Sicherheit Früherer Haller Polizeichef mit Mission in Nahost

Sicherheitsexperte mit Auslandserfahrung: Günther Freisleben, der frühere Haller Polizeichef, arbeitet jetzt im Gazastreifen.
Sicherheitsexperte mit Auslandserfahrung: Günther Freisleben, der frühere Haller Polizeichef, arbeitet jetzt im Gazastreifen. © Foto: dpa/Uli Deck
Karlsruhe/Rafah / swp/blo 03.01.2018
Der Karlsruher Polizeipräsident Günther Freisleben nimmt eine neue Herausforderung im Gazastreifen an. Dort leitet der 60-Jährige die EU-Mission Eubam.

Dreieinhalb Jahre lang war Günther Freisleben Präsident des, nach der Reform, größten Polizeipräsidiums im Land. Nun hat der Bühlerzeller seinen Arbeitsplatz von Karlsruhe nach Rafah, der palästinensischen Grenzstadt zu Ägypten im Gazastreifen verlegt. Seit wenigen Tagen ist Freisleben, der am 11. Januar 61 Jahre alt wird, offiziell „Head of mission“, Leiter einer EU-Mission mit dem sperrigen Namen „European Border Assistance Mission“ (Eubam), einer europäischen Grenzunterstützungs-Mission, berichtet die Stuttgarter Zeitung.

Der Karlsruher Polizeipräsident ist in Hohenlohe gut bekannt: 1976 trat er den Polizeidienst an. Von 1995 an arbeitete er für die Polizeidirektion Schwäbisch Hall, die er von 2006 an leitete. Zwischenzeitlich arbeitete er im Innenministerium und wurde 2001 Leiter der Außenstelle der Akademie der Polizei in Wertheim. Auch anderweitig hat sich der Vater dreier erwachsener Kinder engagiert: Er war Vorsitzender des Haller CDU-Stadtverbands, und 2009 kandidierte er für das Amt des Oberbürgermeisters in Crailsheim, wo er im zweiten Wahlgang Rudolf Michl unterlag.

Mit Einsätzen im Ausland kennt sich Freisleben aus. Er ist in seinem Leben schon viel in der Welt herumgekommen, war im europäischen Ausland, in Südamerika, in Afrika und in Kirgisien in Asien. Seit 2012 war Freisleben – von der Landespolizei Baden-Württemberg dem Bundespolizeipräsidium zugewiesen – führender Teil der europäischen Friedensmission Eulex im Kosovo. Dort kommt es zwischen den Volksgruppen der Serben und Kosovaren immer wieder zu Spannungen und offenen Konflikten. „Ohne die Friedensmission würden die Auseinandersetzungen wieder aufflammen“, erzählte Freisleben einst.

Seine Entscheidung für Rafah, der nach Gaza zweitgrößten Stadt des palästinensischen Siedlungsgebiets an der östlichen Mittelmeerküste, wurde laut Stuttgarter Zeitung offenbar kurzfristig getroffen. Offiziell endet Freislebens Dienstzeit Ende Juli 2018. Der 60-Jährige wertet seine Berufung als „eine große Herausforderung“. Die Eubam, so die Abkürzung der Grenzmission, soll sicherstellen, dass die palästinensisch-ägyptische Grenze „einigermaßen sicher ist“ – vor allem, dass der Grenzübergang „internationalen Standards entspreche“. Offizieller Dienstsitz für Freisleben ist die etwa 100 Kilometer nördlich gelegene israelische Stadt Tel Aviv, sein Arbeitsort ist die Stadt Rafah.

Entwicklung macht Hoffnung

Keine einfache Aufgabe liegt vor dem Sicherheitsexperten. Denn zuletzt lag die Mission wegen diverser Spannungen auf Eis. Zudem dürfte die jüngste Entscheidung der US-Regierung zur Anerkennung Jerusalems als künftiger Hauptstadt Israels die Situation nicht gerade leichter machen. Da scheine ein „Auslands-Haudegen wie Freisleben gerade rechtzukommen“, schreibt die Pforzheimer Zeitung.

Er könne derzeit nicht voraussagen, was ihn vor Ort erwarte, sagte der 60-Jährige vor seiner Abreise der Stuttgarter Zeitung. Hoffnung mache ihm aber immerhin das aktuelle Versöhnungsabkommen zwischen der radakalislamischen Palästinenserorganisation Hamas und der gemäßigten Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Das aktuell beschlossene Mandat der EU-Mission Eubam läuft bis 30. Juni 2018.

Freislebens Nachfolge in Karls­ruhe soll mit einer baldigen Neuausschreibung der Präsidentenstelle geregelt werden. Vorerst hat Freislebens Stellvertreter Franz Semling die Amtsgeschäfte übernommen.

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