet Reinhard Häberlein den Stadträten vor. Er ist Leiter des städtischen Eigenbetriebs Abwasser. Für 176 Kubikmeter Schmutzwasser in der Beispielrechnung müssen nicht mehr 329,12 Euro, sondern nur noch 316,80 Euro bezahlt werden. Also spart man 12,32 im Jahr. Die Gebühr wird von 1,87 Euro pro Kubikmeter auf 1,80 Euro reduziert. Aufs Abwasser wird dabei keine Mehrwertsteuer erhoben. Allerdings setzt sich die Abwassergebühr noch aus einer weiteren Komponente zusammen. Das Regenwasser, das auf Dächer oder auf asphaltierte Parkplätze fällt, wird seit acht Jahren gesondert abgerechnet.

Geht man in diesem Fall davon aus, dass die Familie im Eigenheim lebt, das samt Dach und Zufahrt eine versiegelte Fläche von rund 100 Quadratmetern vorweist, könnte die Beispielrechnung so aussehen: Die Kosten fürs Schmutzwasser erhöhen sich von 0,43 Euro um 2 Cent auf 0,45 Euro  pro Quadratmeter. Die Familie bezahlt pro Jahr also 45 statt 43 Euro. Zusammen mit dem Schmutzwasser bleibt immerhin noch eine Ersparnis von rund 10 Euro.

„Für  große Dächer und Parkplätze von Discountern oder bei großen Firmen fällt die Niederschlagswassergebühr stärker ins Gewicht“, klärt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim im Gemeinderat auf. Doch auch diese könnten durch eine geschickte Bauplanung Kosten vermeiden, berichtet Häberlein auf Nachfrage. Viele Firmenchefs und auch Landwirte leiten das Wasser von den Dächern auf die Grundstücke ab. Gelingt das vollständig, bezahlen sie gar keine Niederschlagswasssergebühr. Allerdings ist das manchmal nur schwer möglich, da nicht überall Freiflächen zur Verfügung stehen. „Ganz gerecht kann das System nie sein“, meint Häberlein dazu.

Komplizierte Rechnung

Doch warum steigt die eine Gebühr, während die andere sinkt? Die Kalkulationen dafür sind so komplex, dass der Schwäbisch Haller Eigenbetrieb ein externes Büro damit beauftragt. Grob gesagt: Die Kosten für die Abwasserbeseitigung sollen auf lange Sicht von den Gebühren gedeckt, aber nicht überstiegen werden. Da die Leitungen für das Regenwasser ausgebaut werden, fallen dafür derzeit mehr Kosten an. Als Grund für das Sinken der Schmutzwassergebühr macht OB Pelgrim einen Masseneffekt geltend. Durch immer mehr Einwohner wird die Entsorgung des Dreckwassers in der Kläranlage für den Einzelnen günstiger.  Pelgrim: „Das ist eine positive Nachricht aus Sicht der Bürger.“

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