Engagement Arbeit im Freundeskreis Asyl hat sich verändert

Kurz vor Weihnachten 2016: Hajrija Rustemova und ihr Freund Thusyianthan Nagasara werden bald Eltern und haben nach langer Suche eine Wohnung gefunden. Florentina Götz vom Freundeskreis Asyl in Hall den beiden dabei geholfen. Ende Januar 2017 brachte Hajrija Rustemova ein kleines Mädchen zur Welt. Die Eltern nannten es Florentina – bald feiert sie ihren ersten Geburtstag.
Kurz vor Weihnachten 2016: Hajrija Rustemova und ihr Freund Thusyianthan Nagasara werden bald Eltern und haben nach langer Suche eine Wohnung gefunden. Florentina Götz vom Freundeskreis Asyl in Hall den beiden dabei geholfen. Ende Januar 2017 brachte Hajrija Rustemova ein kleines Mädchen zur Welt. Die Eltern nannten es Florentina – bald feiert sie ihren ersten Geburtstag. © Foto: Archivfoto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Beatrice Schnelle 11.01.2018
Die freiwilligen Helferinnen und Helfer des Freundeskreises Asyl Schwäbisch Hall ziehen eine Bilanz der vergangenen zweieinhalb Jahre. Das neueste Projekt heißt „Brückenbauer“.

Seit Sommer 2015 habe sich die Arbeit des Freundeskreises Asyl „grundlegend verändert“, sagt Hanna Hald. „Uns hat die große Zahl der Menschen beschäftigt, die unter veränderten Rahmenbedingungen zu uns gekommen sind.“ Vorher habe man um jeden einzelnen Geflüchteten kämpfen müssen. Die Syrer und teilweise auch die Iraker der großen Flüchtlingswelle seien dagegen relativ rasch anerkannt worden. „Privilegierte Flüchtlinge“ nennt Hald jene, die Deutschland noch zu Zeiten der Willkommenskultur erreichten.

Die bevorzugte Behandlung habe Früchte getragen: „Sehr viele dieser Menschen sprechen inzwischen gut Deutsch und haben beruflich schon die ersten Schritte gemacht.“ Sie würde sich wünschen, alle Flüchtlinge erhielten ein schnelles, positives Verfahren, damit sie ihren weiteren Weg planen könnten.

Die Resümees aus der Runde der aktiven Familienbetreuer haben einen gemeinsamen Nenner: Viel Frust erleben die Freundeskreismitglieder, aber ebenso viel Freude und echte Glücksmomente. Was man beim Treffen im Haus der Bildung gleich live erleben kann. „F. hat heute ihre Anerkennung erhalten“, verkündet eine Dame und kurz herrscht Jubel im Raum. „M. ist leider abgelehnt worden“, muss eine ihrer Kolleginnen berichten, woraufhin alle den Kopf hängen lassen.

 „Papier, Papier, Papier“ dominiere das Leben der Helfer, wie einige von ihnen beklagen. Selbst als Deutsche hätten sie Schwierigkeiten beim Ausfüllen der zahllosen Antragsdokumente. Das Jobcenter habe einmal einen Formular-Kurs für Flüchtlingshelfer angeboten, erzählt Peter Aichelin: „Das war wirklich der Gipfel. Warum schreiben sie die Formulare nicht gleich verständlich?“ Ulrike Seitz sieht dagegen gute Ansätze bei den Arbeitsvermittlern: „Sie sind inzwischen sehr bemüht, persönlichen Kontakt zu schaffen. Die Flüchtlinge haben einen festen Ansprechpartner, das gab es bisher nicht.“

 Im Aufbau befindet sich derzeit das Projekt „Brückenbauer“: Flüchtlinge mit guten Deutschkenntnissen sollen künftig von Ämtern gegen eine Aufwandsentschädigung als Dolmetscher für ihre Landsleute angefordert werden können. Bei der Umsetzung hofft der Freundeskreis auf  kontinuierliche Unterstützung seitens der Stadt.

 Ein weiteres drängendes Thema ist die Wohnungssuche, die sich in Schwäbisch Hall immer schwieriger gestalte. Der Markt sei „leergefegt“. Eine Helferin berichtet von Vermietern, die ihre Wohnung ausdrücklich lieber leer stehen lassen, als sie an eine Flüchtlingsfamilie zu vermieten. Zudem hätten sich die Mietpreise längst weit von der anerkannten Höchstsumme für Flüchtlinge „wegentwickelt“.  Die kleinen Einzelunterkünfte im Stadtbereich würden dieser Tage sukzessive geschlossen. „Da entsteht eine Zentralisierung, die wir nicht so positiv sehen“, erklärt Aichelin. Die ausgebauten, vorläufigen Sammelunterkünfte in der Schmollerstraße und der Weidenhalde seien für die Helfer dafür einfacher erreichbar, meint Hartmut Siebert.

 Dass die Arbeit nicht immer von Erfolg gekrönt ist, gehöre dazu: „Es gibt eine ganze Reihe geflüchteter Menschen, die sich nicht integrieren können und die wir trotzdem mögen“, stellt Hans Graef fest, „aber wir bohren eben ein dickes Brett, durch das wir kaum je ganz durchkommen.“

 Einhelliges Unverständnis zeigen die Freundeskreis-Mitglieder gegenüber den jüngsten Abschiebungen aus Schwäbisch Hall: Eine gelernte Krankenschwester, die bereits im Diak gearbeitet hatte, und junge Männer, die sich bereits in einer Ausbildung bewährt hatten, mussten Deutschland wieder verlassen. „Wir brauchen diese jungen Leute, vor allem im Handwerk gehen die weg wie warme Semmeln“, malt Aichelin ein drastisches Bild. Denen, die sich nachweislich bemühten, dürfe der Staat keine Steine in den Weg legen. Den „anderen“ müsse dagegen klare Kante gezeigt werden.

Hilfe bei der Integration ist willkommen

Seit 30 Jahren engagiert sich der Freundeskreis Asyl für Flüchtlinge, die in Schwäbisch Hall untergebracht sind. Den Neuankömmlingen soll die Integration in ihre neue Heimat durch die Hilfe erleichtert werden. Zu den festen Angeboten gehören die Kleiderkammer und die Fahrradwerkstatt in der Alten Spinnerei, Sprachkurse sowie verschiedene Café- und Teestuben. Weitere freiwillige Helfer sind willkommen. Alle Ansprechpartner findet man unter www.freundeskreis-asyl-sha.de

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