Ausstellung Für gehobene Puppenansprüche

Die leidenschaftliche Sammlerin Roselinde Wahl erfüllt sich mit einem eigenen Puppenstubenmuseum in Ilshofen einen lange gehegten Traum. Bevor zum Ostermarkt die ersten Besucher kommen können, gibt es noch viel zu tun.
Die leidenschaftliche Sammlerin Roselinde Wahl erfüllt sich mit einem eigenen Puppenstubenmuseum in Ilshofen einen lange gehegten Traum. Bevor zum Ostermarkt die ersten Besucher kommen können, gibt es noch viel zu tun. © Foto: Beatrice Schnelle
Beatrice Schnelle 13.01.2018

An vielen Schaufenstern in Ilshofen drücken sich rund um die Weihnachtszeit zahlreiche große und kleine Passanten die Nasen platt. Schuld ist der Puppenstuben-Rundweg durch die Stadt. In dieser Saison präsentierte die Sammlerin Rosalinde Wahl bereits zum dritten Mal mehrere Wochen lang ihre kleinen Lebenswelten zwischen Back- und Wurstwaren, Frisurenfotos und Versicherungsangeboten, in Anwaltskanzleien und anderem, für Spielzeug eher untypischem Ambiente. Sogar Privatleute stellten günstig gelegene Fensterfronten für die Ausstellung zur Verfügung. Weitere Stationen auf dem Weg: das Pflegestift und das Rathaus.

Wie sehenswert die Exponate sind, hat sich dank eines Beitrags im Radio landesweit herumgesprochen. „Als das Radioteam hier war, standen gerade zwei Damen vor dem Miniatur-Weihnachtsmarkt in meinem Schaufenster und schwärmten ins Mikrofon“, erzählt Wahl. Eine der beiden sei sogar zum wiederholten Mal da gewesen, weil sie den Rundweg allen ihren Freundinnen habe zeigen wollen. Der begeisterte Rundfunkbericht veranlasste folgerichtig eine Menge Puppenstuben-Touristen zum Ausflug ins beschauliche Ilshofen, wie die teilnehmenden Aussteller vermelden.

Das Schaufenster, in dem der weihnachtliche Markt zu sehen war, gehört zum Gebäude Torstraße 12. Hier, in zentraler Lage bei Kirche und Marktplatz, wird sich Roselinde Wahl einen Traum erfüllen: „Ich habe mir lange ein richtiges Puppenstubenmuseum gewünscht und dieses Museum sollte in Ilshofen sein“, bekennt die Wahl-Ilshofenerin, die seit Jahren engagiert an den wechselnden Ausstellungen des örtlichen Kulturvereins im „Kulturm“ mitarbeitet. Wie das für ihre Zwecke perfekt geeignete Haus und seine neue Besitzerin zusammenfanden, fällt unter die Rubrik „glückliche Fügung“.

Eigentlich habe sie beim vorherigen Eigentümer nur wegen der Anmietung von Lagerräumen für ihre umfangreiche Puppenstuben-Sammlung nachfragen wollen und dabei erfahren, dass der Verkauf der Immobilie geplant sei. Wahl erkannte den Wink des Schicksals und griff mit Unterstützung eines Familienmitglieds zu. In diesen Tagen zieht die 60-Jährige mit Sack und Pack sowie ihrer Praxis für mediale Beratung dort ein.

Winzige Details

Aquarien, Fahrräder, Dekoartikel und zuletzt Tee wurden in dem zugehörigen Ladengeschäft im Lauf der Jahre bereits verkauft. Trotz der für den Publikumsverkehr günstigen Lage gaben die Einzelhändler alle auf. Jetzt wächst in dem sehr hohen, hellen Raum der Wunsch der Ilshofener Gemeinderätin und Lebensberaterin langsam aber sicher zur Wirklichkeit heran. Die großzügige Dimension des künftigen Museumsraums erklärt sich durch die ehemalige Nutzung als Farrenstall, also als Unterkunft für geschlechtsreife, männliche Rinder. Der Stall war bis in die 90er-Jahre eine Liegenschaft der Stadt Ilshofen und wurde nach dem Umbau zum Wohn- und Geschäftshaus erst vermietet, dann an Privatleute verkauft.

In Regalwänden, Vitrinen und antiken Schränken ist schon zu erkennen, wie es im offiziell so benannten „Puppenstubenmuseum Ilshofen“ bald aussehen wird. Puppenküchen aus vergangener Zeit, Wohnstuben, Kaufmannsläden, eine Waschküche, Auto- und Schuhmacherwerkstatt sind schon aufgebaut.

Jede einzelne der ausgestellten Stuben zeigt viele winzige Details der Innenarchitektur für gehobene Puppenansprüche. Neben den kunstvollen Ensembles finden Kleinausgaben historischer Nähmaschinen Platz, ebenso Puppengeschirr und tausend andere Gegenstände, die noch sortiert werden wollen. Ganz wichtig: „Die Ausstellung wird immer wieder verändert, damit sich der Besuch immer wieder aufs Neue lohnt.“

Info Zum Ostermarkt am Palmsonntag wird das jüngste Museum von Ilshofen voraussichtlich erstmals seine großen und kleinen Türen für das Publikum öffnen. Feste Öffnungszeiten führt die Inhaberin vorerst nicht ein. Aber auf Anfrage kommt man in das Miniaturparadies hinein.

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