Freilichtbühne Frischer Wind im Burggraben

Vorhang auf für die Burgfestspiele Künzelsau.
Vorhang auf für die Burgfestspiele Künzelsau. © Foto: Archivfoto
Künzelsau / Thomas Zimmermann 11.01.2018
Die Burgfestspiele Künzelsau auf Schloss Stetten starten mit dem Regisseur Udo Grunwald und einem historischen Stück in ihr 29. Jahr.

Erlaucht, wir erwarten die Gäste in Kürze“, kündigt Diener Dieter im Ballsaal des Schlosses Kirchberg an. „Es kommt noch ein ungeladener Gast, Junker Jörg aus Dresden. Erschrecken Sie nicht, er hat eine Gesichtsverletzung und trägt deshalb eine Maske“, antwortet Karl August Graf von Hohenlohe-Kirchberg. Mit dieser Szene beginnt das Stück „Der Postraub von Mäusdorf“, das die Burgfestspiele in diesem Jahr im Graben vor Schloss Stetten aufführen.

Nach Jahren der Abstinenz dominiert somit wieder ein regionales Ereignis das Geschehen im Burggraben. Den historischen Stoff aus dem Jahr 1754 wird Udo Grunwald als neuer Regisseur in Szene setzen.

Von 1999 bis 2003 spielte er am Stadttheater Heilbronn unter anderem im umstrittenen Stück „Corpus Christi“. Auch als Klinikclown, beim Kinder- und Jugend­theater Radelrutsch und auf dem Theaterschiff machte sich der 49-Jährige in Heilbronn einen Namen. Regieerfahrung sammelte Grunwald, der sehr gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, in Neuenstadt. Nun gilt es, das Laienensemble schnell kennenzulernen und die Rollen passend zu besetzen.

Spätestens Anfang Februar sollen die Proben starten. Grunwald möchte die Zuschauer gut unterhalten; eine Belehrung in Sachen Geschichte sollen die sieben Aufführungen nicht werden.

Für die spannende historische Begebenheit, die dem Stück zugrunde liegt, ist Schlossherr Wolfgang von Stetten tief in die historischen Archive in Regensburg und Neuenstein eingetaucht. Tatsächlich ist „Der Postraub von Mäusdorf“, bei dem 1754 einem polnischen Diplomaten aller Schmuck, Anzüge und geheime Papiere gestohlen wurden, in den Quellen belegt.

Das Ereignis lässt aber auch Platz für Spekulationen. „Wir gehen davon aus, dass es ein Auftragsüberfall des Grafen von Kirchberg war, um den Stettens eins auszuwischen“, legt sich Wolfgang von Stetten fest. Tatsächlich wurde nach dem Überfall die Postlinie, die von Heilbronn über Künzelsau und Schloss Stetten nach Langenburg führte, direkt über Ilshofen nach Kirchberg umgeleitet.

Mit dem spannenden Stoff mit viel Lokalkolorit knüpfen die Burgfestspiele wieder an das allererste Stück „Hi Stetten – hi Hohenlohe“ an.

Udo Grunwald kann sich ein längeres Engagement als Regisseur auf der Burg vorstellen. Und Wolfgang von Stetten hat den Stoff für ein weiteres Stück, das im Jahr 2020 aufgeführt werden könnte, schon ausgesucht: „Im Jahr 1585 soll ein von Stetten in Schwäbisch Hall hingerichtet worden sein, weil er der Gattin des Bürgermeisters auf die Schleppe getreten sein soll“, schildert er. „Das würde passen.“

Männliche Darsteller werden gesucht

Sieben Mal wird das Stück „Der Postraub von Mäusdorf“ im Burggraben von Schloss Stetten aufgeführt. Nach der Premiere am Donnerstag, 12. Juli, finden weitere Vorstellungen am 13., 14. und 15. sowie am 18., 20. und 21. Juli statt. Beginn ist um 20 Uhr. „Wenn es gut läuft, hängen wir vielleicht noch eine Aufführung dran“, sagt Wolfgang von Stetten. Männliche Schauspieler werden noch gesucht. Interessenten können sich per E-Mail an regieassistenz@outlook.de melden. zim

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