Jazzkonzert in der Hospitalkirche Friedliche Phrasen und vereinzelt vehemente Attacken

Der Trompeter Tom Arthurs spielt in der Hospitalkirche.
Der Trompeter Tom Arthurs spielt in der Hospitalkirche. © Foto: Hans Kumpf
Schwäbisch Hall / Hans Kumpf 02.10.2018
Trompeter Tom Arthurs zelebriert mit seinem Trio in der Haller Hospitalkirche eine weiche Wohlfühlmusik.

Im zweiten Konzert in der Kooperation der renommierten Reihe „Jazztime“ mit  den neu inszenierten „Britischen Kulturwochen“ war wieder ein in deutschsprachigen Landen wohnhafter Engländer samt einem international besetzten Ensemble zu hören. Nur etwa 50 aufmerksame Zuhörer fanden sich dazu in der Schwäbisch Haller Hospitalkirche ein.

Schlicht und gemütlich erscheint zunächst die Musik des Trios. Die vom Bandleader geschriebenen Noten, welche Pianist Marc Schmoller vor sich hatte, sind jedoch ganz und gar nicht simpel konzipiert. Etliche aleatorische Entscheidungsfreiheiten werden zwar eingeräumt, aber Rhythmen und Melodieverläufe gestaltet Arthurs äußerst komplex. Darüber hinaus gibt es in der von schnellen Triolen durchsetzten Zugabe, einem erst 2018 entstandenen Stück, fast poetische Anweisungen wie „the heart of things“, „piano lightly prepared, even just paper“ und „a fine romance“. Die Kompositionen von Tom Arthurs heißen kryptisch „Evergreens“, „Pyörähdellen“ (finnisch, zu Deutsch „Schwingen“), „Liepnitz in Ruhe“ oder „Verklöstert“.

Eine behutsame Band

Seine Trompete spielt Tom Arthurs meist offen. Nur gelegentlich stopft er einen Dämpfer hinein, um dann an den Klang-Glanz von Miles Davis zu erinnern. Mitunter bläst der seit Februar im schweizerischen Bern dozierende Brite aber forsch zur Attacke. Ansonsten agiert die Band behutsam und leise – auch der aus Finnland stammende Schlagwerker Markku Ounaskari.

Mit hymnischen Trompeten-­Kantilenen hat der Abend begonnen, vom Steinway-Flügel wurde akkordisch die melancholisch-­meditativ-modale Stimmung aufgegriffen. Impressionistisches wie bei Debussy entfaltet sich immer wieder, einzelne Motive werden intensiv wiederholt. Mit ausgiebiger Pedalisierung sorgt Marc Schmolling für „Obertonhörigkeit“, „Nachhalltigkeit“, Raum und Weite. Ohrengefällige orientalische Skalen als auch jazzige „blue notes“ integriert der 46-jährige Tastenmann gleichermaßen in seinen spannungsreichen Vortrag. Ein nach oben gerichteter Quartsprung der Trompete bildet eine Zeitlang eine beruhigende Konstante. Blechbläser Tom Arthurs macht meist nicht den heroischen Strahlemann, sondern geht weitgehend bewusst würdevoll vor, kann jedoch kurzfristig jubilierend und vibrierend agieren. Markku Ounaskari (Jahrgang 1967) setzt hierzu gediegen dezente Akzente, später orientiert er sich auf der kleinen Konzerttrommel schlagfertig offenbar an Maurice Ravels berühmtem „Bolero“-Rhythmus.

Statisches Verharren

Improvisationsbedingte Überraschungseffekte haben keinen Platz in der ausgeklügelten Konzeption dieses Trios. Mehr statisches Verharren als dynamische Entwicklungsprozesse – dem Publikum gefällt diese Vorgehensweise. Und auch die Veranstalter, das von Ute-Christine Berger geleitete städtische Kulturbüro und der Jazzclub Hall, dürften zufrieden sein.

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