Zeltlager in Oberspeltach Für eine Woche Eltern von 60 Kindern

Für Brigitte und Dieter Würtemberger aus Gründelhardt ist die Woche Zeltlager im Sommer wie ein Aktivurlaub.
Für Brigitte und Dieter Würtemberger aus Gründelhardt ist die Woche Zeltlager im Sommer wie ein Aktivurlaub. © Foto: Christine Hofmann
Frankenhardt / Christine Hofmann 14.08.2018
Seit vielen Jahren leiten Brigitte und Dieter Würtemberger das Zeltlager des SV Gründelhardt-Oberspeltach. Jetzt wollen die beiden Frankenhardter in die zweite Reihe zurücktreten.

Wenn Dieter Würtemberger sagt: „Das Zeltlager dauert zwar nur eine Woche, aber eigentlich begleitet es einen das ganze Jahr“, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Kaum ist die Lagerwoche um, da geht schon die Suche nach einem Platz fürs nächste Jahr los. Da werden im Laufe des Jahres Brennholz, Materialen und Ideen gesammelt, Listen geschrieben und – je näher der Termin rückt – eine große Organisationswelle losgetreten.

Genau genommen begleitet den 60-Jährigen das Zeltlager des  SV Gründelhardt-Oberspeltach schon seit seiner Jugendzeit. „Ich war 14 oder 15 Jahre alt, als ich das erste Mal dabei war“, erinnert sich der gelernte Kfz-Mechaniker, der inzwischen als Prüfingenieur arbeitet. Schon während der ersten Zeltlagerwoche hat ihn die Begeisterung für das Lagerleben gepackt – und bis heute nicht mehr losgelassen.

Würtemberger wurde Jugendbetreuer, dann Betreuer und übernahm 2006 schließlich zusammen mit seiner Ehefrau Brigitte die Lagerleitung. Das Zeltlager wird seither im Kinderferienprogramm der Gemeinde Frankenhardt angeboten. „Es gab nur wenige Jahre, in denen ich nicht dabei sein konnte“, blickt er zurück.

Brigitte Würtemberger nickt zustimmend. „Das Zeltlager gehört einfach dazu – schon immer.“ Die beiden Frankenhardter genießen es, eine Woche im Jahr Eltern von rund 60 Kindern zu sein. „Das ist natürlich auch eine große Verantwortung“, sagt die 59-Jährige. „Aber es macht vor allem viel Spaß.“ Die eigenen Kinder, die inzwischen erwachsen sind, sind von klein auf mit im Zeltlager gewesen und haben die Zeit ebenfalls genossen.

Familie Würtemberger hat einige Rituale eingeführt, ohne die sie sich das Zeltlager gar nicht vorstellen könnte. „Am ersten Abend gibt es eine Begrüßungsrunde am Lagerfeuer, es gibt eine Tages- und eine Nachtwanderung, eine Lagerolympiade, es werden Hähnchen gegrillt  und dann wird jedes Jahr ein T-Shirt besprüht. Ich habe alle T-Shirts aufgehoben – das ist inzwischen ein ganz schöner Stapel“, erzählt Dieter Würtemberger.

Gekräht wird nicht mehr

Auch das morgendliche Wecken ist ritualisiert: Es wird eine Kuhglocke aus dem Allgäu geschlagen. „Früher habe ich mich morgens auf den Zeltplatz gestellt und gekräht wie ein Gockel. Das mache ich heute nicht mehr – da bin ich zu schnell heiser.“

Zwischen den Aktivitäten gibt es Zeit, die die Kinder selbst füllen können. „Die Kinder sind heute das ganze Jahr über gefordert, in der Schule und in der Freizeit. Im Zeltlager sollen sie einfach mal machen, worauf sie Lust haben: Karten spielen hinterm Zelt, balancieren auf der Slackline oder einfach chillen am See“, sagt Dieter Württemberger. „Sie haben hier Freiheiten, die sie zu Hause nicht haben. Das genießen sie.“

Den Lagereltern ist es auch wichtig, den Kindern in der Woche, die sie gemeinsam in der freien Natur verbringen, lebenspraktische Dinge mitzugeben: Feuer machen, Holz schnitzen, auf Bäume klettern oder sich mal so richtig dreckig machen. Auch das Miteinander in einer großen Gruppe ist eine wertvolle Erfahrung.

Nach zwölf Jahren als Leitung geben Brigitte und Dieter Würtemberger nun die Verantwortung ab. „Wir haben zurzeit ein engagiertes Betreuerteam, da findet sich sicher jemand, der die Leitung übernimmt“, sind die beiden überzeugt. Gern fahren sie im nächsten Jahr als Betreuer mit. „Ich freue mich darauf, dann mehr Zeit für die Kinder zu haben“, sagt der 60-Jährige. Brigitte Würtemberger, die im Lager für die Verpflegung zuständig ist, kann sich den Sommer auch nicht ohne Zeltlager vorstellen: „ Obwohl es viel zu tun gibt, erhole ich mich. Das ist Aktivurlaub.“

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