Freilichtspiele Fröhliche Prügeleien und Wortgefechte

Der gute Hirte hat seine Schäfchen um sich versammelt: Don Camillo (Gunter Heun) hält eine flammende Predigt, in der er seine Gemeindeglieder dafür rügt, dass sie Peppone zum Bürgermeister gewählt haben.
Der gute Hirte hat seine Schäfchen um sich versammelt: Don Camillo (Gunter Heun) hält eine flammende Predigt, in der er seine Gemeindeglieder dafür rügt, dass sie Peppone zum Bürgermeister gewählt haben. © Foto: Freilichtspiele Hall/Jürgen Weller
Schwäbisch Hall / Monika Everling 23.06.2018

Wie hab ich das gemacht?“, fragt Don Camillo seinen „Chef“ Jesus und hofft natürlich auf ein dickes Lob. Aber Jesus antwortet ernüchternd: „Weshalb soll ich dich ständig tadeln, schließlich habe ich dich so geschaffen, wie du bist.“ In der Komödie „Don Camillo und Peppone“ nach Giovannino Guareschi sind die Fronten ebenso unklar wie derzeit in der Bundesregierung. Nicht nur der „hart erkämpfte Kompromiss“ (Don Camillo) beim Namen eines neugeborenen Kindes lässt an die aktuelle Politik denken, sondern auch wechselnde Allianzen: Jesus hält oft nicht zu seinem Priester und schwenkt bisweilen sogar ein rotes Fähnchen, die Kommunisten sind hin- und hergerissen zwischen ihrem Anführer Peppone und der Kirche, und selbst die in allerlei Gefechten eifrig zelebrierte Gegnerschaft von Don Camillo und Peppone erweist sich als Fassade, denn tatsächlich sind sich beide tief verbunden.

Ideenreiche Inszenierung

Intendant Christian Doll hat für die Freilichtspiele Schwäbisch Hall daraus im vergangenen Jahr eine Inszenierung voller origineller Ideen geschaffen, die am Donnerstag auf der großen Treppe Wiederaufnahme-Premiere feierte. Da hängt Jesus ein Schild mit der Aufschrift „Bin gleich wieder da“ ans Kreuz, da schwenkt er in einer urigen Mischung aus religiösem Zeremoniell, Chemieunterricht und affektiertem Gourmet-Gehabe Flüssigkeiten in großen Gläsern, auf dass Wasser zu Wein werde. Oder Don Camillos Gemeinde versammelt sich in Form von laut blökenden Schäfchen um den Priester, um sich als „Schafsköpfe“ beschimpfen zu lassen. Dazu kommen spektakuläre Aktionen wie ein Fußballspiel auf der Treppe und Don Camillos gefährliche Radtour direkt oberhalb der Stufen – samt Sturz. All dies bietet Spannung und beste Unterhaltung.

Flugblatt in Gebärdensprache

Das Ensemble ist hervorragend besetzt. Gunter Heun verkörpert einen gutwilligen, aber auch selbstgefälligen und aufbrausenden Priester. Köstlich anzusehen ist sein Ringen um Fassung, als er erfährt, dass Peppone derjenige war, der ihn vom Fahrrad gestoßen hat. Witzig ist auch, wie er einen von ihm selbst verfassten und gegen sich selbst gerichteten Flugblatt-Text in Gebärdensprache übersetzt.

Dirk Schäfer stellt den nur scheinbar kompromisslosen Kommunistenführer Peppone mit großer Spielfreude dar. Dirk Weiler hat eine sehr schöne Sprachkultur und gibt dem Jesus sympathisch-menschliche Züge. Einen besonderen Applaus bekommt die betagte, zupackend spielende Christine Dorner, die als alte Lehrerin allen die Leviten liest, selbst Jesus muss sich von ihr abkanzeln lassen wie ein Schulbub. Julia Friede wirkt bestens vertraut mit der Rolle von Peppones Frau Ariana, obwohl sie kurzfristig für die verletzte Silke Buchholz eingesprungen ist.

Regisseur Christian Doll nutzt die Möglichkeiten der Treppe als Bühne hervorragend, seine Personenführung bezieht den gesamten Treppenraum und teilweise auch den Marktplatz mit ein. Das Bühnenbild von Cornelia Brey ist schlicht, aber wirkungsvoll: Ochs und Esel stehen für Weihnachten ebenso wie für Don Camillo und Peppone; ein Schwibbogen und ein Transparent lassen sich auch als Fußballtore verwenden. Und nicht zuletzt erfreut die Livemusik der Band „Tante Polly“, deren Mitglieder auch als Darsteller in Nebenrollen mitwirken.

Info Weitere Aufführungen sind an diesem Samstag, 23. Juni, sowie von 14. bis 17. August jeweils ab 20.30 Uhr.

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