Schwäbisch Hall Fünf Meister des Klaren Tons

Schwäbisch Hall / MONIKA EVERLING 20.11.2014
Senza Vibrato - ohne Vibrato - das ist das Klangideal des Calmus-Ensembles. Die fünf Sänger erzeugen gerade, dennoch tragende, wohlklingende Töne und ungeheuer reine

Akkorde. Die Zuhörer sind hingerissen.

Das Calmus-Ensemble singt in ungewöhnlicher Besetzung: Eine Sopranistin (Anja Pöche, früher bekannt als Anja Lipfert) und vier Männer (Sebastian Krause, Countertenor; Tobias Pöche, Tenor; Ludwig Böhme, Bariton; Joe Roesler, Bass). Damit hat es ein eigenes, unverwechselbares Klangbild - und dieses hat viele Bewunderer.

So ist die Arche, der Konzertsaal in der Haller Behinderteneinrichtung Sonnenhof, mit rund 280 Besuchern am Sonntagabend voll besetzt. Viele von ihnen hören das Calmus-Ensemble zum wiederholten Male live: Die Leipziger sind zum fünften Mal in Hall. Da sind die Erwartungen hoch, und sie werden nicht enttäuscht.

Im Programm stehen diesmal gleich vier Werke Neuer Musik, zum Teil wurden sie dem Calmus-Ensemble quasi auf den Leib geschrieben. So startet das Ensemble mit einer komplexen, für Sänger und Zuhörer anspruchsvollen Komposition in den Abend: Der 104. Psalm "Lobe den Herrn!", vertont von Wolfram Buchenberg (geb. 1962). Er schrieb das ausgreifende Stück zum zehnjährigen Bestehen des Calmus-Ensembles, und das war vor fünf Jahren. Es deutet den Text sensibel aus. Dafür enthält es viele Akkorde mit Reibungen - in denen man gut hört, wie sauber, mit welcher Genauigkeit die Sänger die Töne treffen.

Diese Eigenschaft macht sich natürlich auch bemerkbar bei schlichten Dur- und Moll-Akkorden. Sie klingen, vom Calmus-Ensemble gesungen, wie ein sehr gut eingerichtetes Orgelregister. So zum Beispiel beim mächtigen "Amen" zum Schluss des 23. Psalms "Der Herr ist mein Hirte" in der Vertonung von Wilhelm Weismann (1900-1980). Dieses Werk beschließt, nach Sätzen von Schütz und Bach, den "ernsten" Teil des Konzertes.

Denn traditionell bietet das Calmus-Ensemble nach der Pause leichte Muse. Das gilt nur zum Teil für die "Walpurgisnacht" von Harald Banter (geboren 1930), ein Stück Programmmusik, das für Calmus geschrieben und erst vor einem Jahr uraufgeführt wurde. Es ist eine sinfonische Dichtung für Stimmen, ein Stück Musik der Moderne, dabei heiter und unterhaltend.

Dann kommen echte Schlager: ein paar Sätze von den Comedian Harmonists und "Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt". Dass man selbst letzteres Stück mit großem Genuss hört, zeigt noch einmal auf neue Weise die überragende musikalische Qualität des Calmus-Ensembles.

Schließlich eine witzige Persiflage: "Mozärtliches" von Fredo Jung (geboren 1949) bettet "Schneewittchen" in bekannte Melodien. So singt die Königin beim eitlen Blick in den Spiegel: "Dies Bildnis ist bezaubernd schön", und Schneewittchen singt: "Die Königstochter bin ich ja". Dazu setzen sich die Calmus-Mitglieder Krönchen oder auch Zwergenmützen auf - ein köstlicher Spaß. Das begeisterte Publikum erklatscht sich zwei Zugaben.

Ehrung für Rudolf Heller

Gründer Rudolf Heller hat vor 26 Jahren die Konzerte im Sonnenhof ins Leben gerufen. Er hatte Mitstreiter, hatte aber selbst die meiste Zeit die Fäden in der Hand. Erst vor wenigen Jahren gab er nach und nach die Hauptarbeit zuerst an seine Frau Cecilia Heller, dann an andere Vorstandsmitglieder des Förderkreises Konzerte im Sonnenhof ab. Aktuell ist Lahnor Adjei der künstlerische, Heinz Schüle der kaufmännische Leiter.

Auszeichnung In Würdigung seiner Verdienste um die Konzertreihe hat der Förderkreis Rudolf Heller nun die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Er ist damit erstes Ehrenmitglied des Vereins. Damit verbunden sei der freie Eintritt in die Konzerte, sagt der frühere Sonnenhof-Leiter Ernst-Ulrich Schüle bei der Übergabe der Ehrenurkunde. Viele im Publikum lachen - sie wissen, dass Heller nicht nur eifriger Macher ist, sondern auch großzügiger Spender. Unter anderem kredenzt seine Firma Hohenloher Fruchtsäfte allen Gästen in den Konzertpausen Getränke.

EVL

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